Neues aus Sportdeutschland

„Bewegung beginnt mit Begeisterung“

DOSB: Lysann, wenn man heute auf die MINI BIKER und inzwischen auch auf die MIDI BIKER blickt, wirkt alles wie ein durchdachtes Gesamt-Nachwuchskonzept. Wie hat alles angefangen?

Lysann Schmeiser: Tatsächlich begann alles mit einer einfachen, aber wichtigen Beobachtung: Kinder bewegen sich immer weniger. Gleichzeitig fehlen vielen Kindern grundlegende motorische Erfahrungen, die früher selbstverständlich waren. Für uns war klar: Als Radsport-Dachverband möchten wir einen Beitrag leisten, um Kinder wieder stärker für Bewegung zu begeistern. Auf der Strukturtagung des Bundes Deutscher Radfahrer hatten der damalige Präsident Rudolf Scharping und Marco Rossmann, heute Jugendsekretär von German Cycling und stellvertretender Generalsekretär, die Idee, dass wir – vergleichbar mit Bambini-Fußball oder Kleinkindturnen – ein bundesweites Bewegungsangebot auf Rädern schaffen müssen. Der Ansatz sollte bewusst niedrigschwellig sein: ohne Leistungsdruck, aber mit ganz viel Freude an Bewegung. So entstand Anfang 2023 – inspiriert von den Mini Bikern des RSV Seeheim und den Rad-Raketen des RSV Mainz-Ebersheim – die Idee der MINI BIKER. Unser Ziel war es, Kindern zwischen zwei und sechs Jahren spielerisch Bewegungserfahrungen auf zwei, drei oder vier Rädern zu ermöglichen. Dabei ging es von Anfang an um weit mehr als das Fahrradfahren. Es ging um Rollen, Gleichgewicht, Koordination, Selbstvertrauen, soziale Teilhabe und vor allem darum, allen Kindern positive Bewegungserlebnisse zu ermöglichen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Wohnort oder sozialem Hintergrund. Deshalb entwickelten wir eine Materialbox mit Hütchen, Seilen, Markierungshauben, Stangen und einer altersgerechten Rampe. Vereine, Kitas und weitere Einrichtungen konnten sie kostenlos anfordern. Ergänzt wurde sie durch Parcoursmaterialien, Anleitungen und pädagogische Hilfestellungen, die eine altersgerechte und spielerische Förderung der Bewegungskompetenz ermöglichten und eine unmittelbare Umsetzung der Angebote unterstützten.

Wie wurde das Angebot angenommen?

Die Resonanz hat selbst uns überrascht. Die Nachfrage war enorm. Bereits im ersten Projektjahr wurden 290 MINI-BIKER-Boxen deutschlandweit in alle 16 Bundesländer verschickt. Besonders erfreulich war, dass die Angebote sowohl von Vereinen als auch von Kitas aufgegriffen wurden. Unsere Evaluation zeigte außerdem, dass wir knapp 6.000 Kinder erreicht haben, von denen 2.628 regelmäßig an den Bewegungsangeboten teilnahmen. Besonders wichtig war für uns, dass wir viele Kinder erreicht haben, die bislang wenig Berührung mit Sport und Vereinen hatten.

Was habt ihr aus der Evaluation gelernt?

Die Ergebnisse haben uns bestätigt, dass dies der richtige Ansatz ist. Die Einrichtungen berichteten insbesondere von Verbesserungen bei Gleichgewicht und Koordination, motorischen Fähigkeiten, Fahrsicherheit, Selbstvertrauen, Freude an Bewegung und sozialem Miteinander. Außerdem wurde deutlich, dass Kinder besonders dann profitieren, wenn die Angebote regelmäßig stattfinden und pädagogisch begleitet werden. Diese Erkenntnisse waren zugleich der Ausgangspunkt für den nächsten Entwicklungsschritt.

Damit sind wir bereits im zweiten Projektjahr. Was hat sich dort verändert?

