Neues aus Sportdeutschland

„Der Stellenwert des Trainerberufs muss deutlich mehr respektiert werden“

DOSB: Lisa, du hast als Berufssoldatin einen sicheren und bestimmt auch aufregenden Beruf. Was hat dich dennoch dazu bewogen, deine Trainerlizenz zu machen?

Lisa Brennauer: Die Jobsicherheit, die mir die Bundeswehr gibt, hat dazu beigetragen, dass ich mich dafür entschieden habe. Mich hat am Leistungssport früher das Schnelllebige, Unplanbare gestört. Als aktive Sportlerin habe ich mir immer vorstellen können, meine Erfahrungen und mein Wissen als Trainerin weiterzugeben. Aber die Unsicherheiten, die damit verbunden sind, haben mich doch eher abgeschreckt. Zu wissen, dass mich die Bundeswehr in meinen Plänen unterstützt und mir eine Sicherheit bietet, sollte es im Trainerjob nicht funktionieren, hat mir den Weg eröffnet, die Zweifel waren weg. Wenn man wie ich mehr als sein halbes Leben im Leistungssport verbracht hat und komplett dafür brennt, dann ist es sehr schwierig, davon loszukommen. Der Sport hat mir so viel gegeben, nun sehe ich es als Teil meiner Rolle als Trainerin, davon etwas zurückzugeben. Das ist mein wichtigster Beweggrund.

Welche Lizenzen hast du wo erworben und wieviel Zeit hat das in Anspruch genommen?

Im Rahmen meiner Ausbildung bei der Bundeswehr konnte ich eine erste Lizenz erwerben, die den Status einer B-Lizenz hat. Das war eine generelle, sportartenübergreifende Ausbildung. Meine A-Lizenz habe ich darauf aufbauend bei German Cycling gemacht, in einer Mischung aus Präsenz und digitalen Inhalten. Die A-Lizenz war für mich dann die Grundlage, um mein Studium an der Trainerakademie in Köln aufzunehmen, wo ich gerade im zweiten Jahr mittendrin bin. Das Studium findet in Modulen statt mit einer Präsenzpflicht von vier Tagen im Monat. Im zweiten Jahr kann ich mir die Inhalte noch etwas flexibler zusammenstellen, was als Mutter zweier kleiner Kinder sehr wichtig für mich ist.

Welche Inhalte der Ausbildung waren für dich neu, welche besonders überraschend?

Neu war für mich das Feld der Bewegungslehre, vieles davon kannte ich aus dem Radsport noch nicht, vor allem nicht in der Detailtiefe. Das hat mir an einigen Stellen die Augen geöffnet. Überraschend fand ich das Fach Trainerphilosophie, in dem erfahrene, erfolgreiche Trainer aus ihrer Praxis berichten. Das ist extrem interessant und sehr hilfreich für das Ausbilden einer eigenen Philosophie. Der größte Benefit neben der Wissensvermittlung ist aber der Austausch mit anderen Trainerinnen und Trainern, der die Ausbildung so besonders macht. Gemeinsam mit Menschen aus anderen Sportarten über den Tellerrand zu schauen, sich zu hinterfragen und andere Sichtweisen kennenzulernen, das ist etwas, wovon ich enorm profitiere.

Gab es Dinge, die du vermisst hast?

Es liegt noch so viel Ausbildung vor mir, dass ich das nicht abschließend beurteilen kann. Bislang fehlt mir allerdings nichts, das Studium ist sehr erfüllend.

Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass sich ehemalige Leistungssportler*innen im Trainerberuf engagieren?

Weil wir mitten aus dem Sport kommen und so viele Erfahrungen gesammelt haben, die weitergegeben werden sollten. Wenn ich es auf den Radsport herunterbreche, dann kann ich sagen, dass man über Datenanalyse sehr viel erreichen und vorbereiten kann. Aber die Erfahrung, wie sich ein Straßenrennen wirklich anfühlt und in was für Rennsituationen man geraten kann, und das Verständnis für die Gedanken und Ängste, die Sportlerinnen und Sportler manchmal umtreiben, kann man nicht erlernen. Deshalb ist es aus meiner Sicht extrem wichtig, dass wir uns in diesem Bereich einbringen.

Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften, die eine gute Trainerin haben muss?

Am wichtigsten ist es, ein offenes Ohr für das gesamte Team und die Athletinnen und Athleten zu haben. Ihnen zuzuhören, ihre Ansichten einzubinden und gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen, das ist für mich gute Führung. Überhaupt Entscheidungen zu treffen und dazu auch zu stehen, ist ebenfalls wichtig.

Welche dieser Eigenschaften bringt man wegen seines Talents schon mit, wie viele kann man sich antrainieren?

In vielen Bereichen kann man über Training und wissenschaftliche Begleitung sehr viel erreichen. Aber dennoch sind die eigenen Erfahrungen, die man in der aktiven Karriere gemacht hat, unerlässlich. Und natürlich gibt es auch gewisse Talente, die man angesichts seines Charakters für die Trainingsarbeit mitbringen kann. Das Allermeiste allerdings kann man sich antrainieren.

„Es braucht unbedingt den Willen, sich jeden Tag verbessern zu wollen“

Karl, du bist im DEB als Bundestrainer Wissenschaft und Ausbildung seit 2017 auch für die Ausbildung von Trainerinnen und Trainern verantwortlich. Wie kam es, dass du diese Rolle übernommen hast, was hat dich daran besonders gereizt?

Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, über die größten Multiplikatoren, die im Sport die Trainer sind, eine Sportart mitgestalten zu können. Ich komme selbst nicht aus dem Eishockey, ich habe Sportwissenschaft studiert und war als letzte Station vor meinem Wechsel zum DEB in der österreichischen Fußball-Bundesliga als Athletikcoach tätig. Aber in einer traditionsreichen und in Deutschland beliebten und erfolgreichen Sportart eine solch interessante Position bekleiden zu dürfen, habe ich als sehr spannende Herausforderung angesehen.

Was muss man können, um Trainerausbilder zu werden?

