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5 Ringe – 5 Fragen: Bürgerschaftsreferendum entscheidet über Hamburger Olympiabewerbung
Warum möchte sich Hamburg bewerben?
Hamburg versteht sich als internationale Sport- und Hafenstadt mit kurzen Wegen, moderner Infrastruktur und großer Erfahrung bei der Ausrichtung internationaler Veranstaltungen wie dem SUZUKI World Triathlon Hamburg oder dem Haspa Marathon. Den nächsten großen Schritt sieht die Stadt Hamburg in einer möglichen Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele. Sie bieten die Möglichkeit, nicht nur die Spiele modern zu organisieren, sodass sie nachhaltig geplant sind und daher mit bestehenden und temporären Sportstätten arbeiten, sondern dadurch auch die Stadt weiterzuentwickeln.
Im Mittelpunkt der Bewerbung steht die Idee kompakter Spiele: Viele Wettkampfstätten liegen zentral und sind gut mit dem ÖPNV, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichbar. Gleichzeitig möchte Hamburg die Spiele nutzen, um wichtige Zukunftsprojekte in den Bereichen Sport, Mobilität, Wohnungsbau und Stadtentwicklung zu beschleunigen.
Wie sollen die Spiele in Hamburg aussehen?
Herzstück der Hamburger Olympiabewerbung ist die Binnenalster, auf deren eindrucksvoller Kulisse die Eröffnungsfeier den Auftakt bilden soll. Hier sollen laut Senat danach das 3x3 Basketball Turnier und die finalen Bogenschießen Wettkämpfe ausgetragen werden.
Die kompakte Planung soll die Spiele in Hamburg möglichst nahbar für Zuschauerinnen und Zuschauer machen.
85 % der Wettkampfstätten befinden sich in einem Umkreis von sieben Kilometern, ausgehend von der „Olympic Park City“, dem Heiligengeistfeld. Im „Olympic Park Altona“, im nördlichen Volkspark finden laut Konzept Leichtathletik, Turnen und Schwimmen statt.
Durch kurze und barrierearme Wege in der Stadt, soll Hamburg zur barriereärmsten Metropole Deutschlands werden – so das Ziel der Konzept-Verantwortlichen in Hamburg.
Die weltbesten Athlet*innen kommen in einem Olympischen und Paralympischen Dorf, der Science City Hamburg Bahrenfeld, zusammen. Die zentrale Lage ermöglicht es 40 % der Athlet*innen zu Fuß zu ihren Wettkampfstätten zu gelangen. Nach den Spielen stehen die Wohnanlagen rund 9.000 Menschen als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung.
Mit Kiel setzt Hamburg auf einen Außenstandort, an dem Segeln, Handball und Rugby geplant sind.
Welche langfristigen Vorteile hätten Olympia und Paralympics für Hamburg?
Der Ausbau einer barrierearmen Stadt bedeutet, dass nicht nur die Spiele für viele Menschen zugänglich sind, sondern auch, dass die Stadt weit über die Spiele hinaus von barrierearmen ÖPNV, Sportanlagen und Infrastruktur profitiert.
24 % der Wettkampfstätten werden laut Senat temporär errichtet und Teil der Ausstattung kommen im Anschluss in Hamburger Sportstätten zum Einsatz, wie z. B. Turn- und Hallenböden. Auch Schulen und Bezirke sind in der Nachnutzung vorgesehen und erhalten bspw. Tischtennisanlagen.
Übrigens: Schon seit 2015 profitiert Hamburg von der letzten Olympiabewerbung. Die Stadt hält seither am Konzept der „Global Active City“ fest und zeigt damit, welche Impulse zur Sportförderung allein durch die Bewerbung ausgelöst werden können.
Wer unterstützt die Hamburger Bewerbung?
Der Sport, bekräftigt seine Unterstützung in Breite und Spitze über den April und Mai verteilt mit der Ausrichtung von vielen Aktionsspieltagen: von Schwimmen über Tennis bis Rugby. Egal ob Harvesterhude Tennis- und Hockey-Club, Hamburger Sport-Verein oder der Lauftreff bis zum Referendum – die Vereine und Veranstaltungen zeigen, der Sport steht hinter der Bewerbung Hamburgs und sieht die Potenziale, die hinter Olympischen und Paralympischen Spielen stecken.
Aber nicht nur der Sport, sondern auch in der Politik erfahren die Planungen des Senats große Unterstützung. Für den Hamburger Oberbürgermeister Peter Tschentscher ist klar: „Olympia steht für sportlichen Wettbewerb und ein friedliches Miteinander der Völker. Die Olympischen Spiele werden zusammen mit den Paralympischen Spielen ausgerichtet, die Teilhabe und Inklusion fördern.“
Daneben hat sich ein breites Bündnis an Wirtschaftspartnern – neben der nationalen Wirtschaftsinitiative – gebildet, das die Bewerbung unterstützt.
Wie geht es nach dem Bürgerschaftsreferendum weiter?
Das Ergebnis des Bürgerschaftsreferendums fließt in der Kategorie „Nationale Akzeptanz“ in die Bewertungsmatrix des DOSB mit ein. Daneben bilden die sportfachliche Eignung, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Finanzierung sowie Fragen der nachhaltigen Wirkung über die Spiele hinaus weitere prüfungsrelevante Kriterien.
Das Bürgerschaftsreferendum in Hamburg bildet als letztes Referendum den Abschluss der Stufe 2, der Einbindung der Bevölkerung, im 3-Stufen-Modell des DOSB. Auf diese Phase folgt die dritte Stufe, in der alle bis 4. Juni eingereichten Konzepte geprüft und bewertet werden.
Am 26. September fällt auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden die finale Entscheidung, welches Konzept in das internationale Rennen zieht.
Sein Erfolgsrezept? Den Körper unter Vollstress setzen!
13 oder 14 Jahre war er alt, ganz genau weiß Maximilian Dallinger es nicht mehr, als er mit seinen Eltern zum ersten Mal die Schießanlage in Garching-Hochbrück besuchte. Im Weltcup war damals der US-Amerikaner Matthew Emmons am Start, Olympiasieger von Athen 2004 und für das Nachwuchstalent von der Schützengesellschaft Isental Lengdorf ein absolutes Vorbild. „Für mich war es ein Traum, einen Sportler wie ihn aus der Nähe erleben zu können“, sagt der 29-Jährige rückblickend. In dieser Woche nun steht Maxi in Garching selbst im Mittelpunkt. Beim Heimweltcup auf der Schießbahn der Olympischen Spiele von 1972 ist der Mann, der im vergangenen Jahr mit dem Gewinn des WM-Titels in der Disziplin Luftgewehr 10 Meter die Schießsportwelt durcheinanderwirbelte, einer derjenigen, auf die nicht nur der Nachwuchs schaut.