Im zweiten Jahr lag unser Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit. Material allein reicht nicht aus – Menschen machen Projekte erfolgreich. Deshalb erweiterten wir das Konzept um Handbücher, Schulungsunterlagen, Kartenmaterialien sowie Fortbildungs- und Zertifikatsangebote für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Gleichzeitig wurden Themen wie Kinderschutz, pädagogische Grundlagen sowie mentale Gesundheit integriert. Dadurch konnten Ehrenamtliche, Trainerinnen und Trainer sowie pädagogische Fachkräfte die Angebote fachlich fundiert umsetzen und langfristig in ihren Einrichtungen verankern.

Wann entstand dann die Idee der MIDI BIKER?

Eigentlich aus einer spannenden Erkenntnis heraus. Unsere Evaluation zeigte, dass fast ein Drittel der erreichten Kinder bereits älter als die ursprüngliche Zielgruppe waren. Parallel wurde die bundesweite Förderkampagne „MOVE“ der Deutschen Sportjugend unter dem Motto „MOVE FOR ALL“ fortgeführt. Genau daraus entstanden die MIDI BIKER. Wir wollten die Entwicklungsreise konsequent weiterdenken und Kindern wie Jugendlichen zwischen sieben und 14 Jahren passende Anschlussangebote bieten. Während bei den MINI BIKERN das spielerische Rollen und die Entwicklung grundlegender Bewegungsmuster im Vordergrund stehen, geht es bei den MIDI BIKERN stärker um Fahrtechnik, Selbstständigkeit, Mobilität, Verantwortung und Gemeinschaft.

Expertisen gemeinsam ergründen und Potenziale voll ausschöpfen

Würde man in Deutschland Menschen auf der Straße fragen, welche Themenfelder die Mitglieder einer Athlet*innenkommission bearbeiten, wäre die Antwort – neben einer gewissen Portion Ratlosigkeit – wahrscheinlich in vielen Fällen identisch. Athlet*innenvertretungen kümmern sich um die Belange ihresgleichen, sie setzen sich für bessere Trainingsmöglichkeiten, höhere Vergütung und mehr Wertschätzung ein. Sie sind Bindeglieder zwischen Verbandsfunktionären und Aktiven. Sie sprechen für die jeweilige Gruppe, die sie vertreten, und unterstreichen mit ihrem Engagement, dass im Sport Gemeinschaft wichtiger ist als Eigennutz, wenn man Ziele erreichen möchte.

Alles richtig, aber manchmal eben auch zu kurz gedacht. Deshalb möchte ich euch mit Marc Schuh bekannt machen. Marc war viele Jahre als Para-Leichtathlet im Rollstuhlsprint aktiv, er war Weltmeister über 400 Meter, nahm an den Paralympischen Spielen 2008 in Peking, 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro teil. Und er war als Athletensprecher extrem engagiert. Das ist allerdings längst nicht alles, denn der heute 36 Jahre alte Bergisch-Gladbacher hat auch Physik studiert. Und da beginnt der Teil der Geschichte, der mich zu meinem heutigen Kolumnenthema führt.

Marc Schuh entwickelte für den DBS ein Bewertungssystem

Rund um die Paralympics in Rio stand der Deutsche Behindertensportverband (DBS) vor der Aufgabe, dem Bundesministerium des Innern (BMI) eine kriteriengeleitete Budgetierung zu präsentieren, nach der künftig die Förderung der verschiedenen Sportabteilungen ausgerichtet sein sollte. Das, was der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit dem Analyse-Tool PotAS umzusetzen versuchte, war nun auch im Behindertensport gewünscht. Also ging der DBS an die Umsetzung und entwickelte ein System, in dem eine Bepunktung der Sportarten deren Förderfähigkeit einordnen sollte.

