Neues aus Sportdeutschland

Vielfalt verbinden am Trikottag 2025

20. Mai 2025 - der nationale Feiertag für den Vereinssport. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen zum dritten bundesweiten Trikottag aufgerufen. Unter dem Motto „Trikot an - Verein zeigen!“ waren alle 28 Millionen Menschen aus den bundesweiten Sportvereinen eingeladen, im Alltag - ob bei der Arbeit, in der Schule oder beim Einkaufen – die Farben ihres Vereins zu tragen und so ein sichtbares Zeichen für den Vereinssport zu setzen. 

Auch das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ (IdS), gefördert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und dem Bundesministerium des Innern (BMI), beteiligt sich aktiv an dieser Aktion. In den rund 1.500 programmnahen Vereinen, darunter 890 Stützpunktvereine, wird täglich gelebt, wofür das Trikot steht: Zugehörigkeit, Vielfalt und Engagement. Das Trikot symbolisiert nicht nur sportliche Treue zum eigenen Verein, sondern auch gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe. 

Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist dabei: Am 20. Mai trugen die Mitarbeiter*innen Trikot - und zeigen damit nicht nur ihre Verbundenheit mit dem Sport, sondern auch ihr Engagement für Vielfalt und gelebte demokratische Werte im Verein. Als langjährige Förderer des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ sendet das BAMF ein starkes Signal: Integration gelingt dort am besten, wo Menschen zusammenkommen - im Verein, auf dem Platz, im Trikot. 

Der Trikottag bietet eine hervorragende Gelegenheit, die integrative Kraft des Sports sichtbar zu machen und die wichtige Arbeit der IdS-Vereine hervorzuheben. Ob im ländlichen Raum oder in der Großstadt - am 20. Mai hieß es deshalb: Trikot an und Vielfalt zeigen! 

Mehr erfahren zum Bundesprogramm

„Die gemeinschaftsstiftende Wirkung eines Trikots ist extrem groß“

DOSB: Wir im organisierten Sport sprechen gern von den positiven Aspekten, die der Sport für die Gesellschaft haben kann. Welche drei sehen Sie als Sportsoziologe als die wichtigsten an, Herr Thiel?

Ansgar Thiel: Das kommt selbstverständlich auf die Perspektive an, aus der man schaut. Für mich steht die soziale Integration obenan, und zwar nicht nur die von Menschen mit Migrationshintergrund, sondern aller Menschen in einer Gesellschaft, die sich immer weiter diversifiziert. Dann die Gesunderhaltung, die sich nicht nur auf den Gesundheitssport im Speziellen, sondern auf den gesamten Sport erstreckt. Auch im Wettkampfsport wird das psychische Wohlbefinden massiv erhöht, die Wirkungen des gesamten Sportbereichs sind nachgewiesen und unbestreitbar. Und zuletzt, aber ebenso wichtig: Sinnstiftung. Im Sport kann man gleichermaßen Halt und Erfüllung durch Hingabe erleben. Damit kann der Sport dazu beitragen, dass Menschen zu sich selbst finden.

Michaela Röhrbein: Ich würde gern zwei Bereiche ergänzen. Der eine ist der Aspekt der Bildung. Vereinssport ist der größte nonformale Bildungsanbieter in Deutschland. Sportvereine bieten niedrigschwellige Bildungsangebote für Menschen jeden Alters und sozialen Hintergrunds und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zum lebenslangen Kompetenzerwerb. Und wir lernen im Sport nicht nur die für ihn notwendigen Bewegungsabläufe, sondern auch Persönlichkeitsentwicklung, den Umgang miteinander und mit Sieg und Niederlage umzugehen, es werden Werte wie Leistung, Disziplin und Fairplay vermittelt, die in der Gesellschaft von großer Bedeutung sind. Das wichtigste Element ist für mich aber die Lebensfreude und die damit zusammenhängende Zufriedenheit, die durch Sporttreiben wachsen können.

„Ein freier Tag ist wirklich nichts Schlimmes“

Gelöst wirkt Emma Malewski, als wir sie im Auto auf dem Weg von Chemnitz, wo sie lebt und trainiert, nach Hamburg, wo sie herkommt und ihre Familie hat, auf dem Mobiltelefon erreichen. Und das hat einen einleuchtenden Grund: Am vergangenen Freitag hat die 20-Jährige, die sich bei den European Championships 2022 in München mit ihrer Goldmedaille am Schwebebalken in die Herzen der Fans turnte, am Sportgymnasium in Chemnitz ihre letzte mündliche Abiturprüfung absolviert. „Ist nicht so gut gelaufen wie erhofft, aber ich bin froh, dass die Anspannung jetzt erst einmal abfällt und ich ein paar Tage bei meiner Familie entspannen kann“, sagt sie. Von Mittwoch an geht es dann in die intensive Vorbereitungsphase für die Saisonhöhepunkte. 