„Ein Weltcup daheim ist immer etwas Besonderes. Aber der Stellenwert dieses Wettkampfs ist weltweit extrem hoch, weil er für alle Nationen ein absolutes Highlight im Kalender darstellt“, sagt der gebürtige Erdinger, der mittlerweile in Freising und damit keine halbe Stunde von einer der größten zivilen Schießanlagen der Welt entfernt lebt. 732 Athlet*innen aus 85 Nationen haben für die Wettbewerbe gemeldet, der Bayrische Rundfunk überträgt das Luftgewehr-Finale der Männer an diesem Dienstag um 18.30 Uhr und das Finale der Gewehrfrauen im Dreistellungskampf am Mittwoch um 13 Uhr live auf BR24sport.de, die restlichen acht Finals laufen bei sporteurope.tv. „Die Veranstaltung ist immer perfekt organisiert, innerhalb von zehn Minuten ist man an allen Wettkampfstätten. Alle Ausrüster präsentieren ihre Ware und Neuheiten. Es ist mehr eine Messe als ein normaler Weltcup, daraus erklärt sich die Beliebtheit“, sagt Maxi Dallinger.
Dazu kommt, dass die Anbindung an die Stadt München und die Berge und Seen im Umland perfekt ist. Anders als bei Wettkämpfen in Doha (Katar) oder Kairo (Ägypten), wo die Schießanlagen entweder abgelegen in der Wüste liegen oder für Publikum gar nicht zugänglich sind, werde die Stimmung im Schießsportland Deutschland – der Deutsche Schützenbund (DSB) ist mit rund 1,35 Millionen Mitgliedern hinter Fußball, Turnen, Tennis und dem Deutschen Alpenverein fünftgrößter olympischer Fachverband – allseits hoch geschätzt. „Wenn man eine Umfrage unter den internationalen Athlet*innen machen würde, wäre der Weltcup in Garching für 95 Prozent der Lieblingsstandort, da bin ich sicher“, sagt Maxi Dallinger.
Wer es in die Top 20 schafft, zählt zur Weltspitze
Dass die Augen in seiner Heimat noch mehr als sonst auf ihn gerichtet sein werden, ist dem 1,82 Meter großen Athleten bewusst. Der WM-Titel aus dem vergangenen Jahr, der in den Medien irgendwo zwischen „überraschend“ und „sensationell“ eingeordnet wurde, hat seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht; weniger dagegen seinen Stellenwert in der Szene, glaubt Maxi Dallinger. „Ich war auch vorher schon auf der Bildfläche und habe nicht das Gefühl, jetzt der Gejagte zu sein“, sagt er. Dafür sei die Spitze in seiner Paradedisziplin zu breit. „Bei internationalen Wettkämpfen kommen 30 Kandidaten infrage, die gewinnen können. Man kann nie mit einer Finalteilnahme rechnen, wer es in die Top 20 schafft, zählt zur absoluten Weltspitze. Die Tagesform ist in unserem Sport sehr entscheidend“, sagt der Topathlet, der auch im Kleinkaliber-Dreistellungskampf aktiv ist.
Als Beleg dafür lässt sich der WM-Wettkampf in Kairo im vergangenen Jahr anführen, in dem Dallinger es im Finale mit Olympiasieger Lihao Sheng aus China und dem schwedischen Olympiazweiten Victor Lindgren zu tun hatte. „Wenn die einen Toptag haben, hauen die einem ein Brett vor den Kopf, dass einem die Ohren schlackern. An dem Tag war das aber nicht so, beide hatten ein paar schlechte Schüsse dabei, ich habe ausgewogen ohne Ausreißer geschossen. Und auf einmal war ich Weltmeister“, erinnert er sich an die Dramatik des Finales, in dem er mit dem letzten Schuss Lindgren um 0,3 Ringe auf Rang zwei distanzieren konnte.
Für Maxi Dallinger war dieses Erlebnis nicht nur sportlich, sondern vor allem mental ein Gamechanger. Hatte er sich vor der WM in Finalwettkämpfen bei internationalen Events oft schwergetan, war da in Kairo plötzlich ein anderes Gefühl. „In der Qualifikation spürte ich, dass es sehr gut läuft, dennoch hatte ich diesen Angstmoment, in dem ich gedacht habe: Wenn ich jetzt ins Finale komme, geht es mir wieder schlecht! Als Schütze kann man solchen Stress gar nicht gebrauchen, aber bei der WM ist es mir gelungen, ihn in positive Energie umzuwandeln. Und mit diesem Wissen, dass ich jetzt Werkzeuge habe, um damit besser umzugehen, fühle ich mich selbstbewusster“, sagt er.
„Rezept für Bewegung“ kommt in die Arztpraxis
Mehr Bewegung beginnt oft mit einem einfachen Impuls. Genau dafür steht das „Rezept für Bewegung“: Ärzt*innen können ihre Patient*innen gezielt zu mehr körperlicher Aktivität motivieren und konkrete Bewegungsangebote empfehlen. Jetzt wird dieses Instrument einfacher nutzbar als je zuvor.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Mitte Februar 2026 darüber informiert, dass das „Rezept für Bewegung“ Praxisverwaltungssystem-Anbietern ab sofort als Formular zur freiwilligen Integration zur Verfügung steht. Damit kann das Formular direkt in die Praxissoftware eingebunden, digital ausgefüllt, ausgedruckt und unkompliziert im Praxisalltag eingesetzt werden. Ein wichtiger Schritt, um Bewegung noch stärker als selbstverständlichen Bestandteil gesundheitlicher Prävention zu verankern.
Mit der Duria eG hat nun bereits der erste Anbieter reagiert und das „Rezept für Bewegung“ in sein Praxisverwaltungssystem integriert. Damit steht das Formular ab sofort rund 4.900 Mitgliedern sowie mehr als 2.300 Arztpraxen zur Verfügung.
Bewegung einfacher in den Alltag bringen
Bewegungsmangel gehört zu den größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Gleichzeitig wissen wir: Regelmäßige Bewegung wirkt präventiv, stärkt die körperliche und psychische Gesundheit und verbessert Lebensqualität in jedem Alter. Die Integration des „Rezepts für Bewegung“ in Praxissoftware erleichtert Ärzt*innen den Zugang zu einem niedrigschwelligen Präventionsinstrument – ohne zusätzlichen Aufwand im eng getakteten Praxisalltag.