Ich möchte zunächst einmal klarstellen, dass ich als „Fachfremder“ nicht für die sportfachlichen Inhalte zuständig bin. Das übernehmen unsere Bundestrainer und der frühere DEL-Profi Collin Danielsmeier, der als Referent Trainerausbildung hauptamtlich in meinem Team arbeitet. Ich bin dafür verantwortlich, das große Ganze im Blick zu haben und Visionen dafür zu entwickeln, wohin wir mit der Ausbildung unserer Trainerinnen und Trainer wollen. Man kann es so beschreiben: Ich gebe eine Strategie vor und habe dann die Aufgabe, die Menschen zu finden, die diese Strategie bestmöglich umsetzen können. Dazu zählt auch ein Reservoir an externen Referentinnen und Referenten, auf die wir für die verschiedenen Themenfelder der Ausbildung zurückgreifen können. Wir versuchen ständig, das Curriculum zu erweitern und all unseren Mitarbeitenden den bestmöglichen Rahmen zu bieten. Dazu ist es unerlässlich, sich immer wieder zu hinterfragen.

Wie oft bist du noch an der Basis als Trainer tätig und wie bildest du dich selbst weiter?

Ich bin bei allen Großereignissen der männlichen A-Nationalmannschaft und auch bei ausgewählten Spielen der Frauen oder der Juniorenteams dabei, um persönlich zu erleben, wie unsere Strategie umgesetzt wird. Dazu kommt, dass ich regelmäßig Fortbildungen im In- und Ausland besuche, um sicherzustellen, dass ich gerade im Bereich Wissenschaft am Puls der Zeit bleibe. Der Transfer von Wissen ist schließlich eine meiner wichtigsten Aufgaben.

Worin besteht die größte Herausforderung, Menschen darin zu trainieren, andere Menschen trainieren zu können?

Darin, dass man ein Narrativ entwickelt, das unsere Philosophie trägt. Als Trainer muss ich ein Menschenfänger sein, eine Person, die andere erreichen und dauerhaft mitnehmen kann. Kleinen Menschen erzählt man eine Geschichte, damit sie einschlafen. Großen Menschen muss man eine Geschichte erzählen, damit sie wach bleiben. Im DEB haben wir über die vergangenen Jahre ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt, das allen Trainerinnen und Trainern vermittelt, dass sie hochgradig relevant für den Gesamterfolg sind, ganz egal, ob sie die A-Nationalmannschaft trainieren, in der Laufschule tätig sind oder die U 9 betreuen. Dieses Gefühl weiterzutragen, ist eine meiner Aufgaben. Am Ende entscheidet es sich darüber, ob wir in der Lage sind, Menschen für unseren Weg zu begeistern.

Welche Rolle spielt die DOSB-Lizenzausbildung für euch im Verband?

Wir bieten im DEB nur Lizenzen für den Leistungssport an, insofern spielt sie eine herausragende Rolle. Diese Lizenzen sind das Eintrittstor, um den Trainerberuf auszuüben. Auch wenn er leider in Deutschland noch immer kein anerkannter Beruf ist, forcieren wir das Hauptamt, weil wir überzeugt davon sind, dass es wichtig ist, so viele Menschen wie möglich hauptberuflich mit den Aufgaben der Ausbildung zu betrauen.

Welche Lizenzen kann man bei euch erwerben, und worin unterscheiden sich die Ausbildungen für den Vereinssport an der Basis und für den Spitzensport?

Da wir nur für den Spitzensport ausbilden, kann ich zur Unterscheidung nichts sagen. Wir haben in Deutschland nur rund 25.000 aktive Spielerinnen und Spieler. Jeder, der anfängt, gilt erst einmal als Talent. Wohin sich dieses Talent entwickelt, ob man am Ende Nationalspieler wird oder eher Fanbetreuer, spielt anfangs keine Rolle. Alle, die anfangen, sollen bestmöglich begleitet werden. Wir bieten dafür zum Einstieg die „Learn to Play“-Lizenz an, die der C-Lizenz entspricht. Darauf aufbauend gibt es die B- und A-Lizenz, die dazu befähigt, im Leistungssport trainieren zu können. Dazu kommen Spezialzertifikate für Torwart- und Techniktraining.

Wie viele Eishockey-Trainer*innen werden pro Jahr ausgebildet, und werden die alle von dir und deinem Team ausgebildet?

B- und A-Lizenzen bietet der DEB exklusiv an. C-Lizenzen können auch in manchen Landesverbänden erworben werden. Im DEB gibt es pro Jahr mindestens drei Lehrgänge für die C-Lizenz mit ungefähr 30 Teilnehmenden. Die Lehrgänge für B- und A-Lizenz bieten wir einmal im Jahr für bis zu 30 Personen an. Dazu kommen regelmäßige Fortbildungsangebote. Die Ausbildung streckt sich über ein Jahr und umfasst Präsenzveranstaltungen und digitale Module. Prüfungen nehmen wir nicht zentral im DEB ab, sondern lassen die Prüflinge vor Ort in ihren Vereinen arbeiten. Wir reden in Deutschland viel von kompetenzorientierter Ausbildung, aber für die Abschlussprüfungen fallen wir oft in ein stumpfes Abfragen des Erlernten zurück. Das wollten wir aufbrechen und den Menschen die Möglichkeit geben, in ihrem alltäglichen Umfeld ihre Kompetenzen nachzuweisen. Das bedeutet, dass sie ihre praktische Prüfung ablegen, indem sie sich bei einer mindestens 60-minütigen Trainingseinheit selbst filmen und diesen Film bei uns einreichen. Ich halte das für wesentlich authentischer als eine künstlich erschaffene Prüfungsatmosphäre.

Was sind das für Personen, die eine Trainerausbildung im Eishockey beginnen? Sind das eher junge Leute, aktive oder ehemalige Spieler*innen oder auch Eltern?

Tatsächlich haben wir von allem etwas dabei. Es kommen junge Menschen von der Uni, die einen Einstieg in den Trainerberuf suchen, aber auch Eltern, deren Kinder mit dem Sport angefangen haben und die sich einbringen wollen. Und in den vergangenen Jahren ist erfreulicherweise die Zahl der Spielerinnen und Spieler gestiegen, die an ihre Karriere anschließend in den Trainerbereich wechseln. Das ist uns im DEB ein wichtiges Anliegen, deren Expertise im Verband zu halten. Im kommenden Jahr werden wir erstmals einen C-Lizenz-Lehrgang für das komplette Frauen-Nationalteam anbieten. Wir haben in den Lehrgängen häufig einen deutlichen Männerüberschuss und wollen ausprobieren, ob es hilfreich ist, Kurse nur für Frauen anzubieten.