Das Problem: Es war eine Punktobergrenze vorgesehen, oberhalb derer Sportarten nicht mehr in höhere Förderkategorien klettern konnten. Für Schwimmen und Leichtathletik, die diese Obergrenze bei ihrer Einführung schon erreicht hatten, fehlte also zum Beispiel der Anreiz, sich verbessern zu können. Aus ökonomischer Sicht gab es keine Incentivierung für weitere Anstrengungen. Und da kam Marc ins Spiel, der damals am Max-Planck-Institut für Kernphysik promovierte. Er bot dem DBS an, eine mathematische Modellierung zu entwerfen, bei der die Punkte nicht linear gewertet werden. Die ersten Punkte fallen stärker ins Gewicht, damit kleine Sportarten eine ausreichende Förderung erhalten. Sportarten mit vielen Punkten erhalten für jeden weiteren Punkt weiterhin mehr Budget, ohne die kleinen Sportarten zu verdrängen. Ein entsprechend parametrisierter Logarithmus kann eine solche Gewichtung transparent darstellen.

Wie der Sport die deutsch-französische Freundschaft fördert

Die Entwicklungen bei der Tour de France verfolgt sie nicht täglich. Aber dass die wichtigste Radrundfahrt der Welt einen gewissen Einfluss auf ihr berufliches Wirken hat, kann und möchte Isabelle Dibao-Dina nicht verhehlen. „Die Tour trägt dazu bei, dass Frankreich stärker ins Blickfeld der deutschen Sportfans rückt, und das kann auch für unsere Arbeit einen positiven Effekt haben“, sagt die 42-Jährige. Im Ressort Internationale Jugendarbeit der Deutschen Sportjugend (dsj) ist Isabelle gemeinsam mit ihrer Kollegin Carina Weber-Bougherfa für das Thema „Deutsch-französische Beziehungen“ zuständig. Die Vollzeitstelle, die sich die beiden teilen, ist die innerhalb des Ressorts am längsten existierende. Mit der Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) im Rahmen des von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle unterzeichneten Elysée-Vertrags von 1963 wurden auch die sportlichen Beziehungen der beiden Nachbarländer auf eine vertragliche Grundlage gestellt, von der sie bis heute profitieren.

18 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Elysée-Vertrag die Aussöhnung der beiden Völker unterstützen und über das Jugendwerk den jungen Menschen das Kennenlernen und Schließen von Freundschaften erleichtern. „Heute ist das Ziel zum Glück ein anderes, es geht nicht mehr um Versöhnung, sondern um das Vertiefen der Freund- und Partnerschaft“, sagt Isabelle, die im wahrsten Wortsinn ein Kind ihrer Institution ist. Ihre Eltern – Vater Franzose, Mutter Deutsche – lernten sich über ein Freundschaftsprogramm kennen. Sie wuchs im Elsass auf, lebt aber seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt am Main, wo sie zunächst für das Ressort Internationales im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) arbeitete und vor zwölf Jahren in dessen Jugendorganisation wechselte.

Jedes Sportorgan kann einen Antrag auf Förderung stellen

„Unser Ziel ist eine stetige Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auf sportlicher Ebene“, sagt sie. Angesichts der politischen Lage mit starken rechtsnationalen Strömungen in beiden Ländern sei diese Aufgabe „vielleicht wichtiger denn je, weil wir spüren, wie notwendig es ist, gemeinsame Werte zu vermitteln und zu stärken.“ Zwar sei der Austausch in den Grenzregionen angesichts der räumlichen Nähe intensiver, „aber wir erreichen sowohl bundesweit als auch in ganz Frankreich viele Träger, die den Austausch fördern. Das schließt auch die Übersee-Regionen wie Guadeloupe, Martinique oder La Réunion ein, in denen Frankreich bis heute Einfluss hat.“

Jedes Sportorgan, vom kleinsten Verein bis zum größten Verband, kann bei der dsj einen Antrag auf Förderung eines Freundschaftsprojekts oder Partnerschaftsprogramms stellen. In Frankreich wird die Förderung vom Nationalen Olympischen Komitee finanziert. Vom DFJW erhalten beide Seiten aktuell eine gemeinsame Fördersumme von insgesamt 950.000 Euro pro Jahr. „Davon können wir auf deutscher Seite rund 80 Anträge fördern“, sagt Isabelle. Inhaltlich geht es in diesen Anträgen immer um den gegenseitigen Austausch. Man trainiert gemeinsam oder bestreitet Lehrgänge. „Oft ist man gegenseitig in Gastfamilien untergebracht, lernt dadurch den Alltag der anderen kennen und erhält neue Perspektiven.“ Ebenso wichtig sind kulturelle Inhalte, „es sollte aber nicht nur um Sightseeing gehen. Außerdem sind ausschließliche Turnier- oder Wettkampfteilnahmen nicht förderfähig, es braucht Inhalte, die über den reinen sportlichen Wettkampf hinausgehen.“