DOSB startet Engagement im E-Sport und gründet DOSB E-Sports gGmbH
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gründet die DOSB E-Sports gGmbH. Das hat das Präsidium des DOSB beschlossen. Mit der neuen Gesellschaft schafft der DOSB eine eigenständige organisatorische Plattform, um sein zukünftiges Engagement im Bereich E-Sport strukturiert, partnerschaftlich und werteorientiert weiterzuentwickeln. Ziel der DOSB E-Sports gGmbH ist es, gemeinsam mit bestehenden Akteuren aus E-Sports, Gaming, Sport, Politik und Gesellschaft nationale Strukturen und Projekte zu entwickeln, die Leistung, Haltung und Community miteinander verbinden.
Leon Ries, Vorstand Jugend im DOSB, erklärt: „E-Sports und Gaming sind für Millionen junger Menschen selbstverständlicher Teil ihrer Lebensrealität. Als organisierter Sport sehen wir darin die Chance, Bewegung, Leistung, Gemeinschaft und Werte auch im digitalen Raum sichtbar zu machen und gemeinsam mit bestehenden Akteuren Verantwortung für positive Entwicklungen zu übernehmen.“
DOSB begrüßt Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Olympiabewerbung
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am Donnerstagvormittag den Senat beauftragt, sich gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Ausrichter für die Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Zwei Drittel der Abgeordneten stimmten für das Konzept Berlin+, das der Berliner Senat am 5. Mai einstimmig beschlossen hatte.
Damit hat Berlin als dritter nationaler Bewerber die Voraussetzungen der Stufe 2 im dreistufigen Auswahlverfahren des DOSB abgeschlossen. Zuvor hatten die Menschen in München und der Rhein-Ruhr-Region in Bürgerreferenden bereits mit großer Mehrheit für Spiele in ihrer Stadt beziehungsweise Region gestimmt. In Hamburg findet am 31. Mai ein Bürgerschaftsreferendum statt. Am 4. Juni endet die Frist zur Einreichung der Konzepte beim DOSB. Anschließend werden die Konzepte evaluiert. Das Ergebnis des Beschlusses fließt ebenfalls in die Bewertungsmatrix des DOSB ein. Über den nationalen Kandidaten stimmt am 26. September in Baden-Baden die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB ab.
In Berlin ersetzt der Beschluss ein Bürgerreferendum
Anders als die drei anderen deutschen Bewerber verfügt das Land Berlin nicht über die rechtliche Voraussetzung, eine eigene Volksabstimmung auf den Weg bringen. In Berlin ersetzt der Beschluss somit ein Referendum und dokumentiert die politische Unterstützung des gewählten Landesparlaments für die Bewerbung. Zuvor hatte sich das Berliner Parlament mit der Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ befasst. Darin unterstützt der Landessportbund Berlin die Olympiabewerbung und fordert konkrete Verbesserungen für die Sportförderung und Sportinfrastruktur.
Warum das Extreme niemals normal werden darf
Am vorvergangenen Wochenende konnten wir live verfolgen, wie der Berliner Ultra-Marathonläufer Arda Saatci innerhalb von 96 Stunden 600 Kilometer durch den Westen der USA laufen wollte. Auch ich war fasziniert davon, dass das, was dieser Typ vorhatte, der absolute Wahnsinn ist. Auch wenn er am Ende 123 Stunden gebraucht hat, um die gut 14 Marathonläufe am Stück zu absolvieren, ist diese Leistung kaum greifbar und hat wieder einmal gezeigt, wie es möglich ist, die eigenen Grenzen zu verschieben. Die Tausenden Menschen, die diesen Weg mitverfolgt und den Hut davor gezogen haben, unterstreichen diese einzigartige Leistung. Und trotzdem kam neben der Faszination in mir auch ein Störgefühl auf. Das Ausmaß, mit dem dieser Lauf verfolgt wurde, hat mich irritiert, und ich war damit nicht allein. Auch Christoph Becker hat am vergangenen Mittwoch in der FAZ in seinem Kommentar ein ähnliches Gefühl benannt. Uns droht gerade die Realität wegzulaufen. Eine Entwicklung, die ich bereits länger mit großer Sorge betrachte.
Machen wir uns nichts vor: Das Ausloten von Grenzen, dieses „Schneller, Höher, Weiter“, ist die DNA des Leistungssports. Jede Athletin und jeder Athlet möchte herausfinden, wie weit die individuelle Leistungsgrenze verschoben werden kann. Das ist schon immer so gewesen, und es wird auch in Zukunft das Ziel sein, den menschlichen Körper weiter zu optimieren und dabei auch Erkenntnisse der Wissenschaft einzubeziehen, im medizinischen oder auch im technischen Bereich. Was dabei jedoch aktuell aus dem Fokus zu geraten scheint, ist der Fakt, dass Leistungen wie die von Arda Saatci absolute Extreme und eine Ausnahme sind. Extreme, die nur erbracht werden können mit der Hilfe von jahre- oder meist gar jahrzehntelangem Training, körperlicher und mentaler Ausnahmekonstitution und finanzieller Unterstützung auf höchstem Niveau. Die Normalität ist eine andere: Einen Marathon zu laufen, ist bereits eine Ausnahme, die nicht einfach so geleistet werden kann. Auch wenn es mich fasziniert und gleichzeitig befremdet, wie viele Leute das mittlerweile versuchen, ist es ein Fakt und keineswegs verwerflich, dass viele dieser Versuche nicht erfolgreich sind.
Es ist gut, dass Saatci, in einem „Focus“-Interview öffentlich erklärt hat, sein Projekt sei nicht zum Nachahmen empfohlen. Der Eindruck, der durch die Aufmachung seines Laufes entsteht, ist jedoch ein anderer: Immer mehr Menschen halten es nicht nur für möglich, sondern sogar für erstrebenswert und irgendwie schon selbstverständlich, die von der eigenen Physis gesetzten Grenzen unter Einbezug sämtlicher zur Verfügung stehenden Mittel so weit zu verschieben, dass das Extreme zum Normalen wird.
Kein seriöses Medium kommentiert die perverse Show positiv
Eine Show, die exemplarisch für genau dieses Denken und Handeln steht, sind die „Enhanced Games“ (besser bekannt unter dem Namen „Doping-Spiele“), die am Pfingstwochenende in Las Vegas ihre Premiere haben sollen. Rund 50 Teilnehmende in den olympischen Kernsportarten Leichtathletik und Schwimmen sowie im Gewichtheben treten dort an, um unter expliziter Freigabe von Dopingmitteln Weltrekorde zu brechen. Wem das gelingt, der kann sich einen Bonus von einer Million US-Dollar sichern. Wer einfach nur gewinnt, kann bis zu einer Viertelmillion kassieren; die Antrittsgage in fünfstelliger Höhe ist allen garantiert.