DOSB: Emma, Ende des Monats steht in Leipzig die Heim-EM auf dem Programm. Warum war es für dich keine Option, dort an den Start zu gehen?

Emma Malewski: Ich hatte mir im Mai 2024 die Schulter ausgekugelt und musste im Juli wegen eines Knorpelschadens in der Schulter operiert werden. Sechs Wochen war ich in der Schiene und komplett bewegungsunfähig. Der Arzt meinte, es würde rund ein Jahr dauern, bis ich im Turnen wieder alles machen könnte, damit war das Thema EM beendet. Als nach meinen Wiedereinstieg ins Training alles gut lief, habe ich zwar doch nochmal kurz damit geliebäugelt, in Leipzig zu starten, aber durch den Abistress war ich mental ziemlich angespannt und konnte nicht so viel trainieren, wie nötig gewesen wäre, um auf das Niveau zu kommen, das man für eine EM braucht. Ich habe mir gesagt: Emma, Abi ist nur einmal im Leben! Also lag darauf der Fokus, denn eine gute Ausbildung ist für das Leben unverzichtbar. Außerdem habe ich auch gelernt, dass der Körper und die Gesundheit vorgehen sollten.

Die Schulterverletzung war ja nicht deine erste Zwangspause. 2023 hast du dir einen Tag vor der Abreise zur WM das Syndesmoseband im linken Sprunggelenk gerissen. Dein sportlicher Eintrag bei Wikipedia endet 2022. Was hast du aus dieser langen Leidenszeit mitnehmen können?

Vor allem, dass ich viel mehr bin als mein Sport. Ich war immer Emma, die Turnerin, ich dachte selbst, ich kann nur das und bin ohne meinen Sport gar nichts. Das habe ich hinter mir gelassen, ich definiere mich nicht mehr nur übers Turnen. Ich habe aber auch gelernt, wie wichtig mir mein Sport immer noch ist. Ich bin mit viel mehr Freude ins Training gegangen und habe mir neue Ziele gesteckt. Nach der Schulterverletzung hatte ich ans Aufhören gedacht, weil ich wirklich unsicher war, ob das noch einmal was werden könnte. Aber dann hat mich der Ehrgeiz gepackt, ich wollte unbedingt zurück in die Halle und wieder turnen. Ich habe gemerkt, dass ich noch nicht fertig bin. Ich weiß, dass ich dafür sehr hart arbeiten muss, denn ich habe wichtige Monate meiner Karriere verloren. Um im Sport ganz oben mitzuspielen, muss man alles danach ausrichten: Ernährung, Schlaf, Freizeit. In der Zeit, in der ich verletzt war, habe ich aber gespürt, dass ich das möchte, dass ich bereit dazu bin.

Wenn du dich nicht mehr nur über den Sport definierst: Was sind denn die Dinge, die du über dich gelernt hast, die den Menschen Emma Malewski auszeichnen und komplett machen?

Vor allem meine offene Art zu zeigen, dass ich ein ganz normales Mädchen bin, das Spaß am Leben haben möchte. Ein Mensch, der sich mit Freunden trifft, der auch mal feiern geht und Blödsinn im Kopf hat. Der nicht immer nur streng sich selbst gegenüber ist, denn dieses verkrampfte Fokussieren nur auf Leistung macht einen irgendwann kaputt. Ich kannte früher meine Grenzen nicht ausreichend, habe immer geglaubt, mehr und immer noch mehr machen zu müssen. Ich habe 13, 14 Einheiten in meine Woche gestopft, obwohl zehn die Regel sind, und mich dann gewundert, dass ich das Wichtigste manchmal nicht abrufen konnte, weil ich zu fertig war. Die erzwungene Auszeit hat mich endlich gelehrt, dass Regeneration eins der wichtigsten Elemente im Leistungssport ist. Ein freier Tag ist wirklich nichts Schlimmes, er ist sogar sehr wichtig. Das weiß ich jetzt. Ich bin ja auch älter geworden.

Das hört sich aus dem Mund einer 20-Jährigen kurios an.

Es stimmt aber, wenn man Turn-Maßstäbe anlegt. In München war ich 2022 die Jüngste im Team, ein Jahr später bei der WM wäre ich schon die Drittälteste gewesen. Und würde ich in Leipzig starten, wäre ich die Älteste. Aber vielleicht ist es passender, wenn ich sage, dass ich erfahrener geworden bin.

Die EM in München war dein Durchbruch, dennoch hat sie dich, wie du danach erzählt hast, auch überfordert. Wie schaust du heute, knapp drei Jahre danach, darauf zurück?

