Neues aus Sportdeutschland

„Die World Games müssen sich ihre Exklusivität erhalten“

DOSB: Michael, seit 2005 hast du in verschiedenen Funktionen alle World Games live vor Ort erlebt. Worin liegt aus deiner Sicht die besondere Faszination dieser Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten?

Michael John: Als großer Sportfan üben Olympische Spiele, die ich zweimal miterlebt habe, eine große Faszination auf mich aus, und ich finde es wichtig, dass sich Deutschland mit einer überzeugenden Konzeption für die nächstmögliche Austragung bewirbt. Die World Games haben jedoch durch die Sportarten, die nicht zum olympischen Wettkampfprogramm gehören, ein eigenes Profil. Das Erleben und der Einsatz sind viel authentischer und unmittelbarer wahrnehmbar und vollziehen sich ohne die sonst so mächtigen kommerziellen Zwänge. Die Liebe und Leidenschaft zu ihrem Sport ist bei den teilnehmenden Athletinnen und Athleten direkt zu spüren und kommt durch hohes persönliches Engagement zum Ausdruck. Nicht Vermarktungschancen sind die Antriebskräfte, sondern nach erfolgreicher Qualifikation mit der Nationalmannschaft zur Weltspitze zu gehören, teilnehmen zu dürfen und die internationale Sportgemeinschaft zu erleben, das ist Motivation, Ehre und Auszeichnung.

2005 hast du in Duisburg deine ersten World Games erlebt. Was war das damals für eine Veranstaltung?

Die Verantwortung und Zuständigkeit für die Veranstaltung lag nicht bei den nationalen Dachorganisationen wie Deutscher Sportbund (DSB) oder Nationales Olympisches Komitee (NOK), sondern bei der ausrichtenden Stadt Duisburg im Verbund mit Oberhausen, Mülheim an der Ruhr und Bottrop. Die Stadt Duisburg und das Organisationskomitee baten den DSB auch zur Absicherung der Finanzierung um Unterstützung. DSB-Präsident von Richthofen machte mich als Referent für Internationales und nicht-olympische Verbände zum Ansprechpartner für World-Games-Angelegenheiten, wodurch ich dann Vertreter des DSB im Coordination Committee wurde und in intensiven Kontakt zur World Games-Organisation kam. Die World Games in Duisburg haben einen neuen Standard gesetzt. Man kann durchaus behaupten, dass diese Veranstaltung einen Meilenstein in der Professionalisierung der World Games darstellt. Die Organisation war so gut, dass dadurch im Nachgang der Abteilungsleiter im Duisburger Sportamt, Joachim Gossow, zum Sportdirektor und später zum ersten hauptamtlichen Generalsekretär des Weltverbandes International World Games Association (IWGA) aufsteigen konnte.

Worin bestand denn dieser Meilenstein der Professionalisierung?

Die IWGA ist eine Vereinigung der an den World Games beteiligten internationalen Spitzenverbänden, weshalb vor 2005 zum Beispiel der Einmarsch der Sportlerinnen und Sportler bei der Eröffnung nicht nach Nationen, sondern nach Sportarten erfolgte. Für Duisburg wurde das geändert und die Teams liefen hinter Nationalflagge und Nationenschild ein. Die deutsche Mannschaft zeigte dabei ein einheitliches Erscheinungsbild, da erstmals eine Ausrüstung von adidas gestellt wurde. Ebenso wurde ein deutsches Mannschaftsbüro eingerichtet, da es - anders als bei Olympischen Spielen - kein gemeinsames Athletendorf gab. Die Finanzierungsbeteiligung der öffentlichen Hand für die Ausrichtung 2005 in Duisburg betrug 15 Millionen Euro. Entsendekosten waren nicht vorgesehen. Der Förderung des Bundes für alle nicht-olympischen Verbände lag damals bei rund 1,8 Millionen Euro, aus denen auch die Teilnahmekosten für die World Games bestritten werden mussten.

Wie haben sich die World Games seitdem verändert?

