Neues aus Sportdeutschland
Verbandsautonomie: Was das ist und wofür sie gut ist
Aufgrund aktueller Berichterstattung über mögliches Fehlverhalten in einer unserer Mitgliedsorganisationen und Fragen dazu, inwiefern die Politik und der DOSB als Dachverband hier tätig werden können, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Verbandsautonomie noch einmal zusammengefasst.
Was es damit auf sich hat und was die Verbandsautonomie an Eingriffen erlaubt und was nicht, erklären wir hier.
„Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg“
Am 17. Februar gab der Deutsche Tennis Bund (DTB) bekannt, dass ein Nachfolger für Rainer Schüttler gefunden wurde. Der Kapitän der Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft war im November 2025 nach dem Abstieg aus der Weltgruppe zurückgetreten. Seinen Posten übernimmt nun Torben Beltz, der seit Dezember 2024 als Chefbundestrainer für die deutschen Damen fungiert. Im DOSB-Interview erläutert der in Itzehoe geborene 49-Jährige, der als Trainer von Angelique Kerber seine größten Erfolge feierte, welche Herausforderungen ihn in der neuen Doppelfunktion erwarten.
DOSB: Torben, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt! Bedeutet die Doppelfunktion in erster Linie doppelte Arbeit oder doppeltes Vergnügen?
Torben Beltz: Ich finde, dass der zusätzliche Posten eine Erweiterung meines bisherigen Jobs darstellt, aber keinesfalls doppelte Arbeit. Ich war auch bislang schon für die Damen zuständig, hatte immer Kontakt zu allen Spielerinnen, war auf den großen nationalen und internationalen Turnieren unterwegs. Insofern sehe ich es als eine logische Weiterentwicklung und eine tolle Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Ich danke dem DTB für das in mich gesetzte Vertrauen.
Warum ist es aus deiner Sicht logisch, beide Ämter auf eine Person zu vereinen? Bei Barbara Rittner war das auch so, Rainer Schüttler dagegen war nicht Chefbundestrainer. Was spricht dafür, was dagegen?
Aus meiner Sicht passt beides sehr gut zueinander. Ich habe eine große Nähe zu den Spielerinnen. Ich weiß, wie sie trainieren und was sie brauchen, um ihre Bestleistung abzurufen. Gleichzeitig kenne ich dank meiner jahrelangen Tätigkeit mit Angie auf der WTA-Tour viele Gegnerinnen sehr gut, was gerade im Billie Jean King Cup sehr wertvoll sein kann. Ich will aber gar nicht werten, ob die Doppelfunktion besser ist als eine Trennung der Ämter. Rainer hat über sechs Jahre tolle Arbeit geleistet, und letztlich müssen sowohl der Verband als auch die betreffenden Personen entscheiden, was die beste Lösung ist. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich richtig Lust habe, beide Ämter zu vereinen, den Damenbereich nach vorn zu bringen und ein schlagkräftiges neues Team für den Billie Jean King Cup aufzubauen.
Was ändert sich für dich in deinem Arbeitsablauf?
Gar nicht so viel, denn wie schon gesagt war ich auch im vergangenen Jahr viel auf Turnieren unterwegs. In den ersten Wochen bin ich sicherlich etwas mehr auf Reisen, ich versuche, alle Spielerinnen zu besuchen und mit ihnen über die Neuausrichtung zu sprechen. Ich will Feedback sammeln und von ihnen hören, was wir besser machen können und welche Vorstellungen sie haben. Und die Wettkampfwochen, wenn wir im Billie Jean King Cup unterwegs sind, werden sicherlich intensiver. Möglicherweise schaue ich jetzt noch ein wenig mehr auf unser Eliteteam als zuvor, denn das Wichtigste wird jetzt sein, ganz eng an den Spielerinnen zu bleiben.
Die deutschen Tennisdamen sind erstmals seit 2012 aus der Weltgruppe abgestiegen. Seit Jahren hatte sich dieser Niedergang abgezeichnet, nachdem die goldene Generation um Angie Kerber, Andrea Petkovic und Julia Görges abgetreten war. Barbara Rittner hat einige Male die Leistungsbereitschaft der nachfolgenden Generation kritisiert. Wie nimmst du das wahr?