Es könnte mich beruhigen, dass unter den Premierengästen außer dem früheren 100-Meter-Weltmeister Fred Kerley, der wegen eines Dopingvergehens bereits suspendiert ist, keine Athlet*innen auf Weltklasseniveau ihre Teilnahme zugesagt haben. Alle internationalen und nationalen Fachverbände sowie das IOC und die WADA verurteilen die Pläne der Organisatoren und haben geschlossen erklärt, dass alle Teilnehmenden künftig nichts mehr im sauberen Sport zu suchen haben. Es gibt kein seriöses Medium weltweit, das die „Enhanced Games" positiv kommentiert, und selbst in den USA keinen Medienpartner, der diese perverse Show begleiten möchte. Und trotzdem: Allein die Diskussionen, die darüber entstanden sind, richten bereits immensen Schaden an. Überhaupt in Erwägung zu ziehen, ob es für den durchschnittlichen Menschen zur Mode werden soll, seine Grenzen mittels verbotener, unkalkulierbar gesundheitsgefährdender Stoffe ins Extreme zu verschieben, richtet immensen Schaden an. Weil es unterstreicht, wie weit unsere Gesellschaft, deren Spiegel der Sport ist, zu gehen bereit scheint.
Klarzustellen ist: Die Summen, die im Raum stehen, rechtfertigen das Nachdenken über eine Teilnahme. Insbesondere für Athlet*innen, die nicht aus Europa kommen, ist die Möglichkeit, auf einen Streich für das eigene und die Leben der Familie ausgesorgt zu haben, mehr als verlockend. Gesundheitliche und ethische Bedenken verschwinden dahinter. Es fällt mir daher schwer, jemanden zu verurteilen, der dieser Verlockung nachgeht. Es muss jedoch klar sein: Wer sich einmal öffentlich für Doping ausgesprochen hat – und bereits die Teilnahme an den Enhanced Games ist ein solches Statement –, hat im sauberen Sport nichts mehr zu suchen. Hier sehe ich einen Unterschied zu denen, die einen Dopingverstoß begangen haben, aber Reue zeigen und sich grundsätzlich gegen Doping positionieren. Für diese sieht unser System eine zweite Chance vor. Befürworter*innen von Doping haben diese nicht verdient.
Diversity Day: So lebt ihr Vielfalt im Sportverein
Vielfalt ist eine zentrale Stärke des Sports. Jeden Tag bringen Sportvereine Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, Fähigkeiten und Lebensrealitäten zusammen. Gleichzeitig zeigt sich: Vielfalt entfaltet sich nicht von selbst, sie braucht Bewusstsein, Strukturen und konkrete Unterstützung im Alltag der Vereine.
Der DOSB stellt dafür verschiedene praxisnahe Angebote bereit. Sie unterstützen Vereine dabei, Zugänge zu erleichtern, Barrieren abzubauen und eine offene, wertschätzende Vereinskultur zu fördern. Im Folgenden ein Überblick über ausgewählte Tools, Qualifizierungen und Formate:
„Es gibt von mir keinen erhobenen Zeigefinger und keine unerbetenen Ratschläge“
Am Türmersturm, dem Wahrzeichen der Stadt Tauberbischofsheim, weht seit 2013 die Fahne mit den Olympischen Ringen. Dass sie an diesem Frühlingstag kopfüber an ihrem Mast flattert, könnte man fast symbolisch deuten, schließlich ist der Mann, zu dessen Ehren sie gehisst wird, seit Juni vergangenen Jahres nicht mehr Kopf des Internationalen Olympischen Komitees. „Ich habe das Amt noch keine Minute vermisst“, sagt Dr. Thomas Bach, als er den Besuch aus dem DOSB in seinen neuen Büroräumen in der Altstadt von Tauberbischofsheim empfängt. Um seine Zeit als IOC-Präsident soll es im Gespräch aber auch nur am Rande gehen. Anlass für das Treffen, für das der weiterhin eng getaktete Team-Olympiasieger im Fechten von 1976 75 Minuten Zeit freigeräumt hat, ist der 20. Jahrestag der Gründung des DOSB, dessen erster Präsident er im Mai 2006 wurde.
Herr Dr. Bach, der 20. Mai 2006 ist ein geschichtsträchtiges Datum im deutschen Sport. Welche Erinnerung dominiert, wenn Sie an diesen Tag denken?
Thomas Bach: Bei mir ist das ganz deutlich die Erinnerung an die Gründungsfeier in der Frankfurter Paulskirche, die als Wiege der deutschen Demokratie einen sehr besonderen Stellenwert besitzt. Dort die Gründung des Deutschen Olympischen Sportbunds feierlich mit einer ganzen Reihe höchstrangiger Gäste begangen zu haben, hat mich sehr bewegt. Ganz besonders habe ich mich darüber gefreut, dass der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu den Gästen zählte. Für mich verkörperte er eine Mischung aus väterlichem Freund und Vorbild. Er hatte mir schon vor der Gründung zugesichert, dass er bereit wäre, sich als Persönliches Mitglied des DOSB zur Wahl zu stellen. Seine Bereitschaft mitzuwirken, hat dem DOSB in seiner Gründungszeit sehr gut getan. Für mich persönlich war es eine große Geste der Verbundenheit, an die ich mich auch 20 Jahre danach noch besonders gern erinnere.
Wie hat sich damals angebahnt, dass Sie erster Präsident des DOSB werden würden? Wie ist diese Idee entstanden?
Ich hatte schon Mitte der 90er-Jahre einen ersten Versuch unternommen, die Fusion zwischen dem Deutschen Sportbund und dem Nationalen Olympischen Komitee anzubahnen. Damals gab es ein Gipfeltreffen mit Bundeskanzler Helmut Kohl und dem langjährigen NOK-Präsidenten Willi Daume, an dem auch Vertreter großer Sponsoren wie der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Edzard Reuter, oder Bernd Schiphorst von Bertelsmann teilnahmen. Dort wurde die Idee diskutiert und vom Kanzler befürwortet, sie ist jedoch innerhalb des deutschen Sports zerredet und kleingehalten worden. Insbesondere Daumes Nachfolger Walther Tröger war ein entschiedener Gegner einer Fusion. Erst als Tröger 2002 von Klaus Steinbach abgelöst wurde, kam wieder Bewegung in dieses Thema. Zwischen Steinbach und Manfred von Richthofen, der als DSB-Präsident viele Jahre für eine bessere Kooperation geworben hatte, entwickelte sich ein guter Kontakt. Schließlich wurde eine Findungskommission gegründet, um mögliche Kandidaten für die DOSB-Präsidentschaft vorzuschlagen. Diese kontaktierte mich und fragte, ob ich bereit wäre, dieses Amt zu übernehmen.