München war ja erst meine zweite EM im Erwachsenenbereich, die davor war gar nicht gut gelaufen. Ich war gerade erst 18 geworden, für mich war es ein Traum, dass ich neben dem Olympiateam stehen und sogar mit ihnen turnen durfte. Auf einmal gewannen wir Bronze im Team, die erste EM-Medaille für ein deutsches Frauenteam überhaupt. Schon das war für mich surreal. Als dann noch Gold am Schwebebalken dazu kam, wusste ich einfach nicht, wie ich damit umgehen sollte. Um ehrlich zu sein, habe ich es in dem Moment gar nicht verstanden. Ich habe auch nichts gefühlt, es war einfach nur überwältigend. Erst eine Woche später, im Urlaub, habe ich realisiert, dass ich Europameisterin bin. Heute bin ich extrem dankbar für diese Erfahrung. Ich habe mir damals eingeredet, dass ich die Medaille nur durch Glück gewonnen habe, dass ich gar nicht so gut bin. Aber das stimmt nicht. Sie war der Lohn für jahrelange, harte Arbeit, ich war an dem Tag auf den Punkt da, habe keine Fehler gemacht. Ich habe dieses Gold verdient. Ich konnte mir damit einen Traum erfüllen. Wie viele versuchen es, Europameisterin zu werden, und schaffen es nie? Da verbietet es sich, darüber zu klagen, dass es vielleicht etwas zu früh kam.

Du hast nach dem EM-Gold in München 2022 viel Kritik dafür einstecken müssen, dass du so viel auf Social Media unterwegs warst. Du hast das aber beibehalten und auch während der Verletzungszeit vieles aus deinem Leben preisgegeben. Warum ist dir das wichtig?

Ich habe damals viele Artikel darüber gelesen und war anfangs doch sehr getroffen, weil ich die Kritik nicht nachvollziehen konnte. Mittlerweile ist es mir längst egal. Ich bin auf Social Media so aktiv, weil ich der jungen Generation zeigen will, dass ich ein anderes Leben habe als die meisten Teenager, und dass Leistungssport auch viel mit Verzicht und Disziplin zu tun hat. Dass auch Dinge wie die Angst vorm Verlieren dazugehören, oder eben Phasen wie die der Verletzungen, in denen die Motivation im Keller ist. Mein Antrieb ist, den Jüngeren Mut zu geben, dass es wichtig ist, seine Ziele zu verfolgen. Ich bekomme dafür auch so viel Zuspruch, dass ich überzeugt davon bin, dass es keine Zeitverschwendung ist, sondern ein wichtiges Element, um andere für den Leistungssport zu begeistern und auch, um ein vollständiges Bild von sich zu zeigen.

„Integriert euch, benehmt euch, lernt die Sprache, aber vergesst eure Wurzeln nicht“

Nach Worten ringen müssen sie selten. Auch wenn es Robert und Artem Harutyunyan stets wichtiger war und ist, Leistung für sich sprechen zu lassen, halten sie Sprache für den Schlüssel zu vielem und sind um passende Antworten grundsätzlich nie verlegen. Aber auf die Frage, was an ihnen typisch armenisch sei, müssen die Brüder doch lange überlegen. Schließlich einigen sie sich auf die Herzlichkeit beim Empfang von Gästen. „In Armenien gilt noch der Grundsatz ‚meins ist deins‘. Die Schere zwischen Arm und Reich ist dort deutlich größer, aber selbst die Ärmsten teilen mit ihrem Besuch, was sie haben. Daran versuchen wir uns ein Beispiel zu nehmen“, sagt Robert, und Artem nickt zustimmend. 

Die Frage nach dem, was sie mit ihrem Geburtsland verbindet, ist deshalb so interessant, weil sich ohne Überlegen einige Eigenschaften aufzählen lassen, die sie stereotypisch zu Deutschen machen. Sie sind Disziplinfanatiker, vertrauen auf Recht und Ordnung, und wer sich um 11.00 Uhr mit ihnen in einem Café verabredet, kann davon ausgehen, fünf Minuten vor der Zeit eine Nachricht mit dem Hinweis zu erhalten, dass sie bereits in der Lokalität Platz genommen haben. Robert und Artem Harutyunan, das kann man ohne Pathos oder Übertreibung sagen, sind Musterbeispiele für eine gelungene Integration. Und weil sie den allerwichtigsten Teil davon im Boxen geschafft haben, sind die Hamburger Jungs die bestmöglichen Gesprächspartner, um im Rahmen des Diversity-Monats über das Thema Integration durch Sport zu reden.

1991 kamen die Brüder aus Armenien nach Deutschland

Robert (35) und sein ein Jahr jüngerer Bruder waren Kleinkinder, als sie 1991 mit ihren Eltern aus den armenischen Kriegswirren nach Deutschland kamen. In ein fremdes Land mit einer fremden Kultur, dessen Sprache sie nicht beherrschten. „Aber unsere Eltern hatten eine klare Vision. Sie wollten sich in diesem Land integrieren und ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen. Mein Vater hat sich geweigert, Geld vom deutschen Staat anzunehmen. Er wollte auf eigenen Beinen stehen und hat uns das ebenfalls gelehrt“, sagt Artem. Dazu gehörte, dass die Eltern die beiden Söhne anwiesen, überall Deutsch zu sprechen. „Sprache ist der Schlüssel zu allem, das sagen wir auch allen Menschen, die in diesen Zeiten als Geflüchtete nach Deutschland kommen“, sagt Robert. 