Kritik ist selbstverständlich erlaubt. Wir alle hätten gern ein paar mehr Spielerinnen unter den besten 100 der Welt. Allerdings habe ich bei unserer aktuellen und auch der nächsten Generation gar nicht den Eindruck, dass es an Leistungsbereitschaft fehlt. Um in der Weltspitze mitzuhalten, hast du nur eine Chance, wenn du hart und ausdauernd trainierst, und das nicht nur während der Saison, sondern auch in der Off-Season. Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg, das wissen die Mädels alle. Und was sie noch nicht wissen, versuchen wir ihnen zu vermitteln. Allerdings ist das ein Entwicklungsprozess, der Zeit braucht. Diese Geduld haben wir.
Auf wieviel Zeit in der Zweitklassigkeit im Billie Jean King Cup müssen sich denn die deutschen Tennisfans einstellen?
Ich hoffe natürlich, dass unsere Arbeit schon in den kommenden ein, zwei Jahren Früchte trägt. Unser neues Leistungssportkonzept „Gemeinsam! Weltklasse! Entwickeln!“ sieht vor, dass wir 2032 acht bis zehn Spielerinnen in den Top Ten haben. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir einige haben, die schon in der nahen Zukunft diesen Schritt schaffen werden. Wir wissen alle, was dazugehört, aber wir können uns auf eine Reihe an interessanten Spielerinnen freuen. Das Gefühl, dass einige unserer Talente nicht weit vom Topbereich entfernt sind, habe ich auf jeden Fall.
Mehrsprachig, praktisch, kostenlos: Die IdS-Sportwörterbuch-App
Die „Sportwörterbuch“-App umfasst über 150 Begriffe in 10 Sprachen aus dem Sportalltag und ist in 17 thematische Kapitel gegliedert. Enthalten sind unter anderem Vokabeln zu Sportgeräten, Sportstätten, Spielaktionen und Erster Hilfe. Damit wird das Verständnis im Trainingsalltag ebenso gestärkt wie die Orientierung im Vereinsleben. Ergänzt wird das Angebot durch kurze Erklärungen zur Frage „Was ist ein Sportverein?“.
Ziel: Zugang zum Vereinssport erleichtern
Entstanden ist die App im Bundesprogramm „Integration durch Sport“ als Gemeinschaftsprojekt des Landessportbundes Niedersachsen und des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, Menschen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen den Zugang zum Vereinssport zu erleichtern. Die App richtet sich sowohl an Menschen mit Migrationsgeschichte als auch an deutschsprachige Engagierte, die Sport als Brücke nutzen möchten.
Leistung statt Lamentieren: Beharrliche Kämpferin für die Belange des Parasports
Ihre aktive Karriere hat sie zwar vor mittlerweile fast sechseinhalb Jahren beendet, aber wenn am Freitag kommender Woche die Paralympischen Winterspiele in Norditalien eröffnet werden, wird Anna Schaffelhuber trotzdem mittendrin sein. Als TV-Expertin für die ARD berichtet die 33-Jährige aus Cortina d’Ampezzo über das Weltereignis, das sie 2014 in Sotschi zum deutschen Sportstar werden ließ. Fünf Goldmedaillen gewann die Monoski-Athletin damals in Russland. „Es war das Highlight meiner Karriere, auf das ich sehr stolz bin und das mir viele Türen geöffnet hat, aber es war auch eine harte Zeit mit viel Druck und einem immer prall gefüllten Terminkalender“, sagt sie im Rückblick.
Zwölf Jahre danach haben sich zwar einige Lücken im Kalender aufgetan, aber ein weniger erfülltes Leben führt die Bayerin keineswegs. Das liegt einerseits daran, dass ihre beiden Kinder – zwei Jahre und sechs Monate alt – viel Aufmerksamkeit brauchen. Andererseits ist Anna Schaffelhuber, die mit ihrer Eheschließung zwar den Nachnamen Kaiser angenommen hat, aber in der Öffentlichkeit weiterhin den zur Marke gewordenen Namen nutzt, ein Mensch, der sich einbringen möchte. Was dazu führt, dass sie neben ihrem aktuell wegen der Elternzeit ruhenden Beruf als Realschullehrerin für Mathe und Betriebswirtschaftslehre mehrere Ehrenämter ausführt. Und jenes, das den Anlass für diesen Text darstellt, ist die Verpflichtung als Persönliches Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).