DOSB begrüßt Einigung zum Sportfördergesetz

Der Spitzensport bekommt in Deutschland damit erstmals eine explizite gesetzliche Grundlage auf Bundesebene und mit der Spitzensportagentur einen neuen Motor für mehr Erfolg und mehr Medaillen. 

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist mit den Änderungen auf den letzten Metern im Großen und Ganzen zufrieden. Jetzt müssen alle die neuen Grundlagen nutzen, die Agentur arbeitsfähig machen und unseren Athlet*innen damit beste Rahmenbedingungen bieten. Der DOSB begrüßt ausdrücklich die Einigung der Regierungskoalition und dankt insbesondere den Berichterstattern Stephan Mayer (CDU/CSU) und Bettina Lugk (SPD) für ihren Einsatz. Die Zustimmung der Grünen beweist die breite Unterstützung, die das Reformvorhaben in der Politik hat.

DOSB-Präsident Thomas Weikert: „Wir wollen Deutschland zurück in die Weltspitze des Sports führen. Wir wollen ein System gestalten, das nachhaltige Spitzenleistungen hervorbringt. Wir wollen unseren Athlet*innen beste Bedingungen für internationalen Erfolg bieten. Mit der Einigung zum Sportfördergesetz rücken wir diesen Zielen ein deutliches Stück näher. Gerade vor dem Hintergrund einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ist klar: Wir wollen vorne mitspielen – erst recht bei Spielen zuhause. Das Gesetz bietet eine gute Grundlage, auf der wir Erfolge aufbauen können.“

IOC hebt Suspendierung des NOK Russland vorläufig auf

In einer Welt voller Konflikte, kriegerischer Auseinandersetzungen und wirtschaftlicher Verwerfungen ist der Weltsport mehr als je zuvor herausgefordert, in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Menschen wirken zu können.

Auf dieser Basis versteht der DOSB die heutige Entscheidung des Exekutivkomitees des IOC einer Wahlfreiheit für die Weltfachverbände, ob russische Athletinnen und Athleten wieder mit Fahne und Hymne an internationalen Wettkämpfen teilnehmen oder nicht. Die Suspendierung des russischen NOK wurde aufgehoben. Für die Erwachsenen-Wettbewerbe des IOC bleibt es allerdings vorerst bei neutralem Status ohne Fahne und Hymne und ohne Einladungen an Regierungsvertreter. Das IOC wird zudem keine Wettkämpfe auf russischem Territorium organisieren.

Dies geschieht im Angesicht des nun seit mehr als viereinhalb Jahren anhaltenden Angriffskriegs der russischen Föderation gegen die Ukraine. Die Entscheidung steht aber auch im Kontext der aktuellen geopolitischen Lage mit zahlreichen Krisen und Kriegen und basiert auf der Überzeugung im Weltsport, dass Sportlerinnen und Sportler auf Dauer nicht zur Verantwortung für die Handlungen ihrer Regierungen gezogen werden dürfen.

Einen Weg zurück hatte der DOSB bereits in seiner ersten Stellungnahme nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 18. März 2022 skizziert. Damals hieß es: „Sicher aber ist, dass man irgendwann wieder zueinander finden und der Sport dabei eine verbindende Rolle (spielen) sollte.“ Für den DOSB ist dabei entscheidend, dass der Weg zurück weiter klug gestaltet wird, um die Integrität des Wettbewerbs und dessen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu schützen und dem Regime in Moskau keine Bühne zu bieten, um sportliche Erfolge von Athletinnen und Athleten aus Russland propagandistisch auszuschlachten.     