Was hat Sie dazu bewogen, sich tatsächlich dieser Aufgabe zu stellen?
Ich habe intensiv mit mir gerungen. Letztlich waren es die Gespräche mit meiner Frau und engen Freunden, die den Ausschlag gegeben haben. Sie alle haben zu mir gesagt: Du kannst nicht immer eine Fusion fordern, aber dann kneifen, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Du musst das machen! Also habe ich mich zu einem Gespräch bereit erklärt. Vorsitzender der Findungskommission war der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger. Eine Frage, an die ich mich erinnere, war angesichts der bekannten Kontroversen zwischen NOK und DSB, welchen der beiden Generalsekretäre ich weiterbeschäftigen würde. Auf meine Antwort – keinen von beiden – reagierte die Kommission überrascht, aber auch etwas erleichtert, weil beide Seiten wohl befürchtet hatten, ich würde die jeweils andere Partei bevorzugen. Mir schwebte aber ein anderes Profil vor: Ein Generaldirektor, der den DOSB kraftvoll führen und nach außen vertreten sollte. Das wurde akzeptiert. Am Ende hat die Kommission vorgeschlagen, mich zum Gründungspräsidenten des DOSB zu wählen.
Worin haben Sie vor 20 Jahren die größten Chancen der Fusion von DSB und NOK gesehen, worin die größten Risiken? Warum haben Sie damals geglaubt, dass die Fusion der richtige Schritt sein würde?
Die größte Chance habe ich darin gesehen, den deutschen Sport zu vereinen und dafür zu sorgen, dass er mit einer Stimme spricht und als Einheit wahrgenommen wird. Es war damals offensichtlich, dass DSB und NOK im besten Fall nebeneinander herumwerkelten, oftmals aber auch gegeneinander. Das hat zu Parallelarbeit und Missverständnissen geführt, zu Mehraufwand und unnötiger Bürokratie. Das ging so weit, dass Sportfachverbände, die im NOK und im DSB Mitglied waren, in der einen Organisation A und in der anderen B gesagt haben, was wiederum dazu führte, dass in einigen Fällen die beiden Dachverbände gegeneinander ausgespielt wurden. Dadurch war der deutsche Sport in der Gesellschaft beinahe irrelevant geworden, und das ist der Grund, warum ich mich vehement für die Fusion eingesetzt und geglaubt habe, dass sie der richtige Schritt sein würde. Das Risiko lag natürlich auf der Hand: Dass es nicht gelingen könnte, die beiden Organisationen zusammenzuführen, und dadurch ins Chaos abzugleiten.
Wie haben Sie in der Anfangszeit des DOSB die Stimmung in der deutschen Sportfamilie wahrgenommen?
Mir war klar, dass meine erste Aufgabe sein würde, die erhoffte Einheit herzustellen, Skepsis abzubauen und die Mitgliedsorganisationen hinter dem neuen Dachverband zu versammeln. Deshalb habe ich bei meiner Amtseinführung auch darauf bestanden, dass eine geheime Wahl durchgeführt wird und wir sehen konnten, wo wir stehen und ob es wirklich eine stabile Mehrheit für unser Team geben würde. Direkt nach der Wahl haben die Mitglieder dann in der Paulskirche gespürt, welche Relevanz der Sport entwickeln kann und dass er in der Gesellschaft anerkannt werden würde. Man sah die Chance, die die Fusion bot. In meiner Rede habe ich klare Ziele formuliert, mit deren Hilfe wir den gesellschaftlichen Wert des Sports in unserem Land steigern wollten, in dem wir die dem Sport eigenen Werte hervorheben. Das war der rote Faden.
Worin lagen für Sie zum Start die höchsten Hürden?
Besonders hart war eine spätere Phase, als Hans-Peter Krämer, unser Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen, feststellte, dass der DSB zum Zeitpunkt der Fusion finanziell in sehr schwierigem Fahrwasser navigierte. Kurz gesagt: Es türmten sich unerwartete finanzielle Probleme auf, die Hans-Peter Krämer lösen musste. Zum Glück ist ihm dies durch Umschichtung von Verpflichtungen gelungen, zudem stimmten die Mitglieder einer Beitragserhöhung zu. Dazu kam, dass der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger dem DOSB mit einem Millionenbetrag aus dem Gewinn der Fußball-WM 2006 half. Von dem DFB-Geld haben wir die Stiftung Deutscher Sport gegründet.
Was oder wer hat Ihnen am meisten geholfen, die Startprobleme zu überwinden?
Ich hatte ein glänzendes Team an meiner Seite. Schon in der ersten Präsidiumssitzung habe ich den Willen gespürt, die Einheit herbeizuführen und die Fusion zu einem Erfolg zu machen. Das war eine wirklich gute Truppe. Überrascht habe ich aber fast alle mit meinem Vorschlag, Michael Vesper zum Generaldirektor zu berufen, was heute die Rolle des Vorstandsvorsitzenden ist. Das hat doch für einige Skepsis gesorgt: Ein starker Realo-Grüner, der für sein Selbstbewusstsein berüchtigt war! Ich habe argumentiert, dass starke Persönlichkeiten, die die Besten ihres Fachs sind, genau das waren, was der DOSB brauchte. Auch bei dieser Personalie hat mich Hans-Peter Krämer tatkräftig unterstützt, und das hat sehr geholfen, dass Michael Vesper anerkannt und respektiert wurde. Nach sechseinhalb Monaten fand dann die erste Mitgliederversammlung statt, der wir mit großer Spannung entgegengeblickten, weil doch einige hochstrittige Themen diskutiert werden sollten. Einige Medien hatten schon zu jubeln begonnen, dass sich der neu gegründete DOSB selbst zerlegen würde. Wir haben dann aber für alle wichtigen Themen Mehrheiten zwischen 95 und 100 Prozent bekommen. Von da an wussten wir: Der Anfang ist gemacht! Trotzdem war mir bewusst, dass die Einheit jeden Tag neu gepflegt und das Vertrauen jeden Tag aufs Neue erworben werden musste.
Welche Projekte waren für Sie in Ihrer Amtszeit im DOSB die prägendsten?