Ein Großmeister seines Fachs will das deutsche Boxen zu alter Stärke führen

Auch Genies wählen manchmal einfache Botschaften. „Wenn man gute Ergebnisse liefert, ist man ein guter Trainer“, sagt Humberto Horta Dominguez. Man mag das für eine Binsenweisheit halten, aber vielleicht fällt dem 59-Jährigen eine solche Aussage auch deshalb etwas leichter, weil man ihm im Umkehrschluss selbst dann, wenn die erhofften Resultate ausblieben, nicht unterstellen würde, ein schlechter Übungsleiter zu sein. Schließlich ist das, was der neue Chefbundestrainer im Deutschen Boxsport-Verband (DBV) an Reputation mitbringt, über jeden Zweifel erhaben. In seinem Heimatland Kuba, im olympischen Boxen über Jahrzehnte das anerkannte Powerhouse der Welt, hat er herausragende Kampfkünstler wie Yan Barthelemy, Guillermo Rigondeaux, Odlanier Solis, Robeisy Ramirez oder Roniel Iglesias zu Olympiasiegen gecoacht. Vor zehn Jahren wagte er den Schritt nach Europa, führte die russische Boxstaffel zu den Sommerspielen in Rio de Janeiro, wechselte 2019 nach Aserbaidschan und war für die Spiele 2021 in Tokio und 2024 in Paris für Frankreichs Auswahl verantwortlich.

Erfolg hatte Humberto Horta Dominguez überall, was zumindest die Frage beantwortet, warum der DBV Interesse an seiner Verpflichtung hatte. Aber was ihn dazu bewogen hat, eine einst große Boxnation zu übernehmen, die seit nunmehr 25 Jahren – von wenigen bronzenen Ausnahmen wie Vitali Tajbert, Artem Harutyunyan oder Nelvie Tiafack abgesehen – dem olympischen Ruhm von einst hinterherschlägt, das muss man den Neuen schon direkt fragen. Und aus der Antwort, die er gibt, lässt sich heraushören, dass da nun jemand für den DBV in der Ringecke steht, der nicht viele Worte braucht, um so treffend wie ehrlich verbal zu parieren. „Genau diese Aufbauarbeit macht den Reiz aus. Dort, wo ich bislang gearbeitet habe, war es einfach, weil der Erfolg schon da war. Ich habe mich bewusst für den DBV entschieden, um hier etwas Neues entstehen zu lassen“, sagt er.

Er sagt es auf Spanisch, Diagnostiktrainer Frank-Josef Fischer, der als Aktiver lange auf Kuba trainierte, übersetzt nicht nur im Gespräch mit dem DOSB, sondern auch im Training, wenn es notwendig ist. Ist es aber kaum, sagt Farid Vatanparast. „Wenn die Sportlerinnen und Sportler dreimal am Tag die gleichen Kommandos hören, wissen sie schnell, was gemeint ist. Die Sprache spielt da kaum eine Rolle“, sagt der DBV-Präsident mit iranischen Wurzeln aus Münster, der bei Hortas Einstellung zum 1. Februar dieses Jahres die treibende Kraft war. Auch der Coach selbst ist überzeugt davon, dass die Sprache des Sports universell ist. Er erklärt das anhand eines anschaulichen Beispiels. „Bei den Olympischen Spielen in Paris waren bei den Männern Usbekistan und bei den Frauen China die erfolgreichsten Nationen. Beide Staffeln wurden von kubanischen Trainern geführt, die die Landessprache nicht beherrschten“, sagt er im Brustton einer Überzeugung, die keinerlei Widerspruch zu dulden scheint.

Horta setzt auf ein starkes Kollektiv

Diese Klarheit sei es, die ihn davon überzeugt habe, „diesem Mann zu einhundert Prozent zu vertrauen“, sagt Farid Vatanparast, dem jedoch wichtig ist zu betonen, dass der Neue keinesfalls nur mit seiner natürlichen Autorität zu gefallen wisse. „Humberto ist verdammt hart, aber noch herzlicher. Er ist sehr verständnisvoll und betrachtet jedes einzelne Mitglied des Teams individuell. Für jeden hat er einen eigenen Plan und beherrscht es, sein klares Konzept an jedes Individuum anzupassen.“ Das Team, sagt Humberto Horta, müsse immer im Mittelpunkt stehen, das sei die vielleicht wichtigste Säule seiner Philosophie. „Wir brauchen Zusammenhalt. Wenn man kein gutes Kollektiv bildet, kann man in der Arbeit nicht vorankommen.“ Dazu gehöre selbstverständlich Disziplin, die er in Deutschland seinen Erwartungen entsprechend vorfinde. „Die klare Ansage ist, dass jeder 15 Minuten vor Trainingsbeginn zu erscheinen hat, und ich hatte bislang noch keinen einzigen Anlass, eine Disziplinarstrafe auszusprechen“, sagt er.

Was er seinem Verband mit der Personalie Horta zumutet, ist Farid Vatanparast bewusst. Auch weil Hortas Vorgänger, der 2017 verpflichtete Ire Eddie Bolger, nicht immer ein glückliches Händchen damit hatte, seine Außensicht in den DBV hineinzutragen, war das Murren darüber, ob in Deutschland nicht ausreichend gute Trainer verfügbar seien und wirklich wieder ein Ausländer verpflichtet werden müsse, deutlich vernehmbar. Zumal der Kubaner nicht weniger als einen vollständigen Mentalitätswechsel und eine komplett neue Philosophie im deutschen olympischen Boxen implementieren möchte. „In Europa wird in Training und Wettkampf sehr statisch geboxt. Das möchte ich aufbrechen“, sagt er.

Hamburg stimmt gegen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele

Die wahlberechtigten Bürger*innen in Hamburg haben gewählt und mit 54,9 Prozent gegen eine Bewerbung Hamburgs um Olympische und Paralympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 gestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49,5 Prozent – 652.603 der 1.315.800 Abstimmungsberechtigten nutzten ihr Wahlrecht - gab es 293.819 Ja-Stimmen, eine Mehrheit wurde damit verfehlt. Die hohe Wahlbeteiligung zeugt dennoch von einem breiten demokratischen Verständnis der Wähler*innen in Hamburg.

Aufgrund des negativen Ergebnisses kann die Freie und Hansestadt Hamburg ihr Konzept nun nicht mehr bis zum 4. Juni beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einreichen. Damit hat Hamburg die zweite Stufe des gemeinsam mit allen Bewerbern abgestimmten Drei-Stufen-Modells nicht erfolgreich abgeschlossen und gilt für den DOSB fortan nicht mehr als Bewerber.

Der weitere Prozess der Olympiabewerbung wird bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September mit den Bewerbern Berlin, KölnRheinRuhr und München fortgesetzt. Unabhängig davon wird der DOSB weiterhin mit Hamburg zusammenarbeiten, um zu prüfen, wie Teile des Konzeptes auch unabhängig von einer Olympiabewerbung im Sinne des Sports realisiert werden können. 