Für die Brüder wurde der TH Eilbeck, in dem sie ihre ersten Erfahrungen im Boxen machten, zu einer zweiten Familie. „Im Sport haben wir die Werte gelernt, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind“, sagt Artem, der 2016 in Rio de Janeiro die olympische Bronzemedaille im Halbweltergewicht gewinnen konnte, danach ins Profilager wechselte und nach der Trennung von seinem Hamburger Promoter Universum nun in Eigenregie versucht, eine weitere WM-Chance zu erkämpfen. Robert, der seine aktive Karriere vor fünf Jahren beendete, unterstützt seinen Bruder als Manager, arbeitet zudem als selbstständiger Trainer. Auch wenn sie mittlerweile beide verheiratet sind und Nachwuchs haben, gibt es die Harutyunyans geschäftlich weiterhin nur im Doppelpack. Gemeinsam waren sie immer schon stärker, und diese Kraft war notwendig, um auch die Täler zu durchschreiten, die das Thema Integration mit sich bringt.

Event-Inklusionsmanager*in im Sport: Jenifer Sprenger

Ein bisschen gleicht der Weg von Jenifer Sprenger der Geschichte eines Pinguins, von der TV-Moderator Eckhart von Hirschhausen mal erzählte. Einem Pinguin, der sich an Land nicht immer wohl fühlt und von anderen manchmal sogar unterschätzt wird. Doch taucht der Pinguin ins Meer, verwandelt er sich in einen hervorragenden Schwimmer: elegant, flink, ganz in seinem Element. Als Jenifer Sprenger ihre Arbeit als Event-Inklusionsmanagerin (EVI) bei Special Olympics Deutschland (SOD) begann, erging es ihr wohl wie dem Pinguin.

Den entscheidenden Wendepunkt habe das SOD-Projekt LIVE (Lokal Inklusiv Verein(tes) Engagement) gegeben. In dessen Rahmen ließ sich Sprenger, genauso wie bundesweit 170 Menschen mit geistiger Behinderung, zur sogenannte Teilhabeberaterin ausbilden. Sie wurde darin geschult, inklusive Prozesse für inklusivere Sportangebote und Zugänge in Sportvereine anzuregen, dabei zu beraten und mitzugestalten. So wurde sie auch auf das EVI-Projekt aufmerksam.

DOSB-Präsident Weikert würdigt Friedhelm Julius Beucher

Der Applaus wollte kaum abebben. Zum Ende eines denkwürdigen Verbandstags des Deutschen Behindertensport-Verbands (DBS) am Samstag im Hotel Scandic in Berlin erhoben sich all jene der rund 100 Delegierten, denen es möglich war, um Friedhelm Julius Beucher ihren Respekt zu zollen. Nach 16 Jahren Amtszeit als Präsident war der 78-Jährige nicht mehr zur Wiederwahl angetreten und für seine außerordentlichen Verdienste einstimmig zum Ehrenpräsidenten ernannt worden. "Wir haben gemeinsam schon sehr viel erreicht, aber auch noch richtig viel zu tun. Danke, lieber Friedhelm, für alles, was du für uns getan hast. Du hast es immer krachen lassen, egal ob mit Fahne und Kuhglocke an der Wettkampfstrecke, bei der Feier danach oder bei der Unterstützung durch Politik und Wirtschaft, die du maßgeblich vorangetrieben hast“, sagte Verena Bentele, Vizepräsidentin des DOSB und zwölfmalige Paralympicssiegerin im Skilanglauf und Biathlon, in ihrer Laudatio.

Bildung stärken - Engagement entwickeln - Zukunft gestalten

Unter dem Motto „Bildung stärken - Engagement entwickeln - Zukunft gestalten“ ging es darum, gemeinsam über die Zukunft der Bildung im organisierten Sport nachzudenken und zu diskutieren. 

Ein absolutes Highlight war der Talk zur „Zukunftsressource Bildung“ mit Michaela Röhrbein (Vorständin Sportentwicklung, DOSB), Marco Lutz (stv. Vorstandsvorsitzender, LSB Niedersachsen) und Thomas Braun (Vorstand Sportentwicklung und Bildung, Deutscher Skiverband). Die drei machten deutlich, wie wichtig Bildung als Grundlage für Engagement ist. 

In den Workshops drehte sich alles um die Frage: „Wie entwickeln wir unsere Ausbilderinnen für die Anforderungen der Zukunft?“ Gemeinsam reflektierten wir unser Ausbildungsverständnis, betonten die Schlüsselrolle von Ausbilder*innen und erarbeiteten, wie kompetenzorientierte Lernbegleitung aussehen kann. Auch das Thema „Digitale Anteile in der DOSB-Lizenzausbildung“ wurde heiß diskutiert. 