Sehr glücklich bin ich, dass es uns gelungen ist, das System der Leistungssportförderung umzustellen, weg von einer Belohnung von Verbänden für vergangene Leistungen, hin zu einem System, das Investitionen in die Zukunft in den Vordergrund stellt, begleitet von Zielvereinbarungen mit den Fachverbänden. Dieses System wurde abgesichert durch ein Memorandum of Understanding mit dem Bundesinnenministerium, das die Autonomie des DOSB garantierte. Nach vielen Jahren des Stillstands hat diese Neuordnung auch zu einem Mittelaufwuchs geführt. Ein weiteres Thema, das mir extrem am Herzen lag, war die Gleichberechtigung und Frauenförderung, die vor allem dank Ilse Ridder-Melchers vorangetrieben wurde. Die Frauen-Vollversammlung im DOSB war immer meine Lieblingsveranstaltung, nirgends habe ich mehr Energie und Motivation für stete Verbesserung gespürt. Dazu kam dann noch die starke Erweiterung des Programms Integration durch Sport, das wir mit der Hilfe des damaligen Innenministers Wolfgang Schäuble auf ein neues Niveau heben konnten. Damals habe ich wichtige Dinge gelernt, die mir später im IOC beim Aufbau der Olympic Refuge Foundation sehr geholfen haben.
In Ihre Amtszeit fielen auch die über Missbrauchsfälle im Bereich von Waldorfschule und Kirche angestoßenen Diskussionen um sexualisierte Gewalt im Sport, die auch aktuell ein sehr intensives, vielschichtiges Thema sind. Wie haben Sie diese Themen geprägt?
Wir haben damals sofort proaktiv bekannt, dass es auch in Sportvereinen solche Fälle gibt. Ingo Weiss war dafür zuständig und hat den DOSB mit großem Einfühlungsvermögen positioniert. Ich hatte in dieser Zeit ein Gespräch mit der Bundesbeauftragen für die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann. Nachdem wir uns über die Kernpunkte einer Zusammenarbeit geeinigt hatten, sagte ich zu ihr, dass ich mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen könne als ihre Aufgabe, bei der sie ständig mit dem Leid von Kindern konfrontiert war. Da platzte es regelrecht aus ihr heraus, sie schilderte schlimmste Fälle von sexueller Gewalt an Kindern in Familien. Das hat mich unglaublich mitgenommen, ich werde dieses Gespräch niemals vergessen. Wir haben das Thema Prävention dann im DOSB weiter vorangetrieben. Vorher hatten wir schon ein Projekt gegen Gewalt an Frauen umgesetzt, mit der Profibox-Weltmeisterin Regina Halmich als Testimonial. Projekte wie dieses waren und sind mir bis heute extrem wichtig.
Was hätten Sie in Ihrer Zeit als DOSB-Präsident gern umgesetzt, sind aber nicht (mehr) dazu gekommen?
Da muss ich drei Dinge nennen. Erstens ist es mir nicht gelungen, eine Forderung aus meiner Gründungsrede zu realisieren: Die Förderung des Sports und den Schutz seiner Autonomie im Grundgesetz als Staatsziel zu verankern. Das wurde auch vom Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker unterstützt. Schließlich konnte sich der Bundestag leider nur zu einer Resolution durchringen, in der die Werte des Sports und die Rolle des DOSB gewürdigt wurden. Zweitens haben wir es leider nicht geschafft, die Trainerausbildung wieder zu einer akademischen Ausbildung zu machen und das Vergütungssystem der Bedeutung des Berufs anzupassen sowie dem Aufwand und Einsatz Rechnung zu tragen, den unsere Trainerinnen und Trainer leisten. Auch die Gestaltung längerfristiger Verträge haben wir nicht umsetzen können. Wir haben zwar Fortschritte gemacht, aber nicht in dem Maße, in dem ich mir das gewünscht hatte. Und drittens, meine bitterste Niederlage: Das Scheitern der Bewerbung Münchens um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 auf der IOC-Session 2011 in Durban. Das hat mich extrem getroffen, weil das ein Projekt war, hinter dem der damals noch immer junge DOSB in seiner Gesamtheit stand.
Mischa Kläber erneut in den BVPG-Vorstand gewählt
Im Rahmen der BVPG-Mitgliederversammlung am Montag, 18. Mai 2026, wurde der Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (BVPG) neu gewählt. Als neue Präsidentin tritt Simone Borchardt MdB ihr Amt an. Dr. Mischa Kläber wurde erneut als Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in den Vorstand gewählt und in seinem Amt als Beisitzer bestätigt.
Dr. Mischa Kläber engagiert sich seit dem Jahr 2020 im BVPG-Vorstand und ist innerhalb der Bundesvereinigung offizieller Ansprechpartner für Belange der Bewegungsförderung. Mit seiner Wiederwahl setzt der DOSB sein langjähriges Engagement in der Gesundheitsförderung und Prävention auf Bundesebene fort.
5 Ringe – 5 Fragen: Berliner Abgeordnetenhaus stimmt über Olympiabewerbung ab
Wie sieht das Konzept Berlin+ aus?
Berlin setzt bei seiner Bewerbung auf Spiele im Herzen der Stadt. Die Hauptstadt selbst soll zur olympischen und paralympischen Bühne werden: mit kurzen Wegen, bestehenden Anlagen und einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit. 97 Prozent der benötigten Sportstätten sind nach Angaben des Senats bereits vorhanden.
Ein Schwerpunkt liegt im Olympiapark im Westen Berlins, wo sieben Sportarten gebündelt werden. Im Olympiastadion sind die Leichtathletikwettbewerbe geplant, direkt daneben die Schwimmwettkämpfe. Dafür soll das Olympiaschwimmstadion überdacht, erweitert und modernisiert werden – mit dem Ziel, internationalen Anforderungen zu genügen und zugleich das Angebot an Wasserflächen für die Berliner Bevölkerung zu verbessern.
In unmittelbarer Nähe zum Olympiapark ist auch das Olympische und Paralympische Dorf vorgesehen. Am Stadteingang West, zwischen den S-Bahnhöfen Westkreuz und Grunewald, soll auf rund 45 Hektar ein neues Stadtquartier entstehen. Die Athlet*innen wären dessen erste Bewohner*innen. Anschließend wird das neue Quartier an die Berliner*innen übergeben: Vorgesehen sind mindestens 2.500 bezahlbare Wohnungen sowie Grünflächen, Sport- und Begegnungsräume.