Zu dem vorläufigen amtlichen Endergebnis aus Hamburg nimmt der DOSB wie folgt Stellung:

Eine Botschafterin für alles Gute im Leben

Ausnahmen bestätigen jede Regel. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass es Menschen gibt, die aus einem Gespräch mit Yusra Mardini schlechter gelaunt herauskommen, als sie hineingegangen sind. Was nicht nur an dem liegt, was die 28-Jährige sagt, sondern auch daran, wie sie Dinge verbal zu verpacken weiß. „Sieh das Gute in allen Lebenslagen“, das ist ihr Lebensmotto. Wer ihre Geschichte kennt, weiß einzuordnen, dass ihr dieses Motto oftmals geholfen hat, um sich über Wasser zu halten, manches Mal sogar im wahrsten Wortsinn. Dass sie heute, rund elf Jahre nachdem ihr Leben die wohl einschneidendste Wende nahm, die man sich vorstellen kann, ihre Wortgewalt auch im Deutschen Olympischen Sportbund einbringt, ist ein Geschenk. Für beide Seiten, wie Yusra im Gespräch bestätigt. Aber dazu später mehr.

Im August 2015 war die damals 17-Jährige in Begleitung ihrer drei Jahre älteren Schwester Sara aus ihrer vom Krieg schwer gezeichneten Heimat Syrien nach Europa geflohen. Was ihnen auf der Überfahrt aus der Türkei auf die griechische Insel Lesbos passierte, ist spätestens im 2022 auf Netflix erschienenen Doku-Drama „Die Schwimmerinnen“ der Welt bekannt gemacht worden. Weil an ihrem vollkommen überlasteten Schlauchboot der Außenbordmotor ausfiel und das Gefährt mit mehreren Nichtschwimmern an Bord zu kentern drohte, sprangen die Mardini-Schwestern, die damals beide zum syrischen Nationalkader zählten, ins Wasser und hielten das Boot über mehrere Stunden auf Kurs, bis das rettende Ufer erreicht war. Es folgte eine nervenaufreibende Reise über die Balkan-Route bis nach Berlin, wo die beiden unter Obhut des damaligen Cheftrainers Sven Spannekrebs bei den Wasserfreunden Spandau 04 ein neues Leben beginnen konnten.

2016 startete Yusra in Rio für das Refugee Olympic Team

2016 startete Yusra für das Refugee Olympic Team des Internationalen Olympischen Komitees bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Für ihre Bekanntheit in der Sportwelt war das der Durchbruch, für die Athletin selbst der Startschuss zu einem Medien-Marathon. Viele Male musste sie ihre Geschichte erzählen, 2018 verarbeitete sie ihre Erlebnisse in ihrer Biografie „Butterfly“, deren Titel an ihren favorisierten Schwimmstil angelehnt ist. 2021 war sie bei den Sommerspielen in Tokio Fahnenträgerin des Geflüchteten-Teams, und als kurz darauf die Anfrage aus dem DOSB kam, ob sie sich vorstellen könne, als Persönliches Mitglied eine Rolle im Dachverband des deutschen Sports zu übernehmen, habe sie keine Sekunde mit der Zusage gezögert, sagt sie. „Der DOSB hat mir nach meiner Ankunft in Deutschland so viel gegeben, ich wurde von allen Seiten so großartig unterstützt, dass es für mich sofort klar war, dass ich gern etwas zurückgeben wollte“, sagt sie.

Sven Spannekrebs erinnert sich ebenfalls an die Anfrage, die der damalige DOSB-Pressesprecher Michael Schirp initiiert hatte. „Es gab keine Zweifel, dass Yusra es macht, auch wenn wir nicht wussten, was diese Aufgabe beinhaltet“, sagt der Mann, der für Yusra bis heute einer der engsten Vertrauten ist. Gemeinsam gründeten sie am 20. Juni 2023, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, eine Stiftung, die in Deutschland unter dem Namen „Butterfly by Yusra Mardini“ firmiert und international als „Yusra Mardini Foundation“ agiert. Mit beiden Vereinen versucht die ehemalige Spitzenathletin, die bei der UN-Flüchtlingsagentur UNHCR als Goodwill Ambassador tätig ist, Geflüchteten in aller Welt Zugang zu Sport und Bildung zu ermöglichen.

Ihren Wohnsitz in den USA, wo sie nach dem Ende ihrer Karriere im Jahr 2022 ein Studium aufgenommen hatte, hat Yusra mittlerweile aufgegeben. Ihre Projekte steuert sie aus dem Nahen Osten und Berlin, wo ihre Familie lebt. „Ich bin aber so viel auf Reisen, dass ich keine feste Basis habe“, sagt sie. Als Heimat bezeichnet sie Deutschland, dessen Staatsbürgerin sie seit vier Jahren ist, und Syrien, wo sie aktuell ein neues Projekt anschiebt, für das sie auf Unterstützung der Bundesregierung hofft. „Dort gibt es noch immer zweieinhalb Millionen Kinder, die auf der Straße leben und keinerlei Möglichkeiten haben, mit Sport und Bildung in Kontakt zu kommen. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, deren Lage zu verbessern, denn das Einzige, das Kinder aus ihrem Leid herausholen kann, ist der Sport“, sagt sie.

„Die DOA muss das Schnellboot der olympischen Bildung sein“

DOSB: Miri, du bist Mutter zweier kleiner Mädchen, arbeitest im Hauptberuf im Polizeidienst, bist ehrenamtlich im Präsidium des DOSB und bei der Sporthilfe in Rheinland-Pfalz engagiert. Ketzerisch gefragt: Warum brauchte es nun noch das Ehrenamt als Vorsitzende der Deutschen Olympischen Akademie?

Miriam Welte: Das ist eine berechtigte Frage. Dank meines Amtes im DOSB-Präsidium war ich in den Vorstand der DOA entsandt und habe gespürt, dass dort viel Arbeit anliegt, die mir wichtig ist. Das Thema olympische Bildung liegt mir extrem am Herzen. Ich sehe, nicht zuletzt auch durch meine eigenen Kinder, dass Sport und Bewegung in unserer Gesellschaft und vor allem bei Kindern und Jugendlichen einen immer geringeren Stellenwert haben. Dadurch gehen Werte verloren, die ich für unerlässlich halte, und die gesundheitlichen Auswirkungen von Bewegungsmangel sind uns allen bekannt. Gleichzeitig steht die DOA an einem wichtigen strategischen Punkt. Nach dem Ausscheiden von Gudrun Doll-Tepper war klar, dass wir nicht einfach im Status quo weitermachen können, sondern die Akademie inhaltlich und strukturell neu ausrichten müssen. Als ich gefragt wurde, ob ich bis zu den Neuwahlen kommissarisch Verantwortung übernehmen würde, war für mich deshalb schnell klar: Ich möchte diesen Prozess aktiv mitgestalten. Trotz meiner anderen Verpflichtungen habe ich mich dazu entschieden. Und ich mache das gern!

Die IOC-Charta besagt, dass die olympische Bildung im Zuständigkeitsbereich der Nationalen Olympischen Komitees liegt. Der DOSB könnte sich also auch selbst darum kümmern. Warum braucht es aus deiner Sicht aber die Akademie?

Der DOSB könnte olympische Bildung selbstverständlich selbst organisieren. Die entscheidende Frage ist aber, welche Struktur dafür langfristig die größte Wirkung entfaltet. Ich bin überzeugt, dass die DOA gerade durch ihre eigenständige Rolle einen besonderen Mehrwert für die olympische Bewegung bietet.

Worin liegt dieser besondere Mehrwert konkret?

Die DOA bringt einen vielfältigen, fundierten und zugleich gesellschaftlich orientierten Blick auf die Sinn-, Werte- und Grundsatzfragen des Sports ein. Sie ergänzt damit die operative und sportpolitische Arbeit des DOSB und stärkt sie zugleich.

In den vergangenen Monaten wurde intensiv über die Ausrichtung der Akademie diskutiert. Was bedeutet das für die Zukunft der DOA?

Die Diskussion hat deutlich gemacht, dass die Stärke der DOA nicht darin liegt, möglichst viele Aufgaben parallel abzubilden. Unsere Stärke liegt in einer klar fokussierten Rolle: als Impulsgeberin, Wissensplattform, Netzwerkpartnerin und Kompetenzzentrum für olympische Wertebildung.

Was heißt das konkret für die Arbeit der Akademie?

Die DOA soll künftig schnell, innovativ und partnerschaftlich agieren können – etwa bei Bildungsformaten, Pilotprojekten oder der Vernetzung von Sport, Wissenschaft und Bildung im Kontext der olympischen und paralympischen Werte. Genau darin sehen wir die Rolle der DOA als „Schnellboot“ innerhalb des olympischen Systems.

Bedeutet das auch eine engere Zusammenarbeit mit dem DOSB und anderen Partnern?

Absolut. Es geht ausdrücklich nicht um Abgrenzung, sondern um ein kooperatives und arbeitsteiliges Modell. Die Zukunft der DOA liegt in der intelligenten Ergänzung bestehender Strukturen – gemeinsam mit DOSB, dsj, der Deutschen Olympischen Gesellschaft, dem Deutschen Sport- und Olympiamuseum, Hochschulen und internationalen Partnern. Wir wollen die DOA strategisch so aufstellen, dass sie in diesem Netzwerk eine klare, sichtbare und wirksame Rolle übernimmt.

Der Hamburger Sport zeigt Flagge für Olympia

Großes Tennis war in Hamburg in den vergangenen Wochen gleich mehrfach zu erleben. Am Rothenbaum endete am Sonntag das ATP-500-Turnier mit dem Sieg des peruanischen Qualifikanten Ignacio Buse. Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev musste seine Teilnahme verletzungsbedingt kurzfristig absagen. Nichtsdestotrotz nutzte der gebürtige Hamburger den Anlass und bekannte sich klar zur Olympiabewerbung seiner Heimatstadt. „Nichts ist weltweit im Sport vergleichbar mit der Kraft, dem Spirit und dem Geist, den Olympische und Paralympische Spiele entfachen. Ich selbst durfte miterleben, wie die Spiele eine ganz besondere, positive Euphorie in die Stadt bringen – einen Aufbruch, weit über den Sport hinaus“, sagte der Olympiasieger von Tokio. Diesen Spirit wünsche er sich auch für Hamburg: „Die Spiele passen hervorragend an Alster und Elbe. Deshalb sage ich: Ja für Olympia in Hamburg.“ Bereits einige Wochen zuvor hatte auch der Nachwuchs sein Können gezeigt: Bei der U15-Meisterschaft des Deutschen Tennis Bundes überzeugten die Hamburger Juniorinnen und Junioren auf heimischer Anlage. Sigrid Rinow, Präsidentin des Hamburger Tennis-Verbandes, und Verbandstrainer Pelle Boerma nutzten die Gelegenheit, um für Zustimmung beim Bürgerschaftsreferendum zu werben. Aus ihrer Sicht bieten Olympische und Paralympische Spiele große Chancen für den Breitensport – von der Jugendförderung bis zur Modernisierung von Sportplätzen und Turnhallen. 

Laufen für Olympia & Paralympics 

Mit einem besonderen Angebot für den Breitensport setzt auch der Hamburger Unternehmer Peter Merck ein Zeichen für die Olympiabewerbung seiner Stadt. Seit April lädt er jeden Montag zu einem Lauftreff ein, der sportliche Bewegung mit der Unterstützung für Olympia und Paralympics verbindet. Das Interesse wächst von Woche zu Woche, auch prominente Gäste wie Jogi Bitter und Laura Ludwig waren bereits mit dabei. Auf der rund drei Kilometer langen Strecke zwischen Elbphilharmonie und Fischauktionshalle wird so Woche für Woche ein Zeichen für Spiele in Hamburg gesetzt. 

Die Laufschuhe für Olympia und Paralympics wurden auch am 26. April beim Hamburger Marathon geschnürt. Rund 34.000 Teilnehmende gingen insgesamt an den Start und liefen unter anderem am Olympia & Paralympics Hot Spot in Winterhude vorbei. Ein besonders Zeichen für die Spiele setze dabei nicht nur das Olympia-Führungsauto, das den Führenden des Marathons bzw. Halbmarathons die gesamte Strecke über begleitete, sondern auch die beiden Läufer*innen, die den Marathon als Staffel im Briefkastenkostüm bewältigten. Den Wahlaufruf „Deine Stimme für Olympia & Paralympics!“ trugen sie so über 42 km durch Hamburg. Mit interaktiven Sportmodulen, einer Fotobox und Informationen durch Volunteers wurde auch neben der Strecke am Hotspot der Fokus auf die Olympiabewerbung gelegt. 

Der Dino wirbt für die Spiele 

Eine große Bühne räumte auch der Hamburger SV (HSV) der Bewerbung beim Heimspiel gegen den SC Freiburg am 10. Mai ein. Vor 57.000 Zuschauern empfing der HSV neben Hamburgs Oberbürgermeister Dr. Peter Tschentscher zahlreiche Olympiabotschafter der Hansestadt, darunter Moritz Fürste, Horst Hrubesch, und Para-Athletin Edina Müller. Kinder in speziellen Olympia-Einlaufshirts begleiteten die Profis auf das Feld, die sich ebenfalls in Olympia-Shirts von ihren Fans vor dem Spiel anfeuern ließen. Die gemeinsame Botschaft nicht nur an diesem Tag: Hamburg kann große Spiele.

Von Handball über Rugby bis zum Basketball 

Bereits am 12. April rückte das kleine Nordderby in der Handball-Bundesligaspiel die Bewerbung in den Mittelpunkt. Gemeinsam posierten der Handball Sport Verein Hamburg und der THW Kiel vor Anpfiff mit zwei Bannern, die zur Abstimmung in Hamburg und Kiel aufriefen. Die Kieler stimmten bereits am 19. April bei ihrem Referendum mit 63,5 % für die Spiele. Im Hamburger Konzept ist neben Segeln auch Handball und Rugby in der Fördestadt vorgesehen.

Beim Stadtderby zwischen dem Hamburger Rugby-Club und dem FC St. Pauli sieht Juniorennationalspieler Tom Hill vor allem die Chancen einer Olympiabewerbung Hamburgs: „Sport verbindet einfach. Für mich wäre es das Größte, in meiner Stadt auch zahlreiche andere, weniger bekannte Sportarten anschauen zu können.“ Genau darin kann die Chance Olympischer und Paralympischer Spiele für Randsportarten liegen. Niclas Füllgraf vom FC St. Pauli erhofft sich außerdem einen Aufschwung im Ausbau der Sportinfrastruktur, die auch dem Breitensport zu Gute kommt.

Für Olympia und Paralympics sprechen sich auch die Veolia Towers Hamburg aus. Neben Banneraktionen bei ihren Heimspielen, einer aktiven Social-Media-Begleitung, Teilnahmen am „Run for Olympia“ haben sich die beiden Geschäftsführer Jan Fischer und Marvin Willoughby und Vereinsvorstand Oliver Eckardt in einem offenen Brief klar für die Spiele positioniert. „Wir glauben, dass eine Olympiabewerbung für Hamburg die Chance bietet, den Sport in unserer Stadt nachhaltig zu stärken: durch mehr Aufmerksamkeit, bessere Rahmenbedingungen und einen neuen gesellschaftlichen Fokus auf Bewegung, Gesundheit und Nachwuchsförderung.“ Auch im Breitensport beteiligten sich zahlreiche Vereine und Verbände und präsentierten das gleiche Banner wie die Profis. So zum Beispiel beim Verbandspokalfinale im Feldhockey oder bei den Norddeutschen Schwimmmeisterschaften der Jahrgänge 2014 und 2015. 

Der Aktionsspieltag erreichte alleine in den Stadien und Arenen rund 150.000 Menschen, dazu kommen die hunderttausenden Zuschauenden beim Marathon und den Breitensportevents. 

Noch bis zum 31. Mai sind alle wahlberechtigten Hamburger*innen dazu aufgerufen, ihre Stimmen per Briefwahl oder vor Ort im Wahllokal abzugeben. Der Hamburger Sport hat sich schon längst mit einem klaren „Ja“ für Sommerspiele ausgesprochen. Jetzt liegt es an den 1,3 Millionen wahlberechtigten Bürger*innen der Hansestadt, sich zu positionieren. 

5 Ringe – 5 Fragen: Bürgerschaftsreferendum entscheidet über Hamburger Olympiabewerbung

Warum möchte sich Hamburg bewerben? 

Hamburg versteht sich als internationale Sport- und Hafenstadt mit kurzen Wegen, moderner Infrastruktur und großer Erfahrung bei der Ausrichtung internationaler Veranstaltungen wie dem SUZUKI World Triathlon Hamburg oder dem Haspa Marathon. Den nächsten großen Schritt sieht die Stadt Hamburg in einer möglichen Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele. Sie bieten die Möglichkeit, nicht nur die Spiele modern zu organisieren, sodass sie nachhaltig geplant sind und daher mit bestehenden und temporären Sportstätten arbeiten, sondern dadurch auch die Stadt weiterzuentwickeln. 

Im Mittelpunkt der Bewerbung steht die Idee kompakter Spiele: Viele Wettkampfstätten liegen zentral und sind gut mit dem ÖPNV, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichbar. Gleichzeitig möchte Hamburg die Spiele nutzen, um wichtige Zukunftsprojekte in den Bereichen Sport, Mobilität, Wohnungsbau und Stadtentwicklung zu beschleunigen. 

Wie sollen die Spiele in Hamburg aussehen? 

Herzstück der Hamburger Olympiabewerbung ist die Binnenalster, auf deren eindrucksvoller Kulisse die Eröffnungsfeier den Auftakt bilden soll. Hier sollen laut Senat danach das 3x3 Basketball Turnier und die finalen Bogenschießen Wettkämpfe ausgetragen werden.

Die kompakte Planung soll die Spiele in Hamburg möglichst nahbar für Zuschauerinnen und Zuschauer machen. 

85 % der Wettkampfstätten befinden sich in einem Umkreis von sieben Kilometern, ausgehend von der „Olympic Park City“, dem Heiligengeistfeld. Im „Olympic Park Altona“, im nördlichen Volkspark finden laut Konzept Leichtathletik, Turnen und Schwimmen statt. 

Durch kurze und barrierearme Wege in der Stadt, soll Hamburg zur barriereärmsten Metropole Deutschlands werden – so das Ziel der Konzept-Verantwortlichen in Hamburg. 

Die weltbesten Athlet*innen kommen in einem Olympischen und Paralympischen Dorf, der Science City Hamburg Bahrenfeld, zusammen. Die zentrale Lage ermöglicht es 40 % der Athlet*innen zu Fuß zu ihren Wettkampfstätten zu gelangen. Nach den Spielen stehen die Wohnanlagen rund 9.000 Menschen als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung. 

Mit Kiel setzt Hamburg auf einen Außenstandort, an dem Segeln, Handball und Rugby geplant sind. 

Welche langfristigen Vorteile hätten Olympia und Paralympics für Hamburg? 

Der Ausbau einer barrierearmen Stadt bedeutet, dass nicht nur die Spiele für viele Menschen zugänglich sind, sondern auch, dass die Stadt weit über die Spiele hinaus von barrierearmen ÖPNV, Sportanlagen und Infrastruktur profitiert. 

24 % der Wettkampfstätten werden laut Senat temporär errichtet und Teil der Ausstattung kommen im Anschluss in Hamburger Sportstätten zum Einsatz, wie z. B. Turn- und Hallenböden. Auch Schulen und Bezirke sind in der Nachnutzung vorgesehen und erhalten bspw. Tischtennisanlagen.

Übrigens: Schon seit 2015 profitiert Hamburg von der letzten Olympiabewerbung. Die Stadt hält seither am Konzept der „Global Active City“ fest und zeigt damit, welche Impulse zur Sportförderung allein durch die Bewerbung ausgelöst werden können.

Wer unterstützt die Hamburger Bewerbung? 

Der Sport, bekräftigt seine Unterstützung in Breite und Spitze über den April und Mai verteilt mit der Ausrichtung von vielen Aktionsspieltagen: von Schwimmen über Tennis bis Rugby. Egal ob Harvesterhude Tennis- und Hockey-Club, Hamburger Sport-Verein oder der Lauftreff bis zum Referendum – die Vereine und Veranstaltungen zeigen, der Sport steht hinter der Bewerbung Hamburgs und sieht die Potenziale, die hinter Olympischen und Paralympischen Spielen stecken. 

Aber nicht nur der Sport, sondern auch in der Politik erfahren die Planungen des Senats große Unterstützung. Für den Hamburger Oberbürgermeister Peter Tschentscher ist klar: „Olympia steht für sportlichen Wettbewerb und ein friedliches Miteinander der Völker. Die Olympischen Spiele werden zusammen mit den Paralympischen Spielen ausgerichtet, die Teilhabe und Inklusion fördern.“ 

Daneben hat sich ein breites Bündnis an Wirtschaftspartnern – neben der nationalen Wirtschaftsinitiative – gebildet, das die Bewerbung unterstützt. 

Wie geht es nach dem Bürgerschaftsreferendum weiter? 

Das Ergebnis des Bürgerschaftsreferendums fließt in der Kategorie „Nationale Akzeptanz“ in die Bewertungsmatrix des DOSB mit ein. Daneben bilden die sportfachliche Eignung, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Finanzierung sowie Fragen der nachhaltigen Wirkung über die Spiele hinaus weitere prüfungsrelevante Kriterien. 

Das Bürgerschaftsreferendum in Hamburg bildet als letztes Referendum den Abschluss der Stufe 2, der Einbindung der Bevölkerung, im 3-Stufen-Modell des DOSB. Auf diese Phase folgt die dritte Stufe, in der alle bis 4. Juni eingereichten Konzepte geprüft und bewertet werden.

Am 26. September fällt auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden die finale Entscheidung, welches Konzept in das internationale Rennen zieht. 

 

Sein Erfolgsrezept? Den Körper unter Vollstress setzen!

13 oder 14 Jahre war er alt, ganz genau weiß Maximilian Dallinger es nicht mehr, als er mit seinen Eltern zum ersten Mal die Schießanlage in Garching-Hochbrück besuchte. Im Weltcup war damals der US-Amerikaner Matthew Emmons am Start, Olympiasieger von Athen 2004 und für das Nachwuchstalent von der Schützengesellschaft Isental Lengdorf ein absolutes Vorbild. „Für mich war es ein Traum, einen Sportler wie ihn aus der Nähe erleben zu können“, sagt der 29-Jährige rückblickend. In dieser Woche nun steht Maxi in Garching selbst im Mittelpunkt. Beim Heimweltcup auf der Schießbahn der Olympischen Spiele von 1972 ist der Mann, der im vergangenen Jahr mit dem Gewinn des WM-Titels in der Disziplin Luftgewehr 10 Meter die Schießsportwelt durcheinanderwirbelte, einer derjenigen, auf die nicht nur der Nachwuchs schaut.

„Ein Weltcup daheim ist immer etwas Besonderes. Aber der Stellenwert dieses Wettkampfs ist weltweit extrem hoch, weil er für alle Nationen ein absolutes Highlight im Kalender darstellt“, sagt der gebürtige Erdinger, der mittlerweile in Freising und damit keine halbe Stunde von einer der größten zivilen Schießanlagen der Welt entfernt lebt. 732 Athlet*innen aus 85 Nationen haben für die Wettbewerbe gemeldet, der Bayrische Rundfunk überträgt das Luftgewehr-Finale der Männer an diesem Dienstag um 18.30 Uhr und das Finale der Gewehrfrauen im Dreistellungskampf am Mittwoch um 13 Uhr live auf BR24sport.de, die restlichen acht Finals laufen bei sporteurope.tv. „Die Veranstaltung ist immer perfekt organisiert, innerhalb von zehn Minuten ist man an allen Wettkampfstätten. Alle Ausrüster präsentieren ihre Ware und Neuheiten. Es ist mehr eine Messe als ein normaler Weltcup, daraus erklärt sich die Beliebtheit“, sagt Maxi Dallinger.

Dazu kommt, dass die Anbindung an die Stadt München und die Berge und Seen im Umland perfekt ist. Anders als bei Wettkämpfen in Doha (Katar) oder Kairo (Ägypten), wo die Schießanlagen entweder abgelegen in der Wüste liegen oder für Publikum gar nicht zugänglich sind, werde die Stimmung im Schießsportland Deutschland – der Deutsche Schützenbund (DSB) ist mit rund 1,35 Millionen Mitgliedern hinter Fußball, Turnen, Tennis und dem Deutschen Alpenverein fünftgrößter olympischer Fachverband – allseits hoch geschätzt. „Wenn man eine Umfrage unter den internationalen Athlet*innen machen würde, wäre der Weltcup in Garching für 95 Prozent der Lieblingsstandort, da bin ich sicher“, sagt Maxi Dallinger.

Wer es in die Top 20 schafft, zählt zur Weltspitze

Dass die Augen in seiner Heimat noch mehr als sonst auf ihn gerichtet sein werden, ist dem 1,82 Meter großen Athleten bewusst. Der WM-Titel aus dem vergangenen Jahr, der in den Medien irgendwo zwischen „überraschend“ und „sensationell“ eingeordnet wurde, hat seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht; weniger dagegen seinen Stellenwert in der Szene, glaubt Maxi Dallinger. „Ich war auch vorher schon auf der Bildfläche und habe nicht das Gefühl, jetzt der Gejagte zu sein“, sagt er. Dafür sei die Spitze in seiner Paradedisziplin zu breit. „Bei internationalen Wettkämpfen kommen 30 Kandidaten infrage, die gewinnen können. Man kann nie mit einer Finalteilnahme rechnen, wer es in die Top 20 schafft, zählt zur absoluten Weltspitze. Die Tagesform ist in unserem Sport sehr entscheidend“, sagt der Topathlet, der auch im Kleinkaliber-Dreistellungskampf aktiv ist.

Als Beleg dafür lässt sich der WM-Wettkampf in Kairo im vergangenen Jahr anführen, in dem Dallinger es im Finale mit Olympiasieger Lihao Sheng aus China und dem schwedischen Olympiazweiten Victor Lindgren zu tun hatte. „Wenn die einen Toptag haben, hauen die einem ein Brett vor den Kopf, dass einem die Ohren schlackern. An dem Tag war das aber nicht so, beide hatten ein paar schlechte Schüsse dabei, ich habe ausgewogen ohne Ausreißer geschossen. Und auf einmal war ich Weltmeister“, erinnert er sich an die Dramatik des Finales, in dem er mit dem letzten Schuss Lindgren um 0,3 Ringe auf Rang zwei distanzieren konnte.

Für Maxi Dallinger war dieses Erlebnis nicht nur sportlich, sondern vor allem mental ein Gamechanger. Hatte er sich vor der WM in Finalwettkämpfen bei internationalen Events oft schwergetan, war da in Kairo plötzlich ein anderes Gefühl. „In der Qualifikation spürte ich, dass es sehr gut läuft, dennoch hatte ich diesen Angstmoment, in dem ich gedacht habe: Wenn ich jetzt ins Finale komme, geht es mir wieder schlecht! Als Schütze kann man solchen Stress gar nicht gebrauchen, aber bei der WM ist es mir gelungen, ihn in positive Energie umzuwandeln. Und mit diesem Wissen, dass ich jetzt Werkzeuge habe, um damit besser umzugehen, fühle ich mich selbstbewusster“, sagt er.

„Rezept für Bewegung“ kommt in die Arztpraxis

Mehr Bewegung beginnt oft mit einem einfachen Impuls. Genau dafür steht das „Rezept für Bewegung“: Ärzt*innen können ihre Patient*innen gezielt zu mehr körperlicher Aktivität motivieren und konkrete Bewegungsangebote empfehlen. Jetzt wird dieses Instrument einfacher nutzbar als je zuvor. 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Mitte Februar 2026 darüber informiert, dass das „Rezept für Bewegung“ Praxisverwaltungssystem-Anbietern ab sofort als Formular zur freiwilligen Integration zur Verfügung steht. Damit kann das Formular direkt in die Praxissoftware eingebunden, digital ausgefüllt, ausgedruckt und unkompliziert im Praxisalltag eingesetzt werden. Ein wichtiger Schritt, um Bewegung noch stärker als selbstverständlichen Bestandteil gesundheitlicher Prävention zu verankern. 

Mit der Duria eG hat nun bereits der erste Anbieter reagiert und das „Rezept für Bewegung“ in sein Praxisverwaltungssystem integriert. Damit steht das Formular ab sofort rund 4.900 Mitgliedern sowie mehr als 2.300 Arztpraxen zur Verfügung. 

Bewegung einfacher in den Alltag bringen 

Bewegungsmangel gehört zu den größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Gleichzeitig wissen wir: Regelmäßige Bewegung wirkt präventiv, stärkt die körperliche und psychische Gesundheit und verbessert Lebensqualität in jedem Alter. Die Integration des „Rezepts für Bewegung“ in Praxissoftware erleichtert Ärzt*innen den Zugang zu einem niedrigschwelligen Präventionsinstrument – ohne zusätzlichen Aufwand im eng getakteten Praxisalltag. 

DOSB startet Engagement im E-Sport und gründet DOSB E-Sports gGmbH

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gründet die DOSB E-Sports gGmbH. Das hat das Präsidium des DOSB beschlossen. Mit der neuen Gesellschaft schafft der DOSB eine eigenständige organisatorische Plattform, um sein zukünftiges Engagement im Bereich E-Sport strukturiert, partnerschaftlich und werteorientiert weiterzuentwickeln. Ziel der DOSB E-Sports gGmbH ist es, gemeinsam mit bestehenden Akteuren aus E-Sports, Gaming, Sport, Politik und Gesellschaft nationale Strukturen und Projekte zu entwickeln, die Leistung, Haltung und Community miteinander verbinden.

Leon Ries, Vorstand Jugend im DOSB, erklärt: „E-Sports und Gaming sind für Millionen junger Menschen selbstverständlicher Teil ihrer Lebensrealität. Als organisierter Sport sehen wir darin die Chance, Bewegung, Leistung, Gemeinschaft und Werte auch im digitalen Raum sichtbar zu machen und gemeinsam mit bestehenden Akteuren Verantwortung für positive Entwicklungen zu übernehmen.“

DOSB begrüßt Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses zur Olympiabewerbung

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am Donnerstagvormittag den Senat beauftragt, sich gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Ausrichter für die Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Zwei Drittel der Abgeordneten stimmten für das Konzept Berlin+, das der Berliner Senat am 5. Mai einstimmig beschlossen hatte. 

Damit hat Berlin als dritter nationaler Bewerber die Voraussetzungen der Stufe 2 im dreistufigen Auswahlverfahren des DOSB abgeschlossen. Zuvor hatten die Menschen in München und der Rhein-Ruhr-Region in Bürgerreferenden bereits mit großer Mehrheit für Spiele in ihrer Stadt beziehungsweise Region gestimmt. In Hamburg findet am 31. Mai ein Bürgerschaftsreferendum statt. Am 4. Juni endet die Frist zur Einreichung der Konzepte beim DOSB. Anschließend werden die Konzepte evaluiert. Das Ergebnis des Beschlusses fließt ebenfalls in die Bewertungsmatrix des DOSB ein. Über den nationalen Kandidaten stimmt am 26. September in Baden-Baden die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB ab.

In Berlin ersetzt der Beschluss ein Bürgerreferendum

Anders als die drei anderen deutschen Bewerber verfügt das Land Berlin nicht über die rechtliche Voraussetzung, eine eigene Volksabstimmung auf den Weg bringen. In Berlin ersetzt der Beschluss somit ein Referendum und dokumentiert die politische Unterstützung des gewählten Landesparlaments für die Bewerbung. Zuvor hatte sich das Berliner Parlament mit der Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ befasst. Darin unterstützt der Landessportbund Berlin die Olympiabewerbung und fordert konkrete Verbesserungen für die Sportförderung und Sportinfrastruktur.

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