Aber nicht nur der fachliche Input stand im Vordergrund. Es gab auch jede Menge Gelegenheiten zum Austausch und Netzwerken: Ob bei coffee&connect, dem World-Bildungs-Café oder dem gemütlichen Bildungscommunity-Abend mit Flammkuchen im Innenhof des LSB Niedersachsen - der persönliche Kontakt kam nicht zu kurz. 

Ein besonderes Highlight am zweiten Tag war der inspirierende Vortrag von Dr. Marc Calmbach zum Thema „Engagement im Sport“, der alle mit fundierten Erkenntnissen und Begeisterung mitriss. 

Das Fachforum Bildung 2025 war geprägt von einer kollegialen Atmosphäre, spannenden Diskussionen und dem gemeinsamen Ziel, die Bildung im Sport weiterzudenken und zu stärken. Wir freuen uns schon auf das nächste Wiedersehen und darauf, die Zukunft der Bildung gemeinsam mit der Bildungscommunity zu gestalten!

Miteinander gegen Homo, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (im Sport) - heute und an allen Tagen!

Ziel des Aktionstags ist es, auf die Diskriminierung aufmerksam zu machen, mit der lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter*, queere, asexuelle sowie weitere Menschen vielfältiger sexueller und geschlechtlicher Identitäten (LSBTQIA+) in unserer Gesellschaft konfrontiert sind. Er soll das Bewusstsein für bestehende Hürden schärfen und zugleich den unermüdlichen Einsatz von Betroffenen und ihren Allies würdigen, die sich täglich für Gleichberechtigung und Akzeptanz einsetzen.

Auch im Sport sind queere Personen Diskriminierung und exkludierenden Strukturen ausgesetzt. Diese reichen von der alltäglichen Verwendung homo-, bi-, inter- und transfeindlicher Sprache bis hin zu begrenzten Möglichkeiten der Wettkampfsteilhabe für trans*, inter und nicht-binäre Personen. Im Sinne der olympischen Werte ist es ein Anliegen des DOSB, dass alle Menschen am Sport teilhaben können und sich dabei sicher und willkommen fühlen. Der DOSB setzt sich dafür ein, Teilhabe auch für die Menschen zu ermöglichen, die bisher noch keinen Platz im Sport gefunden haben.

Queere Sportvereine und -organisationen spielen eine elementare Rolle in der Verbesserung der Situation der LSBTQIA+-Community im Sport. Bereits seit Jahrzehnten schaffen sie Angebote, die vielen queeren Menschen die gleichberechtigte Teilhabe am Sport ermöglichen. Damit zeigen sie nicht nur auf niedrigschwellige Art und Weise wie Lösungen aussehen können, sondern leisten auch wichtige Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit.

Damit möglichst viele Organisationen von den Erfahrungen queerer Sportvereine profitieren können, unterstützt der DOSB Formate wie die Bundesnetzwerktagung des queeren Sports (BuNT), bei der die unterschiedlichen Stakeholder aus der LSBTQIA+-Community und dem Sport zusammenkommen und voneinander lernen. Die BuNT 2025 findet dieses Jahr vom 14. - 16. November 2025 in der Sportschule Hessen statt. 

Auch von der Deutschen Bundesregierung der 20. Legislaturperiode wurde die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Sport als relevantes Handlungsfeld erkannt und im Aktionsplan “Queer leben” aufgegriffen. Als Teil der dazugehörigen Arbeitsgruppe Sport brachte der DOSB zusammen mit der dsj seine Expertise mit ein. Im Rahmen des Aktionsplans läuft aktuell die Kampagne “Was ist queer” zur Steigerung der Akzeptanz und Sichtbarkeit von queeren Menschen - ein wichtiger Schritt, um den Rückhalt und die Solidarität für die LSBTQIA+ Community zu stärken. Der DOSB begrüßt dieses Engagement und fordert, dass diese wichtige Arbeit in der aktuellen 21. Legislaturperiode fortgesetzt wird und die erarbeiteten Inhalte Berücksichtigung finden.

Insbesondere in der aktuellen Zeit, in der homo-, bi-, inter- und transfeindliche Narrative und rückschrittliche Ideologien zunehmend Gehör finden und Gewalt an queeren Personen in der Gesellschaft zunimmt, ist es wichtig, sich für die Rechte, die Sicherheit und die Inklusion der LSBTQIA+-Community stark zu machen - im Sport und darüber hinaus.

Wie der Sport zum Klima-Kompetenzraum werden will

„Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen, auf ihnen zu surfen.“ Dem US-amerikanischen Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn, der als Dozent für Achtsamkeitsmeditation bekannt wurde, wird dieses Zitat zugeschrieben, und dafür gebührt ihm Dank, denn sein Satz beschreibt perfekt das Gefühl, mit dem am Donnerstagabend die rund 130 Gäste der Konferenz zum Thema „Klimaanpassung im Sport“ den Lichthof des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) an der Berliner Stresemannstraße verlassen konnten. Die unumkehrbaren Folgen des Klimawandels zwingen zur Anpassung, aber sie ist möglich - das war die Quintessenz des vom Ministerium und dem DOSB gemeinsam veranstalteten Symposiums, die Professor Sven Schneider von der Medizinischen Fakultät der Universität Mannheim in seinen Worten perfekt zusammenfasste: „Das Meiste, was nötig ist, wissen wir längst, wir haben aber ein Umsetzungsdefizit und müssen jetzt ins Handeln kommen.“

Um die dafür notwendigen Impulse zu geben, hatten das BMUKN und der DOSB die Konferenz, die vom Bundesumweltministerium aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wurde, als Teil eines seit Oktober 2024 und noch bis Juli dieses Jahres laufenden Projekts zur Klimaanpassung im Sport umgesetzt. „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren an Themen zum Klimaschutz, aber die Klimaanpassung ist für uns noch ein relativ neues Feld, das sich erst vor zwei Jahren herauskristallisiert hat“, sagte Bianca Quardokus, seit 16 Jahren Referentin im von Christian Siegel geleiteten DOSB-Fachressort „Sportstätten und Umwelt“, die beide für die inhaltliche Planung und die Kooperation mit Michael Kracht und Joachim Hummel aus dem BMUKN-Referat für Nachhaltigkeit im Sport und Tourismus und deren Team verantwortlich waren. „Deshalb sind wir sehr froh, dass wir gemeinsam diese Konferenz auf die Beine gestellt haben.“

In den vergangenen 200 Jahren stieg die Temperatur um drei Grad an

Bevor sich am Donnerstagvormittag jedoch der Optimismus Bahn brechen konnte, mussten die Gäste aus Politik, Umweltorganisationen, Verwaltung und diversen Mitgliedsorganisationen des DOSB die volle Breitseite der Klimarealität verkraften. Nachdem Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUKN, und DOSB-Vizepräsidentin Verena Bentele in ihren Grußworten die Bedeutung der Thematik herausgestrichen hatten, referierte Dr. Marc Olefs, Klimafolgenforscher vom Institut Geosphere Austria, zu den Folgen des menschengemachten Klimawandels. Seine Fakten zur Erderwärmung, die niemanden kalt lassen können: Seit dem Start der Messung der Erdenergiebilanz vor 25 Jahren erhitzt sich unser Planet mit der Energie von elf Hiroshima-Atombomben – und das pro Sekunde. Während seit der letzten Eiszeit bis zur Industrialisierung im 18. Jahrhundert die Temperatur binnen 10.000 Jahren um sechs Grad zunahm, beträgt die Steigung seitdem drei Grad innerhalb von 200 Jahren. „Europa hat sich seit 1980 am stärksten erwärmt, weil die Sonnenscheindauer um 15 Prozent zugenommen hat. Hitze ist hier die tödlichste Naturgefahr“, sagte Olefs.

Die Folgen dieser Veränderung spüren Sportler*innen in vielen Bereichen. Um schneesicher Wintersport betreiben zu können, braucht es immer höhere Berglagen in einem kleiner werdenden Zeitfenster. Aber auch im Sommer nehmen die Belastungen rapide zu. Wettkämpfe müssen wegen zu hoher Temperaturen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt oder gar ganz abgesagt werden. Auch Unterbrechungen oder Ausfälle von Veranstaltungen wegen Starkregens oder Gewitters sind immer häufiger zu beobachten. Im April drohte die WM-Qualifikation der Wildwasserkanut*innen in Augsburg auszufallen, weil der Eiskanal zu wenig Wasser führte. Aber aus all diesen Beispielen konnte Marc Olefs den Umschwung ins Positive ableiten. „Der Sport hat eine enorme Anpassungskapazität, die wir bewusst voranbringen können. Sport kann ein Klima-Kompetenzraum werden“, sagte er.

Wie das gelingen kann, sollte im Anschluss an seinen Impulsvortrag in verschiedenen Modulen erarbeitet werden. Unter der so launigen wie fachlich fundierten Moderation des österreichischen Para-Schwimmers Andreas Onea diskutierte Olefs zunächst mit Ralf Roth, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln, über das dringend notwendige Erreichen einer breiten Zielgruppe im Sport für das Thema Klimaanpassung. „Wer nicht versteht, dass der Klimawandel mit unserem Auftrag im Sport, die Gesellschaft in Bewegung zu bringen, zusammengedacht werden muss, hat ein großes Problem“, sagte Roth, „wir müssen den Wandel aber mit den Menschen gemeinsam gestalten. Wir müssen im Netzwerk denken und uns klarmachen, dass wir Teil dieser Transformation sind. Aber wir müssen auch Zuversicht ins System geben, um die Herausforderungen anzugehen.“

Team Deutschland und Samsung bringen gemeinsam mit „Solve for Tomorrow“ Sportsgeist in die Start-up-Welt

Unter dem Motto „Sport & Tech“ fördert Samsung in der sechsten Ausgabe des Programms junge Talente, die durch innovative Ideen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen wollen. Ein zentrales Element der aktuellen Runde ist die Partnerschaft mit Team Deutschland und Team Deutschland Paralympics, die das Programm mit ihrer Expertise bereichern. Federführend in der Umsetzung der Kooperation ist die Deutsche Sport Marketing (DSM) als Vermarktungsagentur von DOSB und DBS, die die Aktivierungsstrecke zudem mit dem Inhouse-Produktions-Team der „Team D Studios“ medial begleitet und Content zur Ausspielung auf den Kanälen von Samsung sowie der beiden Teams erstellt.

Der erste Aufschlag der diesjährigen Ausgabe fand an der Deutschen Sporthochschule Köln statt. Gemeinsam mit dem Team Deutschland, dem Team Deutschland Paralympics lud Samsung rund 30 Student*innen zum interaktiven Kick-off ein. Neben Workshops standen Input-Sessions, Teamarbeit und Pitch-Phasen im Fokus, um wirkungsvolle Ideen zu entwickeln. Inspirierende Einblicke aus dem Spitzensport lieferten Paralympics-Star Anna-Lena Forster und Skibergsteiger Finn Hösch, die ihre Erfahrungen in Sachen mentale Stärke, Resilienz und Teamgeist teilten. So wurde der Spirit des Sports greifbar - nicht nur auf der Piste, sondern auch im Gründungsprozess.

„Sport lebt von Bewegung - nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Denken. Innovationen im Sport sind essenziell, damit wir viele Menschen erreichen und mitnehmen können. Deshalb sind wir aus Überzeugung bei Solve for Tomorrow am Start. Junge Menschen bringen frische Perspektiven und technologische Neugier mit - beides brauchen wir, um den Sport der Zukunft gemeinsam zu gestalten“, so Claudia Wagner, Managing Director von Deutsche Sport Marketing.

Das Programm bietet jungen Menschen im Alter von 16-25 Jahren die Chance, ihre Ideen zu entwickeln und mit Unterstützung von Mentorinnen und Expertinnen in die Realität umzusetzen. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 16. Juni 2025. Die Gewinner-Teams erwartet ein besonderes Highlight: Sie werden ihre Projekte im Deutschen Haus in Cortina während der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 präsentieren.

Interessierte können sich unter diesem Link für „Solve for Tomorrow“ bewerben und Teil einer Bewegung werden, die Sportgeist und technologische Innovation vereint.

VDS-Nachwuchspreis 2025: Bewerbungen ab sofort möglich!

Wie steht es um den Sport in Schule und Universität in Deutschland, was sind die Herausforderungen, wo liegen die Chancen? Wie können junge Menschen in Schule und Universität zum Sporttreiben und einem aktiven Lebensstil animiert werden? Diesen und weiteren Fragen soll im Rahmen des diesjährigen VDS-Nachwuchspreises nachgegangen werden.

Eingereicht werden können Beiträge zum Thema „Schul- und Universitätssport in Deutschland - Chancen und Herausforderungen“ in allen Darstellungsformen und aus allen Kanälen. Sowohl Zeitungsbeiträge, TV- oder Videobeiträge, Online-Veröffentlichungen wie Blog-Beiträge oder Hörfunkberichterstattung sind möglich. Mitmachen können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen.  Teilnahmeberechtigt sind Nachwuchsjournalist*innen der Jahrgänge 1998 oder jünger. Die Mitgliedschaft im VDS ist nicht erforderlich. 

Der VDS-Nachwuchspreis wird vom DOSB mit insgesamt 4.500 Euro gefördert. Eine fünfköpfige Jury bewertet die eingereichten Beiträge, die drei besten Beiträge werden ausgezeichnet. 

Teilnahmebedingungen für den vom DOSB geförderten VDS-Nachwuchspreis: 

  • Der Beitrag muss zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2025 veröffentlicht worden sein.
  • Die Entscheidung der Jury ist endgültig und unanfechtbar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Rücksendung eingesandter Datenträger erfolgt nicht.
  • Bei der Definition von Sport gilt die DOSB-Satzung und es sind die ethischen Maßstäbe des DOSB zugrunde zu legen.
  • Die Teilnahme am VDS-Berufswettbewerb setzt voraus, dass die vorstehenden Bedingungen anerkannt werden. Arbeiten können abgelehnt werden, wenn sie nicht der Ausschreibung entsprechen.
  • Die prämierten Beiträge werden ausschließlich für den Wettbewerb und seine publizistische Auswertung durch den VDS und den DOSB genutzt.
  • Die Teilnehmer können keinen Anspruch auf Honorar erheben.
  • Einsendeschluss für die VDS-Berufswettbewerbe ist der 31. Januar 2026. 

Einsendungen sind per E-Mail, mittels WeTransfer o.ä. möglich und müssen enthalten: 

  •  Eine Mail mit Angaben von Autor*in, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, und Erscheinungsdatum.
  •  Texte: das Druckexemplar des Artikels als .pdf per E-Mail an vds-nachwuchs(at)sportjourna-list.de
  •  Online-Beiträge: der Link zum Artikel per E-Mail an vds-nachwuchs(at)sportjournalist.de
  •  TV-, Video- und Hörfunkbeiträge: als Download-Link (z.B. wetransfer) an vds-nachwuchs(at)sportjournalist.de 

Die Einsendungen sind zu richten an:
Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) e.V.
VDS-Nachwuchspreis
E-Mail: vds-nachwuchs(at)sportjournalist.de 

Eine Familie, die im Karate für die Goldmomente sorgt

Als die Titelverteidigung perfekt war, hatte Mia Bitsch eine Eingebung, die sie unbedingt mit ihrem Bruder teilen wollte. „Ich habe zu ihm gesagt: Vielleicht hat das Training im Urlaub auf den Parkplätzen doch etwas gebracht“, erzählt die 21-Jährige zwei Tage nach ihrem Triumph bei der Karate-EM in Armeniens Hauptstadt Jerewan, wo sie im Finale der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm die Luxemburgerin Jennifer Warling mit 4:1 bezwungen hatte. Ihr Bruder Noah Bitsch (35) ist Bundestrainer der Frauen und Männer, er hat also durchaus einen Anteil an ihren Erfolgen. Aber für die Übungseinheiten im Urlaub war Vater Klaus verantwortlich, und deshalb ist dies die Geschichte einer Familie, die die in China wurzelnde und in Japan zum Wettkampfsport entwickelte Kampfkunst in Deutschland prägt wie kaum eine andere.

An ihre Anfänge im mit rund 145.000 Aktiven mitgliederstärksten deutschen Kampfsport kann Mia sich nicht erinnern, schließlich wurde sie schon mit 26 Tagen im Verein Bushido Waltershausen angemeldet, den ihre Eltern in der Kleinstadt im Landkreis Gotha in Thüringen, wo die Familie auch lebt, führen. „Ich hatte keine andere Wahl. Mit zwei Jahren stand ich erstmals in der Trainingshalle“, sagt sie. Die Liebe zum Karate entwickelte sich allerdings schnell dahingehend, dass sie auch keine Wahl mehr benötigte. Weil nicht nur Noah, sondern auch ihre Schwester Jana (34), die heute den Nachnamen Messerschmidt trägt, in die Weltklasse vorstießen, hatte sie die besten Vorbilder täglich vor Augen. „Meine Geschwister waren meine Idole, ich wollte unbedingt so sein wie sie“, sagt sie. Als Jana, die ebenfalls im 55-kg-Limit antrat, nach den Olympischen Spielen von Tokio 2021, wo Karate einmalig ins Olympiaprogramm aufgenommen worden war, ihre Karriere beendete, scherzten die beiden darüber, „dass ihre Gegnerinnen sich bestimmt erst gefreut haben, dass sie weg war, und sich dann umso mehr ärgerten, dass die nächste Bitsch schon wartete.“

Es nun tatsächlich auch im Erwachsenenbereich in die Weltspitze geschafft zu haben – aktuell steht Mia auf Rang drei der Weltrangliste –, erscheint der Sportsoldatin, die ein Studium für Sport- und Eventmanagement beginnen will, noch immer ein wenig surreal. Neben dem zweiten EM-Einzeltitel gewann sie in Jerewan auch Gold mit dem Team, ohne allerdings einen Kampf bestritten zu haben, weil aus dem Fünfer-Aufgebot nur je drei Kämpferinnen pro Duell benötigt werden und der Fokus auf die schwereren Gewichtsklassen gelegt wurde. „Aber ich habe von außen unterstützt und fühlte mich als Teil des Teams“, sagt sie. Auch wenn Karate grundsätzlich ein Einzelsport ist, hat Mia ein funktionierendes Umfeld sehr früh schätzen gelernt und als extrem bereichernd empfunden. „Vor allem, dass mein Bruder so eng an meiner Seite ist, hilft mir sehr“, sagt sie. Weil ihr Vater im Juniorinnenbereich Bundestrainer war und Mutter Bianca als „größter Fan und mit offenem Ohr für alles“ bei allen Kämpfen dabei ist, habe sie nie ohne ihre Familie kämpfen müssen. „Das bedeutet mir sehr viel, es gibt mir Kraft und Sicherheit“, sagt sie.

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