Weitere Wettkampfstätten sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt: unter anderem die Uber Arena für Handball und Judo, die Max-Schmeling-Halle für Volleyball, das Velodrom für den Bahnradsport, die Alte Försterei für Rugby sowie das Sportforum Hohenschönhausen für Fechten und Schießen. Zugleich soll der öffentliche Raum Teil der Spiele werden. Geplant sind Wettbewerbe vor dem Brandenburger Tor, urbane Sportarten auf dem Tempelhofer Feld, der Marathon entlang historischer Orte und der Triathlon an der East Side Gallery. Das Konzept setzt damit bewusst auf Bilder, die den Sport in die Stadt holen und die Menschen nah an die Spiele bringen.
Für seine Bewerbung arbeitet Berlin zudem mit Partnerstandorten zusammen. Sachsen bringt mit Leipzig erprobte Sportstätten ein, unter anderem für die Reitwettbewerbe und Kanuslalom. In Brandenburg sollen unter anderem die Kanu- und Golfwettbewerbe stattfinden. Rostock-Warnemünde und die Ostseeküste sind im Konzept als Austragungsorte für die Segelwettkämpfe vorgesehen.
Was ist über den Sport hinaus geplant?
Athlet*innen, Fans und Gäste aus aller Welt sollen Berlin nicht nur als Gastgeber, sondern als offene und kulturell vielfältige Metropole erleben. Dafür hat die Hauptstadt ein Host‑City‑Konzept entworfen, das Sport, Teilhabe und Kultur in den Mittelpunkt stellt.
Herzstück des Konzeptes ist ein Olympischer Parcours – ein urbaner Erlebnisweg vom Olympiastadion über das Berliner Zentrum bis zum Tempelhofer Feld und dem ehemaligen Flughafen. Entlang dieser Strecke sollen temporäre Orte für Bewegung, Kultur, Public Viewing und Begegnung entstehen. Ein besonderes Zeichen setzt dabei eine geplante temporäre Brücke über dem Brandenburger Tor.
Mit zentralen Momenten wie der Eröffnungsfeier auf dem Tempelhofer Feld, Medaillenfeiern am Brandenburger Tor sowie Fanzonen in den Bezirken sollen die Spiele für möglichst viele Menschen erlebbar werden – als Ereignis für die gesamte Stadt. Eine Kulturolympiade bildet dabei die inhaltliche Klammer und macht Olympische und Paralympische Spiele zu einem gemeinsamen, inklusiven Großereignis.
Wie wurden die Bürger*innen in die Planungen eingebunden?
Die Hauptstadt setzte von Beginn an auf einen offenen, dialogorientierten Beteiligungsprozess. Die Berliner*innen konnten ihre Perspektiven, Ideen und Erwartungen auf verschiedenen Wegen einbringen und die Bewerbung mitgestalten – etwa über Online-Beteiligungen, Workshops, Kieztouren und ein Bürgerforum.
Das Ergebnis dieser Beteiligung ist eine „Bürgercharta für Olympia“. Sie hält fest, wofür die Spiele stehen sollen und welchen konkreten Nutzen sie für Berlin haben müssen. Die Charta bündelt die vielen Stimmen aus der Stadt zu Handlungsempfehlungen, die in die Bewerbung eingeflossen sind – und zeichnet das Bild von alltagsnahen, inklusiven Spielen, die die Stadt spürbar voranbringen.
Hinzu kommt die erfolgreiche Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ des Landessportbundes Berlin. Insgesamt wurden mehr als 21.000 gültige Unterschriften gesammelt, mit dem Ziel, einen Beschluss des Abgeordnetenhauses für eine Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele zu erreichen. Dieser Beschluss soll am 21. Mai gefasst werden. Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde angegeben, dass 28.000 Unterschriften gesammelt wurden, 8.000 mehr als erforderlich zur Erreichung des Quorums. Diese Zahl bezog sich allerdings auf die Unterschriften vor dem Abzug ungültiger und ungeprüfter Stimmen. Wir bitten um Entschuldigung für diesen Fehler.
Was ist über Einnahmen und Kosten bekannt?
Für alle vier deutschen Bewerber hat der DOSB das sogenannte Games Operational Budget (GOB) kalkuliert – also jene Ausgaben, die direkt mit Planung und Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele verbunden sind. Nach diesen Berechnungen bewegen sich die Kosten in einer Größenordnung, wie sie zuletzt bei den erfolgreichen Spielen von Paris 2024 erreicht wurde. Zugleich gilt: Wie schon in Paris sollen die operativen Ausgaben in allen Konzepten durch Einnahmen rund um die Spiele gedeckt werden. Realistisch ist in allen vier Fällen sogar ein Überschuss möglich.
Unabhängig davon sieht Berlin rund um die Spiele zusätzliche Investitionen von insgesamt 1,6 Milliarden Euro in Sportstätten und Verkehr vor. Der Großteil des Geldes soll aus öffentlichen Mitteln kommen und in sogenannte Legacy-Projekte fließen – also Vorhaben mit langfristigem Nutzen für die Stadtgesellschaft. Geplant ist unter anderem, 80 Sportstätten für den Breitensport zu sanieren oder zu modernisieren, darunter Schulsporthallen, Schwimmbäder und Vereinsanlagen. Weitere 440 Millionen Euro sollen in mehr Bewegung und sportliche Förderung für Kinder und Jugendliche fließen – etwa in Angebote an Ganztagsschulen, Talentförderung, zusätzliche Schwimmkurse, Sportplätze und sogenannte Bewegungsinseln in Parks.
Wie geht es weiter und was bedeutet der Beschluss des Abgeordnetenhauses für die Bewertung des DOSB?
Wie alle Bewerber muss auch Berlin sein finales Konzept bis zum 4. Juni beim DOSB einreichen. Anschließend werden die Unterlagen nach verschiedenen Kriterien bewertet – darunter sportfachliche Eignung, nationale Akzeptanz, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Finanzierung sowie Fragen der nachhaltigen Wirkung über die Spiele hinaus.
Auch der Beschluss des Abgeordnetenhauses fließt in die Gesamtbewertung ein. Anders als in Hamburg, KölnRheinRuhr und München kann Berlin aus rechtlichen Gründen grundsätzlich keine eigene Volksabstimmung auf den Weg bringen. Deshalb ersetzt der Beschluss des Abgeordnetenhauses in Berlin ein Referendum und belegt die politische Unterstützung des Landesparlaments für die Bewerbung.
Die endgültige Entscheidung über das deutsche Bewerbungskonzept fällt am 26. September. Dann wählt eine außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB den deutschen Kandidaten für die Olympiabewerbung.
Klare Haltung für einen offenen und vielfältigen Sport
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) erneuern und stärken ihre gemeinsame Haltung: Der organisierte Sport steht für ein respektvolles, faires und offenes Miteinander – und widerspricht menschenverachtenden und antidemokratischen Haltungen und Handlungen weiterhin entschieden.
Mit einer überarbeiteten Version ihrer Positionierung von 2020 reagieren DOSB und dsj auf gesellschaftliche Entwicklungen und die damit entstehenden Fragen, wie Sportvereine und -verbände mit vielfältigen Spannungen umgehen können, beispielsweise mit einer bedenklichen Normalisierung antidemokratischer und menschenfeindlicher Positionen. Zugleich zeigen viele Vereine, Verbände und (junge) engagierte Haltung für ein demokratisches Miteinander – etwa durch klare Positionierungen und sichtbares Engagement.
Jasmin Bleul: Heim-EM als Abschluss einer herausragenden Karriere
Körpersprache ist ihr Metier. Aber dass sie auch ihre Worte so präzise einzusetzen weiß wie ihre Gliedmaßen, beweist Jasmin Bleul schon bei der Einstiegsfrage. Wenn sie heute auf die Person schaue, die sie war, als sie 2012 zum ersten Mal an einer Europameisterschaft im Karate teilnahm, welche Veränderung falle ihr ganz besonders auf, lautete die Frage. „Der größte Unterschied zu damals ist, dass ich gelernt habe, belastende Dinge schnell abzuhaken. Ich kann heute richtig lange leiden, ohne daran zu zerbrechen. Damals habe ich mir sehr vieles von dem zu Herzen genommen, was von außen kam. Heute weiß ich: Die Menschen, die einen kritisieren, sind zu 99 Prozent Menschen, die nicht so viel erreicht haben in ihrem Leben wie die, die sie attackieren, deshalb kann ich damit viel entspannter umgehen“, antwortet sie.
Das sind nachdenkliche Sätze, aber sie erzählen viel über die Vorzeigeathletin des Deutschen Karate Verbands (DKV), der in dieser Woche sein 50-jähriges Bestehen mit einem ganz besonderen Event feiert: der ersten Heim-EM seit 2003 in Bremen, die von Mittwoch bis Sonntag in der Eissporthalle in Frankfurt am Main stattfindet. Der Grund für den Rückblick auf ihre Karriere dürfte einleuchten: Jasmin Bleul, die am Mittwoch zur Vorrunde antritt, zwei Tage später ihren 33. Geburtstag feiert und am 23. Mai um die Medaillen mitzukämpfen hofft, wird ihre Karriere nach der EM beenden. „Ich habe das nicht an die große Glocke gehängt, aber es ist auch kein Geheimnis. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken und finde, dass es keinen besseren Zeitpunkt gibt, als nach dem Saisonhöhepunkt aufzuhören, zu dem all meine Freunde und Familie dabei sein werden“, sagt die aus Mömbris im Landkreis Aschaffenburg stammende Sportsoldatin, die in Wiesbaden lebt, am Frankfurter Bundesstützpunkt trainiert und für den SC Judokan Frankfurt startet.
Für den DKV, der laut aktueller DOSB-Bestandserhebung mehr als 155.000 Mitglieder in rund 2.600 Vereinen vertritt, ist das Turnier eine große Chance, den japanischen Kampfsport in Deutschland noch populärer zu machen. „Der Erfolgsdruck ist hoch, wir haben am Wochenende eine ausverkaufte Halle, was für einen nicht-olympischen Sport etwas sehr Besonderes ist“, sagt Verbandspräsident Wolfgang Weigert. Rund 120 Freiwillige werden das 15 Personen umfassende Organisationsteam unterstützen. Am vergangenen Sonntag kamen zur Jubiläumsfeier rund 500 Karateka zusammen, um in der Frankfurter Leichtathletikhalle gemeinsam mit mehreren Bundestrainern und dem japanischen Großmeister Masao Kagawa am „DKV-Tag“ zu trainieren. „Außerdem sind wir die erste Sportveranstaltung in Deutschland, die von der EU über das Erasmus+ Sport-Programm direkt gefördert wird, weil wir das UN-Projekt Guardian Girls unterstützen“, sagt Wolfgang Weigert.
Jasmin Bleul erlebt in Frankfurt ihre 13. EM
51 Nationen haben für die EM gemeldet, dazu kommen Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus, die unter neutraler Flagge antreten. Deutschland hat alle fünf Gewichtsklassen pro Geschlecht in der Zweikampf-Kategorie Kumite besetzt, am Start sind auch Johanna Kneer (28/KJC Ravensburg/über 68 kg) und Mia Bitsch (22/Bushido Waltershausen/bis 55 kg), die bei den World Games 2025 in Chengdu (China), den Weltspielen der nicht-olympischen Sportarten, Gold gewinnen konnten. Nicht starten kann Reem Khamis (23/Teikyo Team Kaiserslautern/bis 61 kg), die Europameisterin von 2023 laboriert weiterhin an Knieproblemen, die bereits ihre Chengdu-Reise verhindert hatten, musste vor wenigen Wochen operiert werden und ist aktuell in der Reha.
Welchen Status Jasmin Bleul im DKV-Team genießt, lässt sich allein schon daran ablesen, dass sie in Frankfurt zum 13. Mal bei kontinentalen Titelkämpfen auf die Matte geht. „Natürlich bin ich die Erfahrenste in der Mannschaft und versuche, das auch an die Jüngeren weiterzugeben. In erster Linie möchte ich aber diejenige sein, die für gute Stimmung sorgt und Lockerheit reinbringt, denn das ist für mich ein ganz wichtiges Element“, sagt sie.
Um einordnen zu können, was für eine Leistung es ist, als bald 33-Jährige 13 EM-Turniere erlebt zu haben, muss man wissen, dass im Karate in jedem Jahr eine EM ausgetragen wird, und dass Jasmin nicht im Kumite antritt, sondern im Kata. Das ist ein Formenlauf, bei dem die Athlet*innen festgelegte Abfolgen von Kampftechniken gegen imaginäre Gegner ausführen, von denen es mehr als 100 gibt. „Beim Kata gibt es zwar auch viele Verschleißerscheinungen am Körper, aber das Verletzungsrisiko ist deutlich geringer als im Kumite. Ich bin glücklicherweise von schweren Blessuren verschont geblieben und konnte deshalb bis auf 2020, als die EM wegen Corona abgesagt wurde, in jedem Jahr starten“, sagt Jasmin.