Die World Games sind stetig professioneller geworden, und mit ihnen die Betreuung der deutschen Mannschaft, vor allem wegen verbesserter Förderung. 2009 in Taiwan konnten wir zum ersten Mal eine Art Deutsches Haus anbieten, das als Begegnungsstätte für die verstreut untergebrachten Mannschaftsteile in einer taiwanesischen Schule eingerichtet war. Die Schüler beschäftigten sich im Unterricht mit dem Thema Deutschland und veranstalteten einen Malwettbewerb mit dessen Ergebnissen die Korridore und Klassenräume dekoriert waren. Vier Jahre später in Cali waren wir in einer deutschen Schule, dem Colegio Alemán, zu Gast, wobei in Kolumbien höhere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen waren. 2017 in Breslau gab es zum ersten Mal eine umfangreiche Berichterstattung im frei empfangbaren Fernsehen. Sport 1 hat mehr als 75 Stunden live übertragen, was wegen der gleichen Zeitzone durchaus erfolgreich war und guten Zuspruch fand. Bei den wegen Corona um ein Jahr verschobenen Spielen 2022 in den USA war mit DOSB-Vizepräsident Oliver Stegemann erstmals ein Präsidiumsmitglied und Vertreter der nicht-olympischen Verbände während der gesamten Wettkampfzeit dabei und bildete mir als World-Games-Beauftragtem die offizielle deutsche Delegationsleitung.

Was erwartest du im August von den Spielen in Chengdu?

Ich erwarte sehr gut organisierte Spiele. Chengdu war vor zwei Jahren Ausrichter der World University Games, und was ich selbst beim Preparatory Meeting im vergangenen Oktober von den Sportstätten, der Infrastruktur und Organisation gesehen habe, stimmt mich sehr positiv. Die Agglomeration Chengdu mit 20 Millionen Einwohnern und als Wirtschaftszentrum Westchinas will sich gegenüber den anderen großen chinesischen Metropolen profilieren und betreibt einen enormen Aufwand. Ich vermute allerdings, dass es sehr schwer werden wird, wie vor drei Jahren erneut den Medaillenspiegel zu dominieren. Die Konkurrenz, gerade von den Chinesen und den Russen, die als „neutrale Athleten“ wieder dabei sind, wird groß sein.

Warum ist Deutschland bei den World Games aktuell so viel erfolgreicher als bei Olympischen Sommerspielen?

Ein Grund ist, dass bei World Games weniger Nationen als bei Olympischen Spielen am Start sind. In Chengdu werden etwas mehr als 100 Nationen teilnehmen. Dies sagt aber nichts über das Leistungsniveau aus, denn die Qualifikationshürden sind für die World Games erheblich höher, da dort nur 5.000 Athleten gegenüber 11.000 bei Olympischen Spielen zugelassen werden. Den nicht-olympischen Sportarten gelingt es offensichtlich besser, das vorhandene Potenzial in die internationale Spitze zu entwickeln. Ein anderer Grund ist, dass auch einige Sportarten eine geringe internationale Verbreitung und damit weniger Konkurrenz haben.

Wo Svenja Schröder die Welt um sich herum vergisst

Ihre Hände werden schwitzen, der Puls wird anschwellen, sie wird Gänsehaut bekommen - aber es ist nicht Angst, die Svenja Schröders Körper in einen Extremzustand versetzen wird an diesem Dienstag, sondern Vorfreude. 100 Tage sind es noch, bis am 7. August in Chengdu, der Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Sichuan, die World Games eröffnet werden. Die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten sind alle vier Jahre der Höhepunkt für all jene Athlet*innen, die aus dem Schatten der Nische normalerweise nicht herauskommen. „Ein Teil der World Games zu sein, das ist für uns alle ein Riesenerlebnis. Man vergisst die Welt um sich herum und ist für elf Tage Teil einer einzigartigen Bubble. Da will jeder dabei sein und alles herausholen“, sagt die 25-Jährige, und sie schaut dabei so beseelt, dass man sie am liebsten sofort auf die Reise nach Asien schicken würde.

Das jedoch wäre fatal, denn bevor die Kapitänin der deutschen Faustballerinnen in Chengdu versuchen wird, den Titelgewinn zu wiederholen, der 2022 bei der bislang letzten World-Games-Ausgabe in Birmingham (USA), an der erstmals auch weibliche Teams im Faustball teilnehmen durften, gelang, möchte sie noch zwei wichtige Meilensteine setzen. Im Juni steht für die Medizinstudentin, die in Regensburg lebt und die Uni besucht, das Examen an. Anfang August, und damit nur wenige Tage vor dem Abflug nach China, will Svenja Schröder dann die am vergangenen Wochenende gestartete Bundesligasaison beim Final-4-Turnier um die deutsche Meisterschaft, das im Rahmen des Multisportevents „Finals 2025“ in Dresden ausgetragen wird, mit dem Titel krönen. Deutsche Meisterin war die Angreiferin, die seit fünf Jahren für den TV Segnitz aus Unterfranken antritt, noch nie, weder im Feld noch in der Halle. „Die kommenden Monate werden extrem hart, aber ich freue mich riesig darauf“, sagt sie.

Es ist dieser so typische Idealismus, den man im Amateursport immer wieder entdecken kann - und der dennoch stets aufs Neue beeindruckt. Für Svenja Schröder, die dreimal pro Woche mit dem Team übt und zusätzlich jeden Tag entweder Ausdauer-, Kraft- oder Lauftraining absolviert, ist die Arbeitsmoral, die sie antreibt, Normalzustand. „Ich betreibe extremen Aufwand für meinen Sport, aber ich habe das nie infrage gestellt, weil mir Faustball wahnsinnig viel zurückgibt“, sagt sie. Verdienen kann selbst die Kapitänin einer der besten Mannschaften der Welt, die ihr Amt seit zwei Jahren bekleidet und es als „riesige Ehre und ebenso großen Ansporn“ betrachtet, mit ihrem Sport nichts. Sie ist schon dankbar dafür, dass die Kosten für Anreise und Unterkunft übernommen werden. „Das ist in anderen Nationen längst nicht Standard. Brasiliens Team zum Beispiel, gegen das wir im vergangenen Jahr in Argentinien das WM-Finale verloren haben, muss alle Kosten selbst tragen, was dazu führt, dass einige der Topspielerinnen nicht mit nach China reisen werden“, sagt sie.

„Ich war noch nie so motiviert wie jetzt“

DOSB: Lukas, gut zwei Wochen ist es her, dass du in Stockholm über die 400 Meter Freistil als erster Mensch die 3:40-Minuten-Marke unterboten und den Weltrekord von Paul Biedermann um elf Hundertstelsekunden auf 3:39,96 verbessert hast. Konntest du bereits realisieren, was dir da gelungen ist?

Lukas Märtens: Nicht wirklich. Ich glaube, das wird noch ein bisschen dauern, so wie damals auch nach meinem Olympiasieg. Im Moment ist es für mich noch nicht wirklich zu begreifen.

Du hast nach dem Rennen gesagt, dass es sich nicht besonders schnell anfühlte und du total überrascht warst, als du die Zeit gesehen hast. Hatte sich eine solche Leistung gar nicht angedeutet?

Nein, es war wirklich total überraschend. Ich habe mich an dem Tag zwar richtig gut gefühlt, aber zwischen sich gut fühlen und einem Weltrekord liegen normalerweise Welten. Zumal ich direkt aus dem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada nach Schweden gekommen bin und es in der Regel zwei, drei Wochen dauert, bis sich ein solches Training in der Leistung bemerkbar macht. Man weiß nie genau, wie man nach einer derartigen Belastung körperlich drauf ist, aber bei mir hat sich diesmal der Effekt anscheinend deutlich früher eingestellt.

Dein Trainer Bernd Berkhahn hat deine Leistung auch damit in Verbindung gebracht, dass du die vergangenen Wochen ohne körperliche Probleme voll durchtrainieren konntest. Ist das der erhoffte Effekt der operativen Eingriffe, die du wegen deiner chronischen Nasennebenhöhlen-Entzündung hinter dich bringen musstest?

Ja, das spielt definitiv eine Rolle. Ich bin weniger infektanfällig, das war früher oft mein größtes Problem. Die Operation war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, auch wenn die Heilung noch einige Zeit brauchen wird.

Event-Inklusionsmanager*in im Sport: Florian Gerdes

Florian Gerdes hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Event-Inklusionsmanager (EVI) im Bremer Fußball-Verband (BFV) ist er unter anderem für die Planung und Organisation der Bunten Liga zuständig: eine inklusive Fußballturnierserie für Menschen mit und ohne Behinderungen, die 2022 ins Leben gerufen wurde.

Menschen mit Behinderung werden auch über den Fußball hinaus aktiv in die Organisation der Veranstaltungen eingebunden. Durch seine Rolle als EVI konnten die Abläufe effizienter und strukturierter gestaltet werden.

Der deutsche Sport trauert um Hans Wilhelm Gäb

Bei aller Trauer, die die deutsche Sportfamilie über das Osterwochenende verband, versuchte Thomas Weikert auch das Tröstliche zu sehen. „Für mich war Hans, seit ich für den Deutschen Tischtennis-Bund tätig war, aber auch für die Zeit danach der Ratgeber schlechthin. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Mir bleiben viele Stunden mit ihm beim Tischtennis in aller Welt, aber auch bei unseren privaten Treffen abseits des Sports in guter Erinnerung“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), nachdem er am Karfreitag die traurige Nachricht vom Tode Hans Wilhelm Gäbs erhalten hatte. Im Alter von 89 Jahren war der Multifunktionär am 13. April im Kreise seiner Familie in Frankfurt am Main verstorben.

„Für Zverev war es ein Triumph im genau richtigen Moment“

DOSB: Patrik, die Premiere als 500er-Turnier auf der ATP-Tour liegt hinter dir. Hat sich die harte Arbeit der vergangenen Monate gelohnt?

Patrik Kühnen: Ich bin wirklich überglücklich. Es waren sehr intensive und zugleich wunderschöne Tage. Wir hatten Glück mit dem Wetter, waren an allen neun Turniertagen ausverkauft und haben Weltklasse-Tennis gesehen. Emotional war es ein Riesenerlebnis, ganz besonders freue ich mich für die Fans, die so viel großartigen Sport geboten bekommen haben, und die Spieler, die die Atmosphäre auf dem neuen Center-Court genießen konnten. Wenn ich mir eine Premiere hätte wünschen dürfen, dann wäre sie ganz genau so gewesen, wie wir sie nun erlebt haben.

Für diejenigen, die im Tennis nicht ganz so firm sind: Was verändert sich bei einem Herrenturnier, wenn es vom 250er-Level, auf dem München bislang spielte, zu einem 500er-Event aufsteigt?

Zur Erklärung: Hinter den vier Grand-Slam-Turnieren und den neun Events der Masters-1000-Serie ist das 500er-Level die dritthöchste Kategorie. Der Sieger bekommt 500 Punkte für die Weltrangliste. Der größte Unterschied ist das Preisgeld, das man stemmen muss. 2024 lagen wir noch bei 650.000 Euro, in diesem Jahr waren es 2,5 Millionen. Dazu kommt, dass andere Standards in der Infrastruktur erfüllt werden müssen, wir brauchten also eine deutlich größere Players Lounge, einen viel größeren Fitness- und Pressebereich, mehr Raum für Hospitality und einen Center-Court mit einem Fassungsvermögen von mehr als 6.000 Sitzplätzen.

Und was sind die Vorteile von einem solchen Aufstieg?

Auch wenn wir in den vergangenen Jahren mit unserem Teilnehmerfeld sehr zufrieden waren, garantiert ein 500er-Turnier langfristig deutlich bessere Spielerfelder. Außerdem ist die weltweite Aufmerksamkeit viel höher, was wir schon in diesem Jahr angesichts von Medienpartnerschaften mit vielen Sendern und Streaming-Anbietern gemerkt haben.

Warum seid ihr in diesem Jahr diesen Schritt gegangen?

Der Impuls zu diesem Schritt kam aus dem Club MTTC Iphitos. Unser Turnier ist in enger Zusammenarbeit mit unserer Agentur, der MMP Event GmbH, über die vergangenen Jahre stetig gewachsen. 2024 waren wir erstmals an allen neun Tagen ausverkauft. Aber schon seit einiger Zeit hatten wir das Gefühl, dass wir auf dem 250er-Level an der Spitze angekommen waren. Als die ATP vor einigen Jahren ihren Strategieplan für die Jahre ab 2025 veröffentlicht hat, der eine Ausweitung der 500er-Serie vorsah, war das der Impuls, sich um eine der drei neuen 500er-Lizenzen zu bewerben. Wir haben das mit allen Partnern diskutiert und einstimmig beschlossen, dass wir alle Ressourcen zusammenziehen und den nächsten Schritt gehen wollten. Ende 2023 bekamen wir den Zuschlag und haben uns riesig gefreut, denn wir wussten, dass die Aufwertung bei allen Herausforderungen, die sie mit sich bringt, ein großer und wichtiger Schritt für die Zukunft unseres Turniers sein würde.

Was war auf diesem Weg die höchste Hürde?

Sicherlich die Umgestaltung der Anlage. Es ist sehr beeindruckend, was hier in so kurzer Zeit geschaffen wurde. Wir hatten in diesem Jahr erstmals einen Center-Court mit mehr als 6.000 Sitzplätzen und waren an allen Tagen ausverkauft. Der alte Center-Court mit seinen nach der Renovierung rund 3.500 Plätzen ist nun der größte zweite Matchcourt der gesamten 500er-Serie. Und der Umbau ist noch längst nicht am Ende angelangt. Innerhalb der kommenden zwei Jahre entsteht ein komplett neues Stadion mit Dach und mehr als 7000 Plätzen. Diese Anlage wird ein Schmuckstück werden, nicht nur für München, sondern für den gesamten Tennis-Standort Deutschland. 

Welche Rolle hat es gespielt, dass München sich um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele bewerben möchte? Mit dieser Anlage würde die Stadt den Ansprüchen dieser beiden Großevents genügen, Vergleichbares gibt es für Tennis nur in Hamburg am Rothenbaum und in Halle (Westfalen).

Der Weitblick auf das Ziel, die Spiele in München zu veranstalten, hat den Club sicherlich nochmals mehr motiviert, diesen Schritt zu gehen. Das hat alle zusätzlich beflügelt. Und man muss in diesem Zusammenhang hervorheben, dass uns die Stadt München und das Land Bayern hervorragend unterstützt und den Prozess begleitet haben. Ministerpräsident Markus Söder hat am Ostersonntag in seiner Rede nach dem Finale noch einmal bekräftigt, wie sehr das Land hinter dem Turnier steht. Ich möchte aber auch meinem gesamten Team danken, das in dieser Konstellation seit mehr als zehn Jahren zusammenarbeitet und einen unglaublichen Job gemacht hat. Dazu kommen Partner wie BMW, die uns seit 38 Jahren unterstützen und unsere Vision teilen. Gemeinsam werden wir schauen, wo wir 2026 noch besser werden können. Das treibt uns an.

Neben München wollen sich drei weitere Regionen - Berlin, Hamburg und Rhein-Ruhr - um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele bewerben. Letztlich geht es um eine Bewerbung für das gesamte Land. Warum wäre es aus deiner Sicht wichtig, die Spiele nach 1972 endlich wieder nach Deutschland zu holen?

Der Stellenwert Olympischer und Paralympischer Spiele ist extrem groß. Gerade in Zeiten, in denen wir über einen deutlichen Zuwachs an Problemen mit Übergewicht und Diabetes und einen wachsenden Bewegungsmangel sprechen, wäre die Signalwirkung von Spielen im eigenen Land hoch, deshalb bin ich ein großer Unterstützer einer deutschen Bewerbung. Ich persönlich hatte zwar leider nie als Aktiver das Vergnügen, war aber als Teamchef 2004 in Athen, 2008 in Peking und 2012 in London dabei. Die Energie, die ich dort gespürt habe, ist unvergleichlich. Sport verbindet wie nichts anderes, durch Sport vermitteln wir wichtige Werte wie Disziplin, Fairplay, Wertschätzung, wir lernen den Umgang mit Sieg und Niederlage, und wir erleben eine Gemeinschaft, die Menschen über alle nationalen Grenzen hinweg verbindet. So ein Erlebnis könnte in diesen Zeiten, in denen wir politisch und wirtschaftlich mit vielen Sorgen konfrontiert werden, unserer gesamten Gesellschaft helfen. Außerdem setzen Heimspiele noch einmal ganz besondere Kräfte frei.

Das hat in München in der vergangenen Woche auch Alexander Zverev wieder erlebt. Nach Monaten der Krise hat er seinen ersten ATP-Titel seit Oktober vergangenen Jahres gewonnen. Wie hast du ihn in den Turniertagen wahrgenommen, und welchen Wert kann dieser Titel für ihn haben?

Ich wurde in den Wochen vor dem Turnier oft gefragt, was mit Sascha los ist und was von ihm noch zu erwarten sei. Bei den Australian Open im Januar hat er großartig gespielt und im Finale gegen Jannik Sinner dann trotzdem fast chancenlos seinen ersten Grand-Slam-Titel erneut verpasst. So etwas nagt am Selbstvertrauen, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es in solchen Phasen schwierig ist, den Fokus zu behalten. Aber Sascha hat sich schon durch einige schwierige Karrieretäler gekämpft und ist stärker daraus hervorgegangen. Die ersten Matches in der vergangenen Woche waren durchwachsen, im Viertelfinale gegen Tallon Griekspoor am Karfreitag war er fast schon ausgeschieden, dann haben ihn die Fans aber getragen und er hat sich durchgekämpft. Im Finale am Ostersonntag gegen Ben Shelton hat er sein bestes Match der Woche gespielt, war vom ersten bis zum letzten Ballwechsel der bessere Mann. Man hat gesehen, was ihm das bedeutet hat. So ein Match kann der Wendepunkt sein. Es war ein Triumph im genau richtigen Moment.

Ein starker Zverev ist dringend notwendig, um die Krise des deutschen Tennis zu übertünchen. Neben ihm stehen lediglich noch Daniel Altmaier und Jan-Lennard Struff in den Top 100 der Weltrangliste, bei den Damen sind es ebenfalls nur drei Deutsche unter den besten 100. Woran liegt das, und was macht dir Hoffnung auf Besserung?

In Deutschland fehlt derzeit eine breite zweite Reihe, aus der punktuell Spielerinnen und Spieler ganz nach vorn stoßen können. Diese Wellenbewegungen gab es allerdings immer, auch in anderen Nationen. Talente haben wir, zum Beispiel möchte ich auf Diego Dedura-Palomero verweisen, der bei uns als erster Spieler des Jahrgangs 2008 ein Match auf ATP-Level gewonnen hat. Oder auf Ella Seidel, die jüngst in Stuttgart im Achtelfinale stand. Fakt ist: Die Konkurrenz ist international stark gewachsen, und es braucht in erster Linie Durchhaltevermögen und ein Umfeld, das unterstützt und diese Ziele teilt. Unsere Talente müssen sich fragen, was ihr Ziel ist und was sie für dessen Erreichen zu tun bereit sind, auch wenn es keine Garantie für Erfolg gibt. Wer dann dranbleibt, ist bereit für den harten Weg. Und für ganz oben braucht es immer auch etwas Besonderes, so wie bei Sascha Zverev der Fleiß und die Bereitschaft, im Training immer wieder an die Grenzen zu gehen.

National ist Tennis in der Krise, international ist es extrem spannend. Wie erlebst du die Zeit der Nach-Federer-Nadal-Ära?

Ich erlebe sie als eine Ära der Neuordnung, die ich wirklich sehr interessant finde. Es kommen viele junge Spieler nach oben, die sich in ihrem Auftreten und ihrem Stil teils deutlich unterscheiden. Sascha Zverev gehört mit seinen 28 Jahren mittlerweile ja längst zu den Arrivierten, er wird weitere Chancen auf einen Grand-Slam-Titel bekommen, vielleicht schon in einigen Wochen in Paris. Aber die Jungen wie Sinner, Carlos Alcaraz, Jack Draper, Holger Rune oder Jakub Mensik werden es ihm schwer machen. Durch meine Tätigkeit als Kommentator bin ich auch ein großer Fan des Damentennis geworden, in dem es ähnlich spannend zugeht. Es gibt sowohl bei den Herren als auch bei den Damen viele Namen, die für große Turniersiege gehandelt werden, und das ist toll für die Fans und auch die Spielerinnen und Spieler.

Wie groß ist deiner Ansicht nach die Gