Neues aus Sportdeutschland

„Wenn man anfängt, an das Ausscheiden zu denken, hat man schon verloren“

Mit neun Frauen und zwei Männern startet der Deutsche Judo-Bund (DJB) in die Weltmeisterschaften in Aserbaidschans Hauptstadt Baku, die vom 4. bis 11. Oktober ausgetragen werden. Anders als bei Olympischen Spielen, wo pro Gewichtsklasse nur eine Kämpferin pro Nation zugelassen ist, können Miriam Butkereit (32) und Giovanna Scoccimarro (28) im 70-kg-Limit beide um Gold kämpfen. Wer deshalb interne Spannungen erwartet, wird spätestens im gemeinsamen Gespräch eines Besseren belehrt. Die beiden Weltklasse-Athletinnen – Olympia-Silbergewinnerin Butkereit ist Fünfte der Weltrangliste, Scoccimarro wird an Position 20 geführt – gehen sehr respektvoll und freundschaftlich miteinander um. Ganz so, wie es in dem japanischen Kampfsport, der als „der sanfte Weg“ beschrieben wird, üblich ist.

DOSB: Im Judo gibt es auf der Weltserie mit Grand Prix und Grand Slam einige wichtige Turniere. Welchen Stellenwert hat die WM im Vergleich damit für euch?

Giovanna Scoccimarro: Grand Slam und Grand Prix sind wichtige Turnierserien, bei denen wir Punkte für das Olympiaranking sammeln. Aber man kann sie vergleichen mit Weltcups oder Rennen wie in der Formel 1. Die WM ist unser Saisonhöhepunkt, wer hier Gold gewinnt, bekommt 2000 Punkte für die Rangliste. Also hat sie in diesem Jahr den höchsten Stellenwert.

Miriam Butkereit: Dazu kommt Ende des Jahres noch das Masters, ein Einladungsturnier für die besten 36 der Weltrangliste. Bei der WM sind theoretisch die Top 100 der Welt startberechtigt, so dass das Masters ein noch ausgewählteres Teilnahmefeld hat. Dort gibt es für den Sieg 1800 Punkte, bei der EM im Vergleich dazu nur 700.

Die WM findet in Baku statt. Gastgeber Aserbaidschan ist eine begeisterte Judo-Nation. Was erwartet ihr euch vom Austragungsort und welche Rolle spielt die Atmosphäre in der Halle?

Miriam: Die Hallen sind eigentlich überall gleich, ob das in Frankreich, Brasilien oder Aserbaidschan ist. Aber es macht schon einen Unterschied, wenn viele Zuschauer da sind, die dann auch noch judobegeistert und sachkundig sind. Es ist ein schönes Gefühl, das aufzusaugen und mitzunehmen, auch wenn die Leute nicht mich anfeuern.

Giovanna: Das sehe ich genauso, es ist toll, wenn die Leute etwas vom Judo verstehen. Wenn dann bei einem schönen Ippon ein Raunen durch die Ränge geht, dann löst das schon etwas in mir aus. Das ist cooler, als vor leeren Tribünen zu kämpfen.

Bei den Männern Aserbaidschans sind mit Richard Trautmann und Slavko Tekic zwei in Deutschland sehr gut bekannte Trainer in Verantwortung. Spielt das für euch als Team Deutschland eine Rolle?

Miriam: Für das Team macht das gar keinen Unterschied. Die beiden haben auch keinen Vorteil davon, dass sie unsere Männer so gut kennen, denn man kann heute jeden Kampf auf Video schauen und sich online auf alles vorbereiten. Ich persönlich freue mich immer, die beiden wiederzusehen. Slavko kenne ich noch gut aus meiner Anfangszeit in Hamburg, da ist es immer schön, mal ein bisschen miteinander zu sprechen und zu hören, wie es bei ihnen so läuft.

Giovanna: Vielleicht würden wir es auch anders sehen, wenn wir Männer wären, weil Richard die Männer auch betreut hat. Aber ich glaube, selbst für die spielt es keine Rolle, zumal auch aus der Zeit kaum noch einer dabei ist.

Der DJB geht mit neun Frauen und zwei Männern in die Einzelwettbewerbe der WM. Inwiefern spiegelt dieses Verhältnis das aktuelle Leistungsvermögen von Frauen und Männern wider?

Giovanna: Es ist zumindest kein Zufall, es liegt schon daran, dass die WM auf die Top 100 der Welt begrenzt ist, da fallen aktuell leider einige unserer Männer raus. Es gab in den vergangenen Jahren bei den Männern einige Trainerwechsel und einen ziemlichen Umbruch. Vielleicht müssten sie ein paar mehr Turniere auf europäischer Ebene kämpfen, um wieder mehr Punkte für die Rangliste zu sammeln. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 hoffen wir natürlich, dass es besser wird, denn wir wollen da auch im Mixed-Team-Wettbewerb eine Medaille holen.

Miriam: Bei der WM dürfen wir trotzdem ein gemischtes Team stellen, da dürfen drei zusätzliche Starter nominiert werden, was bei Olympia nicht geht. Für uns ist es deshalb kein Nachteil, dass wir im Einzel so besetzt sind. Wir freuen uns, dass wir mit einem kompletten Frauenteam an den Start gehen und die Nominierungskriterien geschafft haben. Bei den Männern sind es sicher mehrere Faktoren, an denen sie auch zu arbeiten versuchen. Aber es ist nie leicht, eine Lösung zu finden, die alle besser macht.

Ihr habt beide bereits eine WM-Medaille im Einzel gewonnen, Giovanna 2023 Silber, Miriam im vergangenen Jahr Bronze. Was bewirkt ein solcher Erfolg für das Selbstvertrauen?

Miriam: Klar ist es schön zu wissen, dass man einen solchen Erfolg schon einmal geschafft hat. Aber jeder Wettkampf beginnt bei null, man muss sich immer wieder neu erfinden, es kommen neue Gegnerinnen, neue Konstellationen. Man kann davon, dass man mal irgendwann eine WM-Medaille gewonnen hat, keine Rückschlüsse auf das aktuelle Turnier ziehen.

Giovanna: Im Moment des Triumphes bewirkt so eine WM-Medaille schon etwas, sie steigert das Selbstbewusstsein, man geht gestärkter in die nächsten Turniere. Aber sie ist kein Booster für ewig, das Mindset ändert sich dadurch nicht grundlegend. Judo ist dazu auch viel zu facettenreich und komplex, du weißt nie, was passiert.

„Gerade für junge Generationen kann Olympia etwas Besonderes sein“

DOSB: Herr Oberbürgermeister, wie war die erste Feier nach der Krönung Münchens zum Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele?

Dominik Krause: In München wurde auf jeden Fall ordentlich gefeiert, im Alten Rathaus fand unser Public Viewing mit vielen Gästen aus der ganzen Stadtgesellschaft statt. Ich selber bin am späten Nachmittag noch zurückgefahren und hatte am Sonntagmorgen direkt wieder einen Termin auf der Wiesn – aber gefeiert wurde schon auch.

Mit ein wenig Abstand zum Trubel der Bewerbungsphase: Was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag dafür gegeben, dass sich das enge Evaluierungsergebnis auf den Punktzetteln der Delegierten nicht niedergeschlagen und München doch sehr deutlich gewonnen hat?

Wir haben beim Evaluierungsergebnis schon gesehen, dass die Verbände uns durch die Bank auf Platz eins gesetzt hatten. Insofern waren wir vorsichtig optimistisch, dass sich das auch bei der Abstimmung zeigen wird – was ja dann auch der Fall war. Und eigentlich war es schön, dass KölnRheinRuhr in der Evaluierung so nah an uns war. Das zeigt, dass es zwei hervorragende Konzepte für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland gab.

Die European Championships 2022 werden oftmals als der Gamechanger angesehen, der es möglich gemacht hat, im Referendum eine Zweidrittelmehrheit für die Bewerbung zu erreichen. Welche Rolle ordnen Sie diesem Großereignis vor vier Jahren zu?

Wir werden bis heute auf die EC 2022 angesprochen, auf diese tolle Stimmung in der Stadt. Nach Corona war es das erste große Event in München. Viele Sportlerinnen und Sportler hatten damals so viel Publikum wie noch nie. Und natürlich hat auch die hervorragende Organisation durchaus Eindruck gemacht und gezeigt: München kann solche Sportgroßereignisse hervorragend umsetzen. Und man muss auch sagen: Ein bisschen war das Konzept damals ja schon ein Vorgriff auf Paris 2024 – auch bei den EC hatten wir die Sportarten auf ikonischen Plätzen in der Stadt stattfinden lassen.

Wie haben Sie den Bewerbungsprozess und die Zusammenarbeit mit dem DOSB bis dato erlebt, was hat Ihnen gefallen, was wäre zu verbessern?

Die Zusammenarbeit war stets partnerschaftlich und wir wussten immer, was seitens des DOSB gefordert ist. Jetzt wollen wir gemeinsam mit Freistaat, Bund und DOSB die nächsten Schritte gehen.

Wenn Sie eine Person aus dem Münchner Bewerbungsteam mit einer Goldmedaille auszeichnen könnten, die sich im bisherigen Prozess besonders hervorgetan hat, wer wäre diese Person und warum?

Das war und ist eine Teamleistung! Aber ein gutes Team hat immer auch einen tollen Kapitän, und das ist bei uns Michael Asbeck, der die Bewerbung von Anfang an inhaltlich hervorragend durchgeführt hat. Aber mein Dank gilt wirklich dem ganzen Team der Bewerbung, das war sehr viel Arbeit.

Sie werden sicherlich schon oft gefragt worden sein und noch viel öfter gefragt werden, warum das Münchner Konzept siegfähig ist. Was sind die drei wichtigsten Kernpunkte Ihrer Antwort?

Wir haben unser olympisches Erbe seit 1972 bewahrt und weiterentwickelt, der Olympiapark ist ein lebendiger Teil dieser Stadt. Wir setzen im neuen Konzept klar auf One Village, haben extrem kurze Wege. Und natürlich besitzen München und Bayern hohe internationale Strahlkraft. Das sieht man auch daran, dass wir den Zuschlag für die Leichtathletik-WM 2031 bekommen haben. Im Moment findet in München mit der Wiesn das größte Volksfest der Welt mit sechs Millionen Besucherinnen und Besuchern statt. Die Organisation von großen Veranstaltungen liegt uns einfach.

Worin sehen Sie in den kommenden Monaten und Jahren den größten Optimierungsbedarf, um nun auch dem IOC die Münchner Bewerbung schmackhaft zu machen?

Darum wird es jetzt gehen, dass wir gemeinsam mit dem DOSB zusammen einen Fahrplan entwickeln und genau diese Punkte definieren.

„Gerade für junge Generationen kann Olympia etwas Besonderes sein“

DOSB: Herr Oberbürgermeister, wie war die erste Feier nach der Krönung Münchens zum Bewerber um Olympische und Paralympische Spiele?

Dominik Krause: In München wurde auf jeden Fall ordentlich gefeiert, im Alten Rathaus fand unser Public Viewing mit vielen Gästen aus der ganzen Stadtgesellschaft statt. Ich selber bin am späten Nachmittag noch zurückgefahren und hatte am Sonntagmorgen direkt wieder einen Termin auf der Wiesn – aber gefeiert wurde schon auch.

Mit ein wenig Abstand zum Trubel der Bewerbungsphase: Was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag dafür gegeben, dass sich das enge Evaluierungsergebnis auf den Punktzetteln der Delegierten nicht niedergeschlagen und München doch sehr deutlich gewonnen hat?

Wir haben beim Evaluierungsergebnis schon gesehen, dass die Verbände uns durch die Bank auf Platz eins gesetzt hatten. Insofern waren wir vorsichtig optimistisch, dass sich das auch bei der Abstimmung zeigen wird – was ja dann auch der Fall war. Und eigentlich war es schön, dass KölnRheinRuhr in der Evaluierung so nah an uns war. Das zeigt, dass es zwei hervorragende Konzepte für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland gab.

Die European Championships 2022 werden oftmals als der Gamechanger angesehen, der es möglich gemacht hat, im Referendum eine Zweidrittelmehrheit für die Bewerbung zu erreichen. Welche Rolle ordnen Sie diesem Großereignis vor vier Jahren zu?

Wir werden bis heute auf die EC 2022 angesprochen, auf diese tolle Stimmung in der Stadt. Nach Corona war es das erste große Event in München. Viele Sportlerinnen und Sportler hatten damals so viel Publikum wie noch nie. Und natürlich hat auch die hervorragende Organisation durchaus Eindruck gemacht und gezeigt: München kann solche Sportgroßereignisse hervorragend umsetzen. Und man muss auch sagen: Ein bisschen war das Konzept damals ja schon ein Vorgriff auf Paris 2024 – auch bei den EC hatten wir die Sportarten auf ikonischen Plätzen in der Stadt stattfinden lassen.

Wie haben Sie den Bewerbungsprozess und die Zusammenarbeit mit dem DOSB bis dato erlebt, was hat Ihnen gefallen, was wäre zu verbessern?

Die Zusammenarbeit war stets partnerschaftlich und wir wussten immer, was seitens des DOSB gefordert ist. Jetzt wollen wir gemeinsam mit Freistaat, Bund und DOSB die nächsten Schritte gehen.

Wenn Sie eine Person aus dem Münchner Bewerbungsteam mit einer Goldmedaille auszeichnen könnten, die sich im bisherigen Prozess besonders hervorgetan hat, wer wäre diese Person und warum?

Das war und ist eine Teamleistung! Aber ein gutes Team hat immer auch einen tollen Kapitän, und das ist bei uns Michael Asbeck, der die Bewerbung von Anfang an inhaltlich hervorragend durchgeführt hat. Aber mein Dank gilt wirklich dem ganzen Team der Bewerbung, das war sehr viel Arbeit.

Sie werden sicherlich schon oft gefragt worden sein und noch viel öfter gefragt werden, warum das Münchner Konzept siegfähig ist. Was sind die drei wichtigsten Kernpunkte Ihrer Antwort?

Wir haben unser olympisches Erbe seit 1972 bewahrt und weiterentwickelt, der Olympiapark ist ein lebendiger Teil dieser Stadt. Wir setzen im neuen Konzept klar auf One Village, haben extrem kurze Wege. Und natürlich besitzen München und Bayern hohe internationale Strahlkraft. Das sieht man auch daran, dass wir den Zuschlag für die Leichtathletik-WM 2031 bekommen haben. Im Moment findet in München mit der Wiesn das größte Volksfest der Welt mit sechs Millionen Besucherinnen und Besuchern statt. Die Organisation von großen Veranstaltungen liegt uns einfach.

Worin sehen Sie in den kommenden Monaten und Jahren den größten Optimierungsbedarf, um nun auch dem IOC die Münchner Bewerbung schmackhaft zu machen?

Darum wird es jetzt gehen, dass wir gemeinsam mit dem DOSB zusammen einen Fahrplan entwickeln und genau diese Punkte definieren.

Warum Sportentwicklung und Kommunalentwicklung zusammengehören

Eine Turnhalle, deren Sanierung seit Jahren wartet. Ein Vereinsheim, in dem Ehrenamtliche nach Feierabend zusammensitzen und Trainingszeiten, Finanzen und die nächste Veranstaltung organisieren. Eine Schule, die für den Ganztag Partner sucht. Eine öffentliche Fläche, auf der Kinder, Jugendliche und Erwachsene Bewegung erleben können – unabhängig davon, ob sie einem Verein angehören. Sportentwicklung wird an solchen Orten konkret.

Und genau dort entscheidet sich auch, wie ernst wir es mit vielen großen Zielen meinen: mit mehr Bewegung und Gesundheit, mit Teilhabe und Bildung, mit guten Bedingungen für freiwilliges Engagement, mit lebendigen Quartieren und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Deshalb ist die Kooperationsvereinbarung, die der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und erstmals auch der Deutsche Landkreistag am 25. September in Baden-Baden unterzeichnet haben, für mich mehr als eine institutionelle Vereinbarung. Sie beschreibt eine Überzeugung, die meine Arbeit als Sportentwicklerin prägt: Wenn wir den Sport in Deutschland stärken und seine gesellschaftliche Kraft entfalten wollen, müssen wir dort ansetzen, wo beides jeden Tag geschieht: vor Ort. In unseren Vereinen. In Turnhallen und auf Sportplätzen. In Schulen und Ganztagsangeboten. In Quartieren, Städten, Gemeinden und Landkreisen. Sportentwicklung und Kommunalentwicklung lassen sich deshalb nicht voneinander trennen.

Zusammenhalt hat eine Adresse

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Vertrauen und die Erfahrung, gemeinsam etwas gestalten zu können, sind keine Selbstverständlichkeiten. Gesellschaftliche Entwicklungen machen auch vor der Tür eines Sportvereins nicht halt. Vereine sind keine Inseln außerhalb gesellschaftlicher Konflikte. Sie sind Resonanzräume dessen, was uns als Gesellschaft beschäftigt. Gerade darin liegt ihre besondere Möglichkeit – und ihre Verantwortung.

Im Sport begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen Biografien, sozialen Voraussetzungen und Überzeugungen. Dann gilt es, miteinander etwas sehr Konkretes zu tun: eine Mannschaft zu bilden, Trainingszeiten zu organisieren, Regeln einzuhalten, Verantwortung zu übernehmen oder gemeinsam ein Vereinsleben zu gestalten. Das schafft nicht automatisch Demokratie. Und Sport erzeugt auch nicht automatisch Zusammenhalt. Sport kann solche Erfahrungen ermöglichen, wenn seine Räume offen sind, Menschen respektvoll miteinander umgehen, Teilhabe tatsächlich möglich ist und gemeinsame Werte nicht nur in Satzungen stehen, sondern gelebt werden.

Und diese Räume haben eine Adresse. Dort entscheidet sich, ob eine Sportstätte erreichbar ist. Ob eine Halle saniert wird. Ob ein Verein Partner einer Schule sein kann. Ob eine öffentliche Fläche Bewegung ermöglicht. Ob Ehrenamtliche Unterstützung erfahren oder an Verfahren verzweifeln. Ob Sportangebote für möglichst viele Menschen zugänglich sind.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht in abstrakten Strategien. Er entsteht – oder erodiert – in konkreten Lebensräumen. Deshalb ist die Partnerschaft zwischen Sport und Kommunen für mich weit mehr als eine sportorganisatorische Frage. Sie berührt unmittelbar die Frage, wie wir unsere Städte, Gemeinden und Landkreise lebenswert gestalten.

Wir beginnen dabei keineswegs bei null. Schon 2008 haben DOSB, Deutscher Städtetag und Deutscher Städte- und Gemeindebund mit ihrer damaligen Kooperationsvereinbarung einen wichtigen und für die Zeit beispielgebenden Schritt getan. Die Partnerschaft von organisiertem Sport und Kommunen wurde damit früh strategisch beschrieben.

Zugleich müssen wir selbstkritisch feststellen: Es ist uns in den fast zwei Jahrzehnten seitdem nicht ausreichend gelungen, diese Zusammenarbeit dauerhaft mit der notwendigen Kontinuität und Verbindlichkeit zu füllen. Genau deshalb musste die neue Vereinbarung über eine bloße Fortschreibung hinausgehen. Sie ist kompakt, konkret und stark auf gemeinsames Handeln ausgerichtet – mit klaren Zielrichtungen und einem verbindlicheren Arbeitsmodus. Denn entscheidend ist, was daraus entsteht.

Es gibt nicht die eine Kommune – und nicht die eine Lösung

Ein wesentlicher Fortschritt der neuen Vereinbarung ist auch, dass der Deutsche Landkreistag erstmals Teil des Bündnisses ist. Damit ist die gesamte Breite der kommunalen Spitzenverbände vertreten. Das ist sportentwicklungspolitisch relevant. Denn die Herausforderung einer Großstadt kann darin liegen, knappe Flächen für Sport und Bewegung zu sichern. In einer kleinen Gemeinde steht vielleicht die Zukunft der einzigen Sporthalle im Mittelpunkt. In einem ländlich geprägten Landkreis kann entscheidend sein, ob Menschen ein Sportangebot überhaupt in vertretbarer Zeit erreichen.

Demografische Entwicklung, finanzielle Möglichkeiten, Mobilität, Vereinslandschaften und Infrastruktur unterscheiden sich erheblich. Deshalb brauchen wir keinen Rahmen, der diese Unterschiede einebnet. Wir brauchen einen Rahmen, der gemeinsames Handeln trotz unterschiedlicher Ausgangslagen ermöglicht. Genau darin liegt für mich die Stärke dieser Kooperation: Sie verbindet einen gemeinsamen politischen Anspruch mit der notwendigen Offenheit für unterschiedliche  Lösungen vor Ort.

Sport und Bewegung gehören zur kommunalen Daseinsvorsorge

Dazu gehört auch ein Satz, den wir selbstbewusst formulieren sollten: Sport und Bewegung gehören für uns zur kommunalen Daseinsvorsorge. Damit ist nicht gemeint, dass jede sportliche Leistung künftig von Kommunen erbracht werden soll. Gemeint ist, dass Bewegung, Sport und ihre Infrastruktur elementare Bestandteile lebenswerter Städte, Gemeinden und Landkreise sind. Sportvereine sind weit mehr als Anbieter organisierter Freizeit. Sie schaffen Bewegung und Gesundheit, eröffnen Bildungsgelegenheiten, ermöglichen Engagement und Zugehörigkeit und sind vielerorts ein wichtiger Teil der sozialen Infrastruktur.

Gerade deshalb müssen wir vorsichtig sein, wenn wir ihnen immer neue gesellschaftliche Aufgaben zuschreiben. Wenn ein Sportverein Bildungsort, Gesundheitspartner, Integrationsakteur, Anbieter im Ganztag und zugleich weiterhin einfach ein guter Sportverein sein soll, dann müssen wir auch über die Bedingungen sprechen, unter denen insbesondere ehrenamtlich getragene Organisationen all das leisten können.

Wer Engagement will, muss Engagement möglich machen. Wer Vereine als Partner braucht, muss sie partnerschaftlich behandeln. Und wer ihnen zusätzliche Aufgaben zutraut, muss Bürokratie, Finanzierung, Räume und Qualifizierung mitdenken.

Zehn Handlungsfelder – eine gemeinsame Aufgabe

Die Vereinbarung umfasst deshalb bewusst eine große inhaltliche Spannweite: Sportinfrastruktur und öffentliche Räume; Bildung, Ganztag und Sozialraum; Gesundheit und Prävention; Ehrenamt und freiwilliges Engagement; Zukunftsstrukturen im Sport; Umwelt, Klimawandel und Klimaschutz; Teilhabe und Diversity; Sportveranstaltungen; Wettkampf- und Leistungssport sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt.

„Ein guter Start in einen Marathon bedeutet nicht automatisch eine Bestzeit“

DOSB: Michael, der nationale Auswahlprozess ist abgeschlossen. Welche Emotionen waren bei dir vorherrschend, als am Samstag in Baden-Baden München als deutscher Kandidat verkündet wurde?

Michael Mronz: Vor allem Freude über ein starkes Zeichen der Geschlossenheit. Sport, Wirtschaft und Politik haben – unabhängig vom finalen Kandidaten München – in Baden-Baden gemeinsam unter Beweis gestellt, dass sie hinter der Bewerbung stehen. Nicht nur München, ganz Deutschland will die Spiele. Das war das Signal, das aus der Olympischen Stadt Baden-Baden in die Welt gesendet wurde. Aber diese Freude ist mittlerweile schon wieder einer positiven Anspannung gewichen, denn der internationale Wettbewerb nimmt jetzt erst so richtig Fahrt auf. 

Wie zufrieden bist Du mit der Auswahl der Delegierten?

Der DOSB hat mit dem Prozess der vergangenen Jahre eine sehr gute Grundlage für die Entscheidung von Baden-Baden gelegt. Gemeinsam mit den Bewerbern wurden vier Konzepte mit unterschiedlichen Stärken entwickelt, die allesamt ein sehr hohes internationales Niveau haben. Schlussendlich standen zwei davon zur Wahl. Die Delegierten haben sich mit deutlicher Mehrheit für München und somit für die kompakte Lösung entschieden. Neben dieser besonderen Kompaktheit, die vor allem in mehr als 90 Prozent der Athletinnen und Athleten in einem zentralen Olympischen Dorf sowie sehr kurzen Reisezeiten zu den Venues zum Ausdruck kommt, bringt das Münchener Konzept weitere Dinge mit, die in der weltweiten Olympischen Bewegung positiv zur Kenntnis genommen werden dürften. Alle Sportstätten sind vorhanden oder temporär und ermöglichen ein Ticketpotenzial von 15,3 Millionen Eintrittskarten. Hinzu kommt diese besondere Legacy der Spiele von 1972. Aber es gibt auch noch ein paar Punkte, an denen wir in den kommenden Monaten gemeinsam feilen müssen...

Zum Beispiel?

Wir müssen ein internationales Narrativ entwickeln, das dem gesamtdeutschen Anspruch der Bewerbung gerecht wird. Bei aller internationalen Strahlkraft Münchens geht es darum, der Welt aufzuzeigen, was Deutschland mit den Spielen erreichen will. Was ist die Geschichte, die wir der Welt mit den Spielen erzählen wollen, was bringen Spiele in München der Olympischen Bewegung weltweit? Und das möglichst bald. Aber ich bin überzeugt, dass wir das können. Ich bin deshalb dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder sehr dankbar, dass er direkt nach der Verkündung darauf hingewiesen hat, welch hohe Verantwortung München und der Freistaat Bayern durch diese Entscheidung jetzt für unser Land haben. Dass es vorrangig nicht um eine bayerische, sondern um eine deutsche Veranstaltung geht. Dennoch ist es wichtig, dass der weitere Prozess unter der Federführung des DOSB und der Stadt München auch beim Freistaat und der Bundesregierung eine Chefsache bleibt.

Nun fragen sich natürlich viele am Sport Interessierte, wie es weitergeht mit der deutschen Bewerbung. Was sind international die nächsten Schritte? 

Der DOSB befindet sich bereits seit November des vergangenen Jahres im sogenannten kontinuierlichen Dialog mit dem IOC, wir sind seither offizieller Interessent für die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044. Jetzt, da wir mit München eine Stadt ausgewählt haben, geht es intensiv weiter mit der Arbeit. Auf hauptamtlicher Ebene gibt es schon in den kommenden Wochen zahlreiche Workshops, und noch in diesem Jahr müssen wir das Konzept inklusive vieler Details meinen IOC-Kolleg*innen in der Future Host Commission präsentieren. Im Frühjahr 2027 wird das IOC dann entscheiden, welche Bewerber in den neu geschaffenen Strategic Dialogue aufgenommen werden. Diese strategische Phase soll den Austausch zwischen dem IOC und Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. 

Sport und Kommunen schließen neue Allianz für Zusammenhalt, Gesundheit und Zukunft

Der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, und der Deutsche Olympische Sportbund haben am 25. September 2026 im Kongresshaus Baden-Baden die Kooperationsvereinbarung „Sport bewegt Kommunen – Eine Allianz für Zusammenhalt, Gesundheit und Zukunft“ unterzeichnet.

Mit der Vereinbarung erneuern und erweitern die vier Organisationen ihre seit 2008 bestehende Zusammenarbeit. Sport und Bewegung werden darin ausdrücklich als kommunale Querschnittsaufgabe und als wichtiger Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge verstanden. Gemeinsam wollen die Partner dazu beitragen, die Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung vor Ort zu verbessern und die gesellschaftliche Bedeutung der Sportvereine als verlässliche Partner der Kommunen weiter zu stärken. 

Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von Prof. Dr. Eckart Würzner, Erster Stellvertreter des Präsidenten des Deutschen Städtetages, Thomas Karmasin, Vizepräsident des Deutschen Landkreistages, Ralph Spiegler, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes sowie Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Zehn gemeinsame Handlungsfelder

Die Kooperationsvereinbarung umfasst zehn Handlungsfelder, in denen Sport und Kommunen künftig noch enger zusammenarbeiten wollen: Sportinfrastruktur und öffentliche Räume; Bildung, Ganztag und Sozialraum; Gesundheit und Prävention; Ehrenamt und freiwilliges Engagement; Zukunftsstrukturen im Sport; Umwelt, Klimawandel und Klimaschutz; Teilhabe und Diversity; Sportveranstaltungen; Wettkampf- und Leistungssport sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Dabei soll es nicht bei einer politischen Absichtserklärung bleiben. Die Partner streben einen kontinuierlichen Informationsaustausch auf Leitungs- und Arbeitsebene, ein möglichst abgestimmtes politisches Auftreten, gemeinsame Stellungnahmen, Publikationen und Veranstaltungen sowie regelmäßige Fortschrittsberichte an. Herausforderungen für den kommunalen Sport sollen frühzeitig erkannt und gemeinsam bearbeitet werden. Perspektivisch ist auch eine gemeinsame Kommunal-Sport-Konferenz vorgesehen.

 

„Für uns steht im Vordergrund, dass die Spiele wieder nach Deutschland kommen“

Geschichte wurde geschrieben am Samstagnachmittag in Baden-Baden, und für alle Mitglieder unserer Athlet*innenkommission war es eine Ehre, Teil dieser Veranstaltung gewesen zu sein. Auch wenn ich dafür meinen Urlaub unterbrechen musste, bin ich froh und dankbar, die Auswahl Münchens als Bewerber um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 miterlebt zu haben. Für mich war dieser Tag im Kurhaus, das wir im Kreise der Athlet*innen als Ausrichtungsort für die Gala „Sportler des Jahres“ sehr schätzen, eine wunderbare Werbung für das, was wir in Deutschland schaffen können, wenn wir es gemeinsam angehen. Dieser Tag hatte so gar nichts von der Trockenheit einer deutschen Mitgliederversammlung, die Medienpräsenz war enorm, und mir hat das wieder einmal gezeigt, was für eine Strahlkraft das Thema Olympia entfesseln kann.

Oft wurde ich nach meiner persönlichen Präferenz gefragt oder danach, welches Konzept die Athlet*innen bevorzugt hätten. Dazu ein einheitliches Meinungsbild zu zeichnen, ist nicht möglich. Als es noch vier Kandidaten waren, hatten alle vier Konzepte ihre Befürworter*innen, und ich bin der Überzeugung, dass alle auch international Chancen gehabt hätten. Ich freue mich, dass wir nun einen klaren Kandidaten haben, mit dem der DOSB ins Rennen geht. Für uns Athlet*innen stand von Beginn des Prozesses im Vordergrund, dass Deutschland sich überhaupt bewirbt. Wir wollen die Spiele in unserem Land! Die Region, in der sie stattfinden, ist für uns nicht entscheidend. Es zählt zunächst, dass es gelingt, nach 1972 endlich wieder in unserem Land um Olympiamedaillen kämpfen zu dürfen. Es muss aber auch klar sein: Die Bewerbung soll den Spitzensport stärken und darf nicht von bestehenden Herausforderungen ablenken. Mögliche Spiele können und müssen notwendige Reformen beschleunigen und die Rahmenbedingungen für Athlet*innen verbessern. 

Zum ersten Mal würden dann auch Paralympische Spiele in Deutschland stattfinden. Seit sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) vor 25 Jahren in einem Grundsatzabkommen darüber geeinigt haben, dass die Region, die Olympische Spiele austragen will, auch die Paralympischen Spiele austragen muss, sind die beiden untrennbar aneinandergebunden. Wir finden das nicht nur richtig und wichtig, sondern sehen darin auch für unser Land die Chance, Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit durch die Spiele nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen.

München setzt auf kompakte Spiele und das “One-Village-Konzept”

Das gilt auch für die Belange der olympischen Athlet*innen. München setzt auf kompakte Spiele, auf das „One Village“-Konzept, das so vielen Teilnehmenden wie möglich erleichtert, das Olympiafeeling zu erleben. Nach den Spielen von Paris 2024 wurde viel darüber gesprochen, wie sehr die Stadt involviert war und wie intensiv die Menschen daran teilhaben konnten, weil sich die Spiele in die Stadt eingefügt haben und nicht die Stadt sich den Spielen anpassen musste. Ähnliches Potenzial sehe ich auch in München. Die Stadt bietet einige ikonische Austragungsstätten, sie ist international nicht nur wegen der Spiele 1972, sondern auch wegen des Oktoberfests und des FC Bayern sehr bekannt. Bei den European Championships 2022 durfte ich selber erleben, wie begeisterungsfähig das Publikum sein und welchen Vibe ein solches Sportgroßevent in die Stadt bringen kann. Natürlich steht der Sport für uns Athlet*innen im Mittelpunkt, aber der Kontakt zur Bevölkerung ist ein ebenso wichtiger Aspekt, um das Gemeinschaftsgefühl, für das die Spiele stehen, erzeugen zu können. Ich bin sicher, dass in München eine großartige Atmosphäre herrschen wird.

Ohne jetzt Wasser ins Weißbier kippen zu wollen: Natürlich ist mir – und allen, die auf Heimspiele hoffen – klar, dass Baden-Baden nur der erste Schritt auf einem langen Weg war. Dass die Spiele nach München kommen, ist noch lange nicht gewiss. Es wird in den kommenden Jahren sehr viel Arbeit investiert werden müssen, um das Konzept international siegfähig zu gestalten. Aber wir sehen schon jetzt, was der nationale Auswahlprozess ausgelöst hat, welche Investitionen in den Sport angeschoben wurden, die ohne eine Bewerbung wahrscheinlich nicht in Gang gekommen wären. Die kommenden Jahre werden davon geprägt sein, dass wir gemeinsam Antworten auf die Fragen finden, was von Olympischen und Paralympischen Spielen bleiben soll für den Sport und für die Gesellschaft. Und auch, wie wir den Weg, der im äußersten Fall noch 18 Jahre dauern kann, ausgestalten, um ihn so gewinnbringend wie möglich zu beschreiten.  

Das Konzept: Deutschland mit München für Olympia

München geht für Deutschland ins Rennen um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB hat sich am 26. September in Baden-Baden für die bayerische Landeshauptstadt als nationalen Bewerber entschieden. Das Konzept setzt auf kompakte Spiele mit kurzen Wegen, die Nutzung bestehender Sportstätten und eine langfristige Wirkung für Stadt, Region und Land. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen zu einem großen Gemeinschaftserlebnis für München und ganz Deutschland werden. Sie sollen Deutschland und die Welt zusammenbringen, Tradition und Innovation verbinden und Menschen für den Sport begeistern. Die Leitidee des Konzepts lautet: Spiele mit Herz und Seele.

Der Olympiapark als Herzstück

München verfügt über eine langjährige Sporttradition, eine leistungsfähige (Sport-)Infrastruktur und mit dem Olympiapark über ein einzigartiges Erbe der Olympischen Spiele 1972. Der Olympiapark ist bis heute fest im Alltag der Münchner und Münchnerinnen verankert und soll auch bei den Spielen eine zentrale Rolle einnehmen. Eine Vielzahl der Wettbewerbe sollen daher dort stattfinden, u. a. Leichtathletik, 3x3-Basketball, Triathlon, Sportklettern und Gerätturnen.

Sport vor ikonischer Kulisse

Die Wettkämpfe finden zum Teil auch im Münchner Stadtgebiet und vor einzigartigen Kulissen statt. Dazu zählen das Schloss Nymphenburg (Dressurreiten), der Englische Garten (Vielseitigkeitsreiten) und der Odeonsplatz (Zielankunft Straßenrennen). München will damit die Olympischen und Paralympischen Spiele für die Menschen vor Ort erlebbar machen – und zugleich Bilder schaffen, die von Deutschland in die Welt getragen werden.

Ein Dorf, das bleibt

Das Olympische Dorf soll während der Spiele rund 16.000 Athletinnen und Athleten sowie dem Betreuerstab ein Zuhause bieten. Hinzu kommen Plätze für bis zu 3.000 Berichterstatterinnen und -erstatter. Das Dorf soll mehr sein als eine temporäre Unterkunft: ein Ort des Ankommens und der Begegnung. Aus dem Olympischen und Paralympischen Dorf soll im Anschluss an die Spiele ein klimaneutrales und barrierefreies Mehrgenerationenquartier für mehr als 10.000 Menschen entstehen. Die Entwicklung ist in die Stadtentwicklung im Münchner Nordosten eingebettet und soll dauerhaft neuen Wohnraum schaffen.

Nachhaltige und zirkuläre Spiele

Nachhaltigkeit soll von Beginn an in allen Bereichen der Planung berücksichtigt werden. Mit dem Projekt „Grünes München + Zirkuläre Spiele“ verfolgt München dabei die Vision, die ersten zirkulären Olympischen und Paralympischen Spiele der Welt auszurichten. Das bedeutet: Die Materialien, Gebäude und Infrastruktur sollen nach Möglichkeit weitergenutzt, wiederverwendet oder in neue Nutzung überführt werden. So soll möglichst wenig Abfall entstehen, die Ressourcen sollen im Kreislauf verbleiben.

Strahlkraft und Akzeptanz

München ist weltweit bekannt – als Sportmetropole mit dem ikonischen Olympiapark, der das Stadtbild prägt. Aber auch für seine Gastfreundschaft, sein Lebensgefühl und die einzigartige Verbindung von urbanem Leben, Kulturlandschaft und alpiner Natur. Auch die Bevölkerung hat sich klar zur Bewerbung bekannt. Beim Referendum im Oktober 2025 stimmten 66,4 Prozent für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Die Beteiligung lag bei 42 Prozent – die höchste Beteiligung, die bei einem Münchner Bürgerentscheid bzw. Referendum bis dahin erreicht wurde. Alle Informationen sind hier zu finden.

„Das Bewusstsein für die Umwelt und die Natur ist bei uns dauerhaft hoch“

Die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit 2026 stehen in diesem Jahr unter dem Schwerpunktthema Wasser. Der Kanusport ist wie kaum eine andere Sportart unmittelbar von den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ressource Wasser betroffen und hat deswegen entsprechende Maßnahmen, wie das Projekt KanuMorgen ins Leben gerufen.

DOSB: Hochwasser, Niedrigwasser, Hitze und Extremwetterlagen beeinflussen den Kanusport bereits heute. Wie erleben Sie die Auswirkungen des Klimawandels in Ihrem Sport ganz konkret und was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Oliver Strubel: Wir spüren die Veränderungen unmittelbar auf dem Wasser. Lange Niedrigwasserphasen im Sommer machen ganze Streckenabschnitte zeitweise unbefahrbar oder verändern Strömungsverhältnisse so stark, dass vertraute Gewässer neu eingeschätzt werden müssen. Gleichzeitig erleben wir das Gegenteil: Starkregenereignisse und Hochwasser, die kurzfristig Touren, Wettkämpfe und Trainingsbetrieb unmöglich machen und Bootshäuser sowie Vereinsinfrastruktur direkt gefährden. Hinzu kommen Hitzeperioden, die Belastung für Sportlerinnen und Sportler bei Training und Wettkampf erhöhen. Schon der Sommer 2022 – einer der sonnenscheinreichsten, drittwärmsten und fünfttrockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – hat uns als Verband deutlich vor Augen geführt, wie unmittelbar Wetterextreme unseren Sport treffen. Seither erleben wir solche Ereignisse nicht mehr als Ausnahme, sondern zunehmend als wiederkehrendes Muster, auf das sich Vereine und Sportlerinnen und Sportler einstellen müssen.

Der Kanusport findet unmittelbar in und an der Natur statt. Welchen Stellenwert haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz deshalb für den Deutschen Kanu-Verband?

Einen sehr hohen – Umwelt- und Klimaschutz als ein zentrales Thema zur Nachhaltigkeit ist für uns kein neues Thema, sondern tief im Selbstverständnis des Kanusports als Natursport verankert. Wer paddelt, erlebt Gewässer und Uferlandschaften unmittelbar und erfährt dadurch täglich, wie schützenswert diese Räume sind. Als Natursportverband ist es bei unseren Mitgliedern schon seit Jahrzehnten gelebte Praxis sich naturbewusst in der Umwelt zu bewegen. Parallel dazu finden auch seit Jahrzehnten Umweltschulungen beispielsweis beim Erwerb von Trainerscheinen statt. Beim Deutschen Kanutag 2019 in Saarbrücken haben wir uns intensiv mit Nachhaltigkeit befasst und einen 10-Punkte-Plan für nachhaltigen Kanusport entwickelt. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass es angesichts der Vielfalt des Kanusports – von der Wanderfahrt, zum Wildwasser bis hin zu den Wettkampfsportarten– kein einfaches Patentrezept gibt. Deshalb setzen wir weniger auf starre Vorgaben als darauf, alle Mitglieder zu motivieren, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen und dieses am Prinzip der Nachhaltigkeit auszurichten.

Mit „KanuMorgen" hat der DKV bereits 2022 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Wie ist der Stand heute und welche Meilensteine konnten seit dem Start bereits erreicht werden?

Die Arbeitsgruppe „KanuMorgen" wurde im November 2022 beim Verbandsausschuss gegründet – mit 13 Mitgliedern aus Leistungs- und Freizeitsport sowie der Kanujugend. Wir haben in vier thematische Arbeitsgruppen “Sportstätten und Gewässer”, “Veranstaltungen”, “Gebäude- und Geländemanagement” und die Auswirkungen auf “Sportlerinnen und Sportler” - Handlungsempfehlungen erarbeitet und ein Positionspapier auf den Weg gebracht. Bereits beim Deutschen Kanutag 2023 in Bayreuth wurden die Ergebnisse präsentiert, verabschiedet und auf www.kanu-morgen.de veröffentlicht. Der Kanutag beschloss zudem, aus der befristeten Arbeitsgruppe einen ständigen Ausschuss „KanuMorgen – Klimaschutz im Kanusport" zu installieren, der seither die Weiterentwicklung des Themas dauerhaft begleitet.

Seitdem sind mehrere konkrete Ergebnisse entstanden: die Vereinsauszeichnung „Kanu-Verein Klima Fair", die Absichtserklärung, Gremientagungen bis 2030 klimaneutral zu gestalten, sowie der alle zwei Jahre vergebene DKV-Nachhaltigkeitspreis „KanuMorgen. Als Verband selbst haben wir Anfang 2025 eine Photovoltaikanlage an der DKV-Geschäftsstelle installiert und einen Ratgeber als eBroschüre - 17 Ziele für nachhaltigen Kanusport herausgegeben. Derzeit arbeiten wir an einem weiteren Ratgeber „Das klimaneutrale Bootshaus“ und hoffen, diesen im Lauf des Jahres veröffentlichen zu können.

Alica Gebhardt ersetzt Elena Semechin in der Athlet*innenkommission

Alica Gebhardt ist das neue Mitglied in der Athlet*innenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die 28 Jahre alte Berlinerin, die für die DLRG bei den World Games 2025 in Chengdu (China) zu Goldmedaillen in zwei Staffeln beigetragen hatte, wurde am Freitagnachmittag auf der Athlet*innenvollversammlung (AVV) in Baden-Baden als Nachfolgerin für Elena Semechin (32/Berlin) und Vertreterin der nicht-olympischen Sportarten für die bis 2029 laufende Legislatur in das wichtige Gremium gewählt. „Ich bedanke mich sehr für das Vertrauen und möchte meine Stimme effektiv nutzen und mich in Themen einbringen, die mir wichtig sind“, sagte die Rettungsschwimmerin, die vor rund sechs Wochen Mutter geworden ist und damit ihre Vorgängerin fast deckungsgleich ersetzt. Paralympicssiegerin Semechin hatte den Rückzug aus ihrem Amt mit der Dreifachbelastung als Mutter, Sportlerin und Unternehmerin begründet.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass wir Alica für die AK gewinnen konnten“, sagte die ehemalige Fechterin Léa Krüger stellvertretend für die Kommission und dankte Elena Semechin für die geleistete Arbeit. „Ihr Einsatz war angesichts ihrer vielfältigen Herausforderungen keineswegs selbstverständlich. Sie hat uns mit ihrer Expertise in verschiedenen Themen weitergebracht und ist mit ihrer Entscheidung, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und danach zu handeln, ein Vorbild, weil ein solcher Schritt auch Mut erfordert“, sagte sie. Als einfaches Mitglied des Vereins Athleten Deutschland will Elena Semechin sich weiterhin im deutschen Sport einbringen.

Deutschland geht mit München ins Rennen um Olympische und Paralympische Spiele

Um 14.43 Uhr am Samstagnachmittag war die Entscheidung offiziell: Deutschland geht mit München in das internationale Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner verkündete gemeinsam mit DOSB-Präsident Thomas Weikert das Ergebnis in einer Sportschau-Sendung aus dem Kurhaus Baden-Baden live im Ersten.

Nach dem Rückzug Berlins standen nur noch zwei Bewerbungskonzepte zur Wahl. Deshalb war bereits nach einem Wahlgang am Vormittag entschieden, dass die stimmberechtigten Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) München mit 64,91 Prozent der Stimmen zum nationalen Bewerber gewählt haben. 91 Stimmen entfielen auf München, 50 Stimmen auf KölnRheinRuhr. Abstimmungsberechtigt waren die 42 olympischen Fachverbände mit je drei Stimmen sowie mit je einer Stimme die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums und acht Persönliche Mitglieder, von denen Elena Gilles, Leon Goretzka und Anna Schaffelhuber aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen konnten. So waren insgesamt 141 Stimmen zu vergeben.

DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte: „Heute ist ein guter Tag für den deutschen Sport. Am Ende des nationalen Prozesses steht mit München ein sehr guter Bewerber, der mit seinem Konzept Sportdeutschland am meisten überzeugt hat. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt: Wir werden mit München gemeinsam den nächsten Schritt gehen und Deutschland im internationalen Wettbewerb um die Olympischen und Paralympischen Spiele vertreten.“

Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke sagte: „Ich gratuliere der Landeshauptstadt München und ihrem Oberbürgermeister Dominik Krause sowie dem Freistaat Bayern und seinem Ministerpräsidenten Markus Söder zur Wahl als nationaler Bewerber sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern im und außerhalb des Sports. Die Mitgliederversammlung hat heute in einem demokratischen Verfahren entschieden. Damit haben wir einen klaren Auftrag für die nächste Phase der Bewerbung.“

„Das sind Chancen, die eine Gesellschaft nutzen sollte“

DOSB: Esther, du hast als Sportjournalistin schon viele große Sportmomente erlebt. Gibt es einen Sportmoment, der dich bis heute besonders bewegt oder geprägt hat?

Esther Sedlaczek: Für mich gibt es gar nicht den einen Moment. Es ist vielmehr eine besondere Atmosphäre, die ich bis heute in Erinnerung behalten habe: die der European Championships 2022. Dieses Event war eine Premiere für mich, da es mein erstes Multisportevent als Moderatorin war. Und das noch in München, im eigenen Land, in meiner Heimat. 

Am kommenden Samstag führst du durch die Sendung, in der bekannt wird, mit welcher Region Deutschland ins internationale Rennen um die Olympischen und Paralympischen Spiele geht. Wie bereitest du dich auf einen solchen Tag vor und worauf freust du dich am meisten?

Es stehen noch zwei Bewerberstädte bzw. -regionen zur Wahl. Als Moderatorin setze ich mich selbstverständlich mit den einzelnen Regionen auseinander. Dazu gehören ihre Konzepte und auch die Stimmung, die vor Ort herrscht. Ich persönlich lebe in München, da erlebe ich natürlich auch wahnsinnig viel mit. Dennoch wird es auch für mich ein spannender Moment am Samstag. Die Chance, Olympische und Paralympische Spiele hier in Deutschland selbst mitzuerleben, ist auch für mich etwas ganz Besonderes. Insofern wird es für mich so oder so nicht nur ein reiner Moderationsjob sein, sondern auch ein Ereignis, das mich emotional mitnimmt. Ich hätte wahnsinnig Freude daran, die Spiele hier zu erleben – egal in welcher Region, Hauptsache hier in Deutschland.

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