Zudem begrüßt der DOSB die Empfehlung des IOC, dass russische Athletinnen und Athleten erst nach einer Übergangsphase mit einem glaubwürdigen und unabhängigen Doping-Testregime wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Dies gilt insbesondere für Wettkämpfe in Deutschland, wo mehr als eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer Zuflucht vor dem Krieg gefunden haben.

Darüber hinaus empfiehlt der DOSB aktuell seinen Mitgliedsverbänden, bei der Durchführung von internationalen Wettkämpfen russische Athletinnen und Athleten, wenn möglich, unter neutralem Status teilnehmen zu lassen und die Entsendung von Athletinnen und Athleten zu internationalen Wettbewerben in Russland sorgfältig zu prüfen.

DOSB begrüßt Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027

Der DOSB begrüßt den Regierungsentwurf für den Sporthaushalt 2027. Demnach soll der Sportetat mit 361,7 Millionen Euro auf ein neues Rekordniveau steigen. Das ist ein starkes Signal der Bundesregierung in haushälterisch schwierigen Zeiten für die gesellschaftliche und sportpolitische Bedeutung des Sports in Deutschland.

DOSB-Vorstandsvorsitzender Otto Fricke: „Der Dank des Sports in Breite wie in Spitze gilt der Bundesregierung und insbesondere Staatsministerin Christiane Schenderlein, der es mit ihrem Team gelungen ist, trotz der angespannten Haushaltslage Verbesserungen für den Sport zu erreichen. Die zusätzlichen Mittel für die Olympiavorbereitung, für das Leistungssportpersonal sowie für die zentralen Maßnahmen der Verbände schaffen bessere Rahmenbedingungen für Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer und die Verbände und stellen den Sport damit auf ein gutes Fundament. Investitionen in den Sport sind Investitionen in die gesamte Gesellschaft und in unsere gemeinschaftliche Zukunft.“

IOC streicht Nordische Kombination aus dem Olympiaprogramm für 2030

Die Entscheidung war keine Überraschung mehr, aber sehr wohl eine Enttäuschung: Das Executive Board des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Dienstagnachmittag im Anschluss an seine Sitzung den schon länger befürchteten Ausschluss der Nordischen Kombination aus dem Programm für die Olympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen bestätigt. „Natürlich hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagte Andreas Schlütter, Vorstand Sport im Deutschen Skiverband (DSV). „Wir respektieren die Entscheidung des IOC, auch wenn sie aus unserer Sicht nur schwer nachvollziehbar ist. Die Nordische Kombination ist eine unserer Kerndisziplinen und hat den nordischen Skisport über viele Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt. Gleichzeitig kommt diese Entwicklung nicht völlig überraschend. Jetzt gilt es, die Entscheidung in Ruhe zu analysieren und gemeinsam mit unseren Partnern die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dabei werden wir auch bewerten müssen, welche Auswirkungen sie mittel- und langfristig auf unsere Förderstrukturen haben kann.“

Das IOC erklärte die Entscheidung am Dienstag damit, dass es während jeder Ausgabe der Olympischen Spiele eine weltweite Studie in allen Schlüsselmärkten auf allen fünf Kontinenten durchführe. Die Untersuchung zu den Winterspielen 2026 umfasste 14 Popularitätsindikatoren, darunter die TV-Abdeckung, die Zugriffszahlen in digitalen Medien und das generelle öffentliche Interesse. Bei elf der 14 Indikatoren belegte die Nordische Kombination den letzten Rang unter allen Disziplinen. Dazu kommt laut IOC die Herausforderung, dass die Universalität der Disziplin nicht ausreiche. Über die vergangenen vier Ausgaben der Winterspiele gesehen konnten Athleten aus lediglich fünf Nationen Medaillen gewinnen. Die Frauen, die erst seit 2020 Weltcup-Wettbewerbe bestreiten und zu den Spielen in Norditalien vergeblich auf ihre Aufnahme gehofft hatten, müssen damit auch weiterhin auf ihre Olympiapremiere warten.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bedauert die Entscheidung des IOC, die Nordische Kombination aus dem olympischen Programm zu nehmen. Die Disziplin begeisterte durch ihre Vielseitigkeit seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924 und ist nicht nur in Deutschland, sondern auch international eine bedeutende Basis- und Ausbildungsdisziplin für Kinder und Jugendliche. In vielen Ländern ist sie ein Fundament der Nachwuchsentwicklung für andere nordische Sportarten wie das Skispringen und Langlaufen. Die Nordische Kombination genießt insbesondere in Norwegen, Mutterland des nordischen Skisports, und in Deutschland wegen zahlreicher erfolgreicher Athletengenerationen (u. a. mit den Einzel-Olympiasiegern Georg Thoma 1960, Franz Keller 1968, Ulrich Wehling 1972, 1976, 1980, Georg Hettich 2006, Eric Frenzel 2014, 2018 und Vinzenz Geiger 2022) besondere Bedeutung.

„Deutschland kann auf seinen Nachwuchs bauen, wenn man ihn fördert“

Am vergangenen Sonntag hatte der Deutsche Handballbund (DHB) wieder einmal Grund zu großer Freude. 351 Tage nach dem Gold-Coup von Podgorica haben Deutschlands Handball-Juniorinnen ein historisches Double geschafft. Die U-19-Europameisterinnen von 2025 gewannen in Jinzhong (China) das Finale der U-20-WM mit 33:26 (15:14) gegen Dänemark. Erst zum dritten Mal ist einer Mannschaft in dieser weiblichen Altersklasse der Doppelerfolg gelungen, für Deutschland ist es sogar ein Novum. „Wir haben diesen WM-Titel als Team gewonnen, aus dem alle 16 Spielerinnen wichtig sein können. Jede hat einen überragenden Anteil an dieser Goldmedaille“, analysierte Trainer Christopher Nordmeyer.

In der Heimat freuten sich viele mit dem Team, aus dem die zur neuen Saison von der HSB Blomberg-Lippe zum Bundesligakonkurrenten Buxtehuder SV wechselnde Ruslana Litvinov zur wertvollsten Spielerin der WM gekürt wurde. „Dieses Doppel-Gold ist historisch, dazu gratuliere ich der ganzen Mannschaft mit dem Trainerteam um Christopher Nordmeyer herzlich. Es beeindruckt mich, wie diese Mannschaft mit dem Start der Europameisterschaft 2025 ihren Weg konsequent gegangen ist und mit ihrem Auftreten auf und abseits der Platte begeistert hat“, gratulierte Ingo Meckes, Vorstand Sport des DHB. Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch zeigte sich genauso begeistert: „Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft und das Trainerteam. Diese Mannschaft ist vollkommen verdient Weltmeister geworden mit einer überragenden Leistung während des gesamten Turniers. Sie haben eine unfassbar gute und bewegliche Deckung gespielt. Gegen jedes System haben sie eine Antwort gefunden. Und vorne haben sie auch total cool gespielt. Herausragend!“

Auch Erik Wudtke freute sich riesig über die Erfolge der vergangenen Wochen. „Nachdem unsere Beachhandball-Männer am vorvergangenen Wochenende den WM-Titel gewonnen hatten, haben nun die U-20-Juniorinnen und auch die weibliche U16, die die European Open in Göteborg gewonnen haben, nachgezogen. Dazu gratuliere ich den Teams und insbesondere meinen Trainerkollegen ganz herzlich. Wenn jetzt der männliche Nachwuchs nachziehen kann, könnte das ein heißer Handballsommer für den DHB werden“, sagte der 53-Jährige, der als U18/U19-Bundestrainer und Co-Trainer der A-Nationalmannschaft der Männer seinen sommerlichen Saisonhöhepunkt noch vor sich hat. Mit dem DOSB sprach der in Aachen geborene Wahl-Hamburger über die Ausbildung von Talenten und die Bedeutung der Nachwuchsarbeit für den DHB. 

Startschuss für die Team D Awards Mailand Cortina 2026

Mit den Team D Awards werden Athlet*innen ausgezeichnet, die die Menschen mit einzigartigen Momenten und persönlichen Geschichten bei den Olympischen und Paralympischen Winterspielen Mailand Cortina 2026 bewegt, emotional berührt oder beeindruckt haben. Dabei werden sowohl sportliche Leistungen berücksichtigt als auch das Auftreten der Athlet*innen abseits des Wettkampfes.

Ab sofort können Fans und Mitglieder von Team D und Team D Paralympics noch bis zum 15. Juli in einer öffentlichen Wahl auf den Websites der Teams abstimmen. Die Auszeichnung der Preisträger*innen erfolgt am 24. Juli im Rahmen eines Team D Abends in Hannover.

Die zur Wahl stehenden Athlet*innen zeichnen sich durch mehr aus als reine sportliche Erfolge: Sie haben Momente geschaffen, die für immer bleiben, die Werte von Team D auf vorbildliche Weise vertreten und die Menschen mit ihrer Haltung inspiriert.

DOSB-Vorstand Leistungssport und Chef de Mission des Team D, Olaf Tabor: „Der Team D Award ist eine besondere Auszeichnung für besondere Menschen. Unsere Athletinnen und Athleten haben in Mailand Cortina nicht nur mit ihren Leistungen begeistert, sondern mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Teamgeist und ihrer Haltung Millionen Menschen berührt. Genau diese Geschichten wollen wir mit dem Award sichtbar machen. Umso schöner ist es, dass die Fans selbst mitentscheiden können, welche Momente sie am meisten bewegt haben, denn ihre Unterstützung macht den Sport und das Team D so besonders.“

Alexander Zverev ist „Sportler des Monats“ Juni 

Mit seinem Triumph bei den French Open hat Alexander Zverev einen der größten Erfolge seiner Karriere gefeiert. Im packenden Fünf-Satz-Finale in Paris gewann der Olympiasieger von Tokio seinen ersten Grand-Slam-Titel und krönte damit seine herausragende Sandplatz-Saison. Für diese außergewöhnliche Leistung wählten die Sporthilfe-geförderten Athletinnen und Athleten den gebürtigen Hamburger mit 50,8 Prozent zum „Sportler des Monats“ Juni. 

Anders als bei Medien- oder Publikumswahlen entscheiden bei der Wahl zur Sportlerin bzw. zum Sportler des Monats ausschließlich Deutschlands beste Nachwuchs- und Spitzenathletinnen und -athleten. Dadurch erhält die Auszeichnung ihre besondere sportliche Wertigkeit. Zu Beginn eines jeden Monats stellt die Sporthilfe den rund 4.000 geförderten Athletinnen und Athleten Kandidatinnen oder Kandidaten zur Wahl, die sich im Vormonat durch herausragende Leistungen empfohlen haben. Die Stimmabgabe erfolgt per Online-Voting. 

Hinter Alexander Zverev sichert sich Triathletin Lisa Tertsch Rang zwei (38,9 %). Die amtierende Weltmeisterin gewann bei den Europameisterschaften im spanischen Tarragona den EM-Titel auf der olympischen Distanz. Im Schlussspurt setzte sie sich gegen die Titelverteidigerin durch und komplettierte mit EM-Gold ihre beeindruckende Titelsammlung. Den dritten Platz bei der Wahl belegt das deutsche 3x3-Basketball-Nationalteam der Männer (10,3 %). Denzel Agyeman, Fabian Giessmann, Kevin Bryant und Niklas Kropp feierten bei der Weltmeisterschaft in Warschau mit dem Gewinn der Silbermedaille den größten Erfolg in der Geschichte des deutschen 3x3-Basketballs der Männer. Nach einer makellosen Vorrunde erreichte das Quartett das Finale, in dem es sich erst dem Favoriten Lettland geschlagen geben musste. 

Für ihre herausragenden Leistungen waren die Athletinnen und Athleten von der Athletenkommission im DOSB, von SPORT1 und von der Sporthilfe für die Wahl nominiert worden. 