Ihr Credo: Chancen ergreifen, wenn sie sich ergeben
Ihren Ursprung hat diese Verbindung vor ungefähr vier Jahren in einer Mail, die bei Anna Schaffelhuber eintraf. „Es war eine Anfrage, ob ich mir vorstellen könne, Persönliches Mitglied zu werden. Da der DOSB nicht mein direkter Dachverband war, sondern ich immer mit dem DBS zu tun hatte, wusste ich weder, was mich erwarten würde, noch, was man von mir erwartet. Aber ich dachte mir, dass ich das auch nicht herausfinden kann, wenn ich es nicht versuche, also habe ich die Chance ergriffen und zugesagt“, erinnert sie sich. Chancen ergreifen, wenn sie sich ergeben; Leistung zeigen anstatt zu lamentieren – all das kannte die von Geburt an inkomplett querschnittgelähmte Topathletin aus ihrer aktiven Karriere. Und mit dieser Einstellung ging sie an die neue Aufgabe im Dachverband des organisierten Sports.
Vier Jahre später ist sich Anna Schaffelhuber über das Fazit, das sie aus ihrem Engagement ziehen soll, noch nicht ganz im Klaren. Zwar habe sie viele Einblicke erhalten und ein anderes Verständnis für Verbandsarbeit entwickelt. „Der DOSB wirkte früher für mich weit weg, wie ein starres Konstrukt. Jetzt sehe ich die vielen Menschen hinter diesem Verband und weiß einzuordnen, welche wichtigen Aufgaben sie für die Entwicklung des Sports übernehmen“, sagt sie. Was ihr allerdings fehle, sei ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer homogenen Gruppe. „Durch die Geburt meiner beiden Kinder war meine erste Amtszeit zugegebenermaßen etwas zerfasert. Aber ich habe mir öfters gewünscht, etwas mehr eingebunden zu werden“, sagt sie. Es fehle dem Gremium eine feste Plattform, ein monatlicher Jour Fixe zum Austausch. „Ein Treffen einmal im Jahr finde ich zu wenig, eine gewisse Kontinuität wäre wichtig.“
Olympiabewerbung: Fragenkatalog zur finalen Konzeptbewertung verschickt
Die vier nationalen Bewerber Berlin, Hamburg, KölnRheinRuhr und München haben bis einschließlich 4. Juni 2026 Zeit, ihre Konzepte zu finalisieren und beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einzureichen. Voraussetzung dafür ist ein positives Bürgerreferendum oder eine andere politische Beschlussfassung, um die bestmögliche Stabilität für die jeweilige Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele zu gewährleisten.
Der entsprechend des Beschlusses der DOSB-Mitgliederversammlung 2025 Anfang dieser Woche versandte Fragenkatalog des DOSB bildet die Grundlage für die Evaluation der eingereichten Konzepte und dient den vier nationalen Bewerbern als Leitfaden, um ihre Konzepte zu verfeinern. Er wurde in enger Abstimmung zwischen dem DOSB und dem Bundeskanzleramt erarbeitet und knüpft an die bereits bekannten Kriterien des laufenden Prozesses an. Der Großteil der beschriebenen Kategorien und Kriterien stellt eine Schärfung sowie Vertiefung der im Prozess bereits abgefragten Punkte und dem DOSB vorliegenden Konzepte dar. Bereits im vergangenen Jahr überprüfte der DOSB alle Konzepte auf ihre sportfachliche Machbarkeit und die Erfüllung der Mindestanforderungen.
Für die finale Entscheidungsstufe haben DOSB und Bund eine transparente Bewertungssystematik entwickelt. Diese stellt sicher, in einem nachvollziehbaren und objektiven Verfahren das Konzept zu identifizieren, das sowohl die besten internationalen Erfolgsaussichten hat als auch breite nationale Unterstützung vorweisen kann. Die Bewertungssystematik umfasst folgende fünf Kategorien:
– Internationale Wettbewerbsfähigkeit & nationale Akzeptanz
– Sportfachliche & operative Eignung
– Vision & Legacy
– Kosten & Finanzierung
– Infrastrukturelle Sonderprojekte (nicht prüfungsrelevant)
Die insgesamt neun Kriterien aus den beiden Kategorien „Internationale Wettbewerbsfähigkeit & nationale Akzeptanz“ sowie „Sportfachliche & operative Eignung“ bilden die Basis der quantitativen Bewertung. Die Punkte der einzelnen Kriterien werden zusammengeführt, um ein Gesamtergebnis zu ermitteln. Die Kategorien „Vision & Legacy“ und „Kosten & Finanzierung“ werden von Arbeitsgruppen qualitativ geprüft. Dabei steht die Plausibilität beziehungsweise Machbarkeit der Konzepte im Vordergrund, bewertet mit „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“. Diese Einschätzungen fließen ebenfalls in das Gesamtbild der Evaluation ein und unterstützen die finale Entscheidungsfindung.
Die Aufgabe der Evaluierungskommission ist es dann, das Evaluierungsergebnis zu bestätigen sowie die Einhaltung der vereinbarten Kriterien und deren Nachvollziehbarkeit zu überprüfen. Darüber hinaus ist sie befugt, eine Wahlempfehlung für die außerordentliche Mitgliederversammlung auszusprechen. Diese Empfehlung muss nicht zwingend erfolgen und ist für die Entscheidung der Mitgliederversammlung nicht bindend. Mit der Auswahl eines finalen Konzepts und damit des deutschen Bewerbers für Olympische und Paralympische Spiele auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB am 26. September 2026 in Baden-Baden endet der nationale Entscheidungsprozess.
Den Fragenkatalog finden Sie hier zur Einsicht.
Olympiabewerbung: Fragenkatalog zur finalen Konzeptbewertung verschickt
Die vier nationalen Bewerber Berlin, Hamburg, KölnRheinRuhr und München haben bis einschließlich 4. Juni 2026 Zeit, ihre Konzepte zu finalisieren und beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einzureichen. Voraussetzung dafür ist ein positives Bürgerreferendum oder eine andere politische Beschlussfassung, um die bestmögliche Stabilität für die jeweilige Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele zu gewährleisten.
Der entsprechend des Beschlusses der DOSB-Mitgliederversammlung 2025 Anfang dieser Woche versandte Fragenkatalog des DOSB bildet die Grundlage für die Evaluation der eingereichten Konzepte und dient den vier nationalen Bewerbern als Leitfaden, um ihre Konzepte zu verfeinern. Er wurde in enger Abstimmung zwischen dem DOSB und dem Bundeskanzleramt erarbeitet und knüpft an die bereits bekannten Kriterien des laufenden Prozesses an. Der Großteil der beschriebenen Kategorien und Kriterien stellt eine Schärfung sowie Vertiefung der im Prozess bereits abgefragten Punkte und dem DOSB vorliegenden Konzepte dar. Bereits im vergangenen Jahr überprüfte der DOSB alle Konzepte auf ihre sportfachliche Machbarkeit und die Erfüllung der Mindestanforderungen.
Für die finale Entscheidungsstufe haben DOSB und Bund eine transparente Bewertungssystematik entwickelt. Diese stellt sicher, in einem nachvollziehbaren und objektiven Verfahren das Konzept zu identifizieren, das sowohl die besten internationalen Erfolgsaussichten hat als auch breite nationale Unterstützung vorweisen kann. Die Bewertungssystematik umfasst folgende fünf Kategorien:
– Internationale Wettbewerbsfähigkeit & nationale Akzeptanz
– Sportfachliche & operative Eignung
– Vision & Legacy
– Kosten & Finanzierung
– Infrastrukturelle Sonderprojekte (nicht prüfungsrelevant)
Die insgesamt neun Kriterien aus den beiden Kategorien „Internationale Wettbewerbsfähigkeit & nationale Akzeptanz“ sowie „Sportfachliche & operative Eignung“ bilden die Basis der quantitativen Bewertung. Die Punkte der einzelnen Kriterien werden zusammengeführt, um ein Gesamtergebnis zu ermitteln. Die Kategorien „Vision & Legacy“ und „Kosten & Finanzierung“ werden von Arbeitsgruppen qualitativ geprüft. Dabei steht die Plausibilität beziehungsweise Machbarkeit der Konzepte im Vordergrund, bewertet mit „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“. Diese Einschätzungen fließen ebenfalls in das Gesamtbild der Evaluation ein und unterstützen die finale Entscheidungsfindung.
Die Aufgabe der Evaluierungskommission ist es dann, das Evaluierungsergebnis zu bestätigen sowie die Einhaltung der vereinbarten Kriterien und deren Nachvollziehbarkeit zu überprüfen. Darüber hinaus ist sie befugt, eine Wahlempfehlung für die außerordentliche Mitgliederversammlung auszusprechen. Diese Empfehlung muss nicht zwingend erfolgen und ist für die Entscheidung der Mitgliederversammlung nicht bindend. Mit der Auswahl eines finalen Konzepts und damit des deutschen Bewerbers für Olympische und Paralympische Spiele auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB am 26. September 2026 in Baden-Baden endet der nationale Entscheidungsprozess.
Den Fragenkatalog finden Sie hier zur Einsicht.
„Unser System ist in vielen Bereichen nicht auf Weltklasseniveau“
Ausgelastete Terminkalender sind der Normalzustand für Menschen, die sich professionell mit Sportpolitik befassen; insbesondere, wenn wie in diesen Wochen Olympische und Paralympische Spiele anstehen, findet sich nur schwerlich Raum für anderes. Umso wichtiger ist es dann, dass zusätzliche Abendveranstaltungen zumindest Erkenntnisgewinn bringen. Auf den Parlamentarischen Abend des deutschen Sports, zu dem am Mittwoch die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Theresa Schopper, als Vorsitzende der Sportministerkonferenz und Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), als Gastgeber geladen hatten, traf das zu. Unter dem Motto „Vom Purzelbaum zum Podium. Talente entdecken und entwickeln“ waren rund 250 geladene Gäste aus Bundes- und Landespolitik sowie dem organisierten Sport gekommen, um in der Landesvertretung Baden-Württembergs an der Berliner Tiergartenstraße über Sportförderung und künftige Erfolge zu diskutieren.
Um das Thema von allen Seiten zu beleuchten, waren verschiedene Gesprächspanels und Impulsvorträge angesetzt. Eine dieser Keynotes setzte Dominic Ullrich, Coach in der Leichtathletik und Lehrer an einer Schule in Frankfurt am Main, der über die bessere Vernetzung von Schulen und Vereinen referierte und den flächendeckenden Ganztag als „riesige Chance“ bezeichnete. Ullrich brachte in seinem Kurzvortrag das 5-B-Modell zur Sprache, mit dem Jugendliche an ein Leben im Sportverein herangeführt werden sollen: Bewegen, begeistern, beteiligen, bilden und binden. Begeisternd und bildend wirkte das auf zumindest zwei prominente Zuhörerinnen. Weder Theresa Schopper noch Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, hatten von diesem Modell bislang Kenntnis und freuten sich über die Inspiration sichtlich.
Rein weibliches Podium setzt einen wohltuenden Kontrast
Die beiden Damen sorgten gemeinsam mit Aydan Özoguz, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, für das bemerkenswerteste Bild des Abends, als sie sich gemeinsam auf dem Podium den Fragen von Moderator Kai Gemeinder zur künftigen Ausrichtung der Sportförderung stellten. Wer seinen Blick durch das Publikum schweifen ließ, konnte unschwer feststellen, wie männlich die deutsche Sportwelt noch immer dominiert ist. Ein rein weibliches Podium mit drei Frauen in Spitzenämtern setzte da einen wohltuenden Kontrast, der noch dadurch verstärkt wurde, dass sich das Trio trotz unterschiedlicher Parteicouleur nicht darin zu überbieten versuchte, Trennendes zu betonen, sondern Vereinendes fand. Die Grüne Schopper, SPD-Mitglied Özoguz und CDU-Führungskraft Schenderlein waren sich einig darin, dass es einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, um dem Sport in Deutschland endlich den Stellenwert zu verschaffen, den er angesichts seiner gesamtgesellschaftlichen Bedeutung verdient.
Ein wichtiger Hebel dafür soll das neue Sportfördergesetz werden, das zwischen der früheren Ampelkoalition und dem DOSB schon nahezu ausverhandelt war und dann doch nicht kam, weil die Ampel abgeschaltet wurde. Die neue Bundesregierung hatte zunächst noch wichtigere Themen abzuarbeiten; dann war Ende Oktober 2025 ein erster Referentenentwurf bekannt geworden, der für erwartbare Diskussionen und eine deutliche Ablehnung seitens des DOSB gesorgt hatte. Bevor die Gespräche über mögliche Anpassungen in den kommenden Wochen wieder aufgenommen werden und das Gesetz in die Kabinettsbefassung kommen soll, waren am Mittwochabend deutliche Signale zu empfangen, dass sich beide Seiten aufeinander zu bewegen.
Nele Aurelie Reinwardt ist „Eliteschülerin des Sports 2025“
Über den Titel „Eliteschülerin des Sports 2025“ durfte sich die Kanutin Nele Aurelie Reinwardt (19/Dresden) freuen. Sie überzeugte im vergangenen Jahr mit starken internationalen Leistungen sowie mit herausragendem Engagement in Schule und Sport. Platz wei belegte Biathlet Lukas Tannheimer (19/Furtwangen), gefolgt von der Rhythmischen Sportgymnastin Helena Ripken (19/Berlin) auf Platz drei.
Führungs- und Entscheidungspositionen im organisierten Sport
Immer mehr Sportvereine in Deutschland haben Schwierigkeiten, ehrenamtliche Funktionsträger*innen zu gewinnen und langfristig zu binden. Laut dem Sportentwicklungsbericht 2024 sehen sich viele Sportvereine deshalb in ihrer Existenz bedroht. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist es wichtig, mehr Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppen für Führungs- und Entscheidungspositionen zu gewinnen. Ausgewogene Verhältnisse in Führungsetagen bringen wichtige Vorteile mit sich: Perspektivenvielfalt und nachweislich wirtschaftliche Stabilität. Zudem können Frauen in Führungspositionen als Vorbilder wirken und andere motivieren, sich zu engagieren und Verantwortung im Verband oder Verein zu übernehmen.
3. European Sport For All Games 2026 in Limerick, Irland - Ausschreibung
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entsendet eine Delegation zur Repräsentation und Vorführung traditioneller Sportarten.
Bestandteil des Sportprogramms dieser Veranstaltung sind Demonstrationen und Vorführungen von Breitensportvereinen und traditioneller Sportarten. Hinsichtlich des Kriteriums „traditionelle Sportarten“ bestehen keine expliziten Vorgaben oder Einschränkungen.
Die Teilnahme wird bundesweit ausgeschrieben. Der DOSB bittet um Bewerbungen von Sportvereinen bis zum 27. Februar 2026. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Sportvereine, die einer DOSB-Mitgliedsorganisation angeschlossen sind.
Das Bewerbungsformular ist online unter folgendem Link verfügbar: https://forms.office.com/e/mXGMSiT72Q
Ein aussagefähiges Video der sportlichen Darbietung muss Bestandteil der Bewerbung sein. Bitte laden Sie Ihr Video bei einem Filesharing-Service oder einer gängigen Video-Plattform hoch und hinterlegen Sie den Link im Anmeldeformular.
Der DOSB wählt aus den eingehenden Bewerbungen eine Delegation aus.
Eine nominierte Delegation umfasst bis zu sieben Personen und erhält vom Veranstalter TAFISA folgende Leistungen: Unterkunft, Nahverkehr und Verpflegung für bis zu 7 Personen für 6 Tage und 5 Übernachtungen.
Darüber hinaus erhält die nominierte Delegation vom DOSB einen Reisekostenzuschuss bis insgesamt max. 2.500 Euro.
Die übrigen Aufwendungen einschl. Auslandsreisekrankenversicherungen sind durch die Teilnehmergruppe zu finanzieren.
Weitere Informationen zu den TAFISA European Sport For All Games 2026 finden Sie unter: https://limericksports.ie/limerick-to-host-european-sport-for-all-games-2026/
Bei Rückfragen erreichen Sie uns unter: tafisa(at)dosb.de
„Magische Spiele“ - mit Mehrwert für ganz Italien
Mit einer farbenfrohen Abschlusszeremonie in der Arena von Verona gingen die Olympischen Winterspiele 2026 am vergangenen Sonntag zu Ende – und damit ein Großereignis, das weit über Medaillen und Rekorde hinauswirkt. Italien nutzte diesen Moment, um sich noch einmal von seiner schönsten Seite zu zeigen: kulturell reich, historisch verwurzelt und zugleich modern, offen und zukunftsorientiert.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry lobte die Gastgeber bei der Abschlussfeier und sprach von „wahrhaft magischen“ Spielen, mit denen Italien einen neuen Standard gesetzt habe - sportlich, organisatorisch und gesellschaftlich. Olympische Winterspiele, die nicht nur Athlet*innen und Fans rund um den Globus begeisterten, sondern Impulse für Infrastruktur, Nachhaltigkeit, regionale Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ganzen Land gaben.
Die Spiele passen sich dem Gastgeber an - nicht umgekehrt
Die Olympischen Winterspiele 2026 waren nicht nur die ersten Winterspiele in Europa seit zwanzig Jahren, sondern auch die ersten, die vollständig nach den Vorgaben der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees umgesetzt wurden. Ziel dieser Reformen war es, dass die Olympischen Spiele einen nachhaltigen und langfristigen Mehrwert schaffen. Getreu dem Motto: Die Spiele passen sich dem Gastgeber an. Nicht der Gastgeber den Spielen.
Ein zentrales Anliegen in Mailand und Cortina d’Ampezzo war die Nachhaltigkeit: Von insgesamt 13 Sportstätten wurden nur zwei neu errichtet - der Eiskanal in Cortina und die Santa Giulia Eishockey Arena in Mailand. Somit waren 85 Prozent der Wettkampfstätten bestehende oder temporäre Anlagen, darunter viele traditionsreiche Wintersportorte. Besonders Livigno, Austragungsort der Ski Freestyle und Snowboard Wettbewerbe ist ein gelungenes Beispiel: Durch Investitionen von mehr als 160 Millionen Euro in Sportanlagen und Infrastruktur wurde nicht nur der Wintersport gestärkt, sondern auch die Voraussetzungen für den Tourismus verbessert.
Zwei Olympische Dörfer - mit unterschiedlicher Nachnutzung
An den beiden Hauptstandorten wurden olympische Dörfer errichtet, wobei jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgt wurden. In Mailand entstand auf einem ehemaligen Bahngelände dringend benötigter Wohnraum: Neue Wohnblöcke mit viel Grün, Solardächern und nachhaltiger Bauweise bieten nach den Spielen Platz für 1.700 Studierende, einschließlich Cafés, Geschäften und Gemeinschaftsräumen.
In Cortina wurde hingegen ein mobiles Olympisches Dorf geschaffen. Das Pop-Up-Dorf in den Dolomiten ist vollständig rückbaubar. Die mobilen Wohneinheiten werden künftig an Campingplätzen in ganz Italien weitergenutzt.
Das Thema Nachnutzung wurde auch als Verbindung zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris aufgegriffen: 24.000 Gegenstände, darunter Möbel, Technik und medizinisches Equipment, wurden aus Paris weiterverwendet.
70 % der Abfälle wurden recycelt, und die Wettkampfstätten nutzten ausschließlich Ökostrom. Auch im Bereich der Schneeerzeugung beschritt Italien neue Wege: Es wurden keine chemischen Zusätze verwendet, der Stromverbrauch konnte um 30 % gesenkt werden und es kam vollständig erneuerbare Energie zum Einsatz.
Sport als Teil der Verfassung
Ein bemerkenswertes Vermächtnis der Spiele ist die grundlegende Verankerung des Sports in der italienischen Verfassung: „Die Republik erkennt den Bildungs- und Sozialwert sowie die Förderung des psychophysischen Wohlbefindens durch sportliche Aktivitäten in all ihren Formen an.“ Diese Ergänzung fand 2023 Eingang in die italienische Verfassung und soll den Wert des Sportes in der Gesellschaft unterstreichen.
Diesem Anspruch wurden die italienischen Organisatoren auch im Vorfeld der Spiele gerecht: Rund fünf Millionen Menschen haben an kommunalen Sportangeboten teilgenommen, und 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche profitieren vom Gen26-Bildungsprogramm, das olympische und paralympische Aktivitäten für Schüler*innen ermöglicht.
Über 330 Legacy-Projekte wurden in ganz Italien initiiert, mit zwei Hauptzielen: mehr Bewegung für alle sowie nachhaltige lokale wirtschaftliche Entwicklung. Zudem besteht eine Zusammenarbeit mit 20 Universitäten, die neue Sportprojekte fördern.
Die Wirtschaft profitiert langfristig
Wirtschaftlich wirkten die Spiele als Motor für das gesamte Land. Studien der Bocconi und Ca’ Foscari Universitäten schätzen, dass sich der Netto-Effekt auf bis zu fünf Milliarden Euro zwischen 2019 und 2031 beläuft. Mehr als 500 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen und rund 36.000 neue Arbeitsplätze wurden generiert.
Bewerbung um die Sommerspiele?
Auch sportlich bleiben die Spiele den Italiener*innen in bester Erinnerung: Das „Team Italia“ gewann 30 Medaillen - so viele wie nie zuvor bei Winterspielen - darunter zehnmal Gold. Die Begeisterung erfasste das ganze Land: 1,3 Millionen Eintrittskarten wurden verkauft - ein neuer Rekord bei Winterspielen.
Die Spiele von Milano Cortina haben einen bleibenden Mehrwert für die Menschen in ganz Italien geschaffen von nachhaltiger Infrastruktur, wirtschaftlichem Aufschwung bis hin zu einer stärkeren Identifikation mit dem Sport.
Italien blickt mit Stolz auf diese Spiele zurück und möchte diese Erfolgsgeschichte fortsetzen, womöglich mit einer neuerlichen Bewerbung um die Spiele. Rom könnte als möglicher Gastgeber für die Sommerspiele ins Rennen gehen.
Sport mit Haltung - Wo sich der DOSB engagiert
Sport und Werte sind untrennbar miteinander verbunden. Respekt, Fairness, Verantwortung, Gemeinschaft und Toleranz bilden das Fundament des Sports und werden tagtäglich in Sportvereinen gelebt. Als Dachverband des deutschen Sports geht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) voran und engagiert sich für die Etablierung dieser Werte im Sport und darüber hinaus.
Vielfalt und Integration
Sport ist ein wichtiger Motor für Integration. Seit seiner Gründung setzt der DOSB sich für Integration durch Sport ein. Das gleichnamige Bundesprogramm besteht schon seit 1989. Das Ziel ist es gemeinsam mit den 900 Stützpunktvereinen und den 16 Programmleitungen in den Landessportbünden Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete anzubieten und darüber hinaus eine vielfältige und offene Sportkultur zu schaffen. Unterstützt wird das Programm von dem Deutschen Bundestag, dem Bundesministerium des Inneren und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Weitere Projekte ergänzen das Programm, darunter: Fit für die Vielfalt, der IdS-Sonderfonds und das Projekt (Anti-) Rassismus im organisierten Sport gemeinsam mit der deutschen Sportjugend (dsj).
Safe Sport
Die dsj und der DOSB setzen sich außerdem gemeinsam für einen sicheren Sport ein und zeigen eine klare Haltung gegen (sexualisierte) Gewalt und Machtmissbrauch im Sportumfeld. Unter dem Namen Safe Sport arbeiten sie daran Schutzmaßnahmen wie den Safe Sport Code im organisierten Sport zu etablieren. Das Ziel, Menschen im Sport wirksam vor interpersonaler Gewalt zu schützen, wird auch von den Mitgliedsorganisationen des DOSB tatkräftig verfolgt.
Gleichstellung und Diversität
Mit Toleranz, Offenheit und Akzeptanz als Grundhaltung im Sport fördert der DOSB Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit im Sport sowie die gleichberechtigte Teilhabe im Sport unabhängig von sexueller Identität, Alter, Religion und Weltanschauung und sozialer Herkunft. Tools, wie der Sport Diversity-Check, ermöglichen Sportvereinen und Sportverbänden eine Selbstreflexion und bieten praxisnahe Tipps und Beispiele, wie Vielfalt aktiv gefördert werden kann.
Inklusion und Teilhabe
Der DOSB setzt sich darüber hinaus für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen ein. Inklusion gilt dabei als der Anspruch die selbstbestimmte, gleichberechtigte und gleichwertige Teilnahme und Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen im und durch Sport zu ermöglichen. Durch Netzwerkarbeit, gezielte Umsetzungen, Aufklärung über Fördermöglichkeiten und Projekten, wie Event-Inklusionsmanager*innen im Sport wird Inklusion gezielt gefördert und in den Sportvereinen und Sportverbänden fest verankert.
Nachhaltige Verantwortung
Der Sport trägt durch seinen gesellschaftlichen Stellenwert eine große Verantwortung für nachhaltige Entwicklung. Deshalb setzt sich der DOSB mit zahlreichen Projekten, Aufklärungen und Förderungen in den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ein. Neben nachhaltige Sportveranstaltungen, Klimaschutz im Sport und nachhaltige Sportstätten zählen dazu auch das Engagement in den genannten sozialen Bereichen oder im Bereich Governacne. Im siebten Teil der Serie haben wir die Entwicklung der Nachhaltigkeit im deutschen Sport und im DOSB genauer beleuchtet.
Demokratie und Menschenrechte
Demokratie und Menschenrechte sind für den Sport essenziell und in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus gerückt. Durch Leitprinzipien wie der DOSB-Menschenrechts Policy und Kampagnen wie Hör auf deinen Sport verankert der DOSB menschenrechtliche Sorgfaltspflichten und die Demokratieförderung fest in seinen Strukturen. Unterstützt wird das wertegeleitete Handeln durch den DOSB-Menschenrechtsbeirat, der Null-Toleranz-Politik im Kampf gegen Doping und der Etablierung von Good Governance im Verband.