Deutsche Sporthilfe

Aus der zweiten Reihe ins Zentrum des deutschen Triathlons

Mit dem Schwimmen hat alles angefangen. Deshalb klingt es ein wenig nach Understatement, wenn Tanja Neubert behauptet, dass Schwimmen ihre größte Schwäche ist. Die Erklärung dafür schickt die 25 Jahre alte Triathletin allerdings direkt nach. „Ich habe, wie es in Deutschland üblich ist, mit Brustschwimmen begonnen. Darin war ich auch gut, aber beim Umstieg auf den Triathlon musste ich auf Kraul umsatteln, und das ist mir nicht so leicht gefallen.“ Zumindest nicht leicht genug, um sich für eine leistungssportliche Karriere im Becken zu entscheiden. Was im Rückblick ein Segen war, denn seit sie als 15-Jährige über „Jugend trainiert für Olympia“ den Weg in den Dreikampf fand, hat sich die gebürtige Erlangerin Stück für Stück aus der zweiten Reihe in die Weltklasse vorgearbeitet. Sie gilt, wenn an diesem Wochenende die Triathlon-Elite zum Weltserienrennen in der Hamburger Innenstadt zusammenkommt, als eine Athletin, mit der auf dem Podium gerechnet werden darf.

Als einer der kommenden deutschen Stars der Szene eingeordnet zu werden, ist Tanja noch immer hörbar unangenehm. Zumindest dringt ein Seufzer der Überraschung durchs Mobiltelefon, als sie die Frage danach beantwortet. „Es ist ein tolles Kompliment und eine große Anerkennung, dass es mir zumindest einige Leute zutrauen“, sagt sie, „aber aktuell haben wir schon noch andere Athletinnen, die mir voraus sind: Laura Lindemann mit ihrer Erfahrung, Lisa Tertsch mit ihren Erfolgen. Aber ich versuche, mich immer weiter heranzuarbeiten und die Entwicklung der vergangenen Jahre weiterzuführen.“

Durchbruch bei der 70,3-WM im vergangenen November

Ihren Durchbruch, der sie auch international auf die Karte brachte, erlebte die Studentin, die ein Fernstudium des International Managements absolviert, im November vergangenen Jahres, als sie bei der 70.3-WM in Marbella (Spanien) Bronze gewann. Und das auf der Mitteldistanz über 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und einen Halbmarathon, der sie in der Regel die Kurz- und Sprintstrecke vorzieht. „Ich wollte eigentlich nur mal ausprobieren, ob mir das Spaß bringt, doch dann war es ein perfekter Tag und ich durfte das Podium mit Spitzenathletinnen wie Lucy Charles-Barclay und Taylor Knibb teilen. Das war eine megacoole Erfahrung, die mir eine Aufmerksamkeit gebracht hat, die ich von der Kurzdistanz nicht kannte“, sagt sie.

Ihr Fokus liegt allerdings weiterhin klar auf der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die Qualifikationsphase für das Ticket nach Kalifornien hat Ende Mai mit dem Weltserienrennen in Alghero (Italien) begonnen, wo sie mit Rang neun überzeugte. „Man merkt, dass seitdem alle wieder deutlich motivierter am Start stehen. Nachdem in der vergangenen Saison einige Topathletinnen pausiert hatten, ist die Konkurrenz in diesem Jahr wieder sehr groß. Aber Los Angeles ist definitiv ein Ziel für mich“, sagt Tanja, die seit 2019 am Bundesstützpunkt in Saarbrücken trainiert und mit ihrem Freund Chris Ziehmer, ebenfalls professioneller Triathlet, auch in der Hauptstadt des Saarlandes lebt.

FAQs: Zentrum für Safe Sport

Mit dem Zentrum für Safe Sport (ZfSS) entsteht erstmals eine unabhängige Einrichtung in Deutschland, die Sportorganisationen bei der Durchführung von Untersuchungs- und Disziplinarverfahren unterstützt. Die folgenden FAQs geben einen Überblick über die geplanten Aufgaben des Zentrums, seine Zuständigkeiten und den Ablauf der Verfahren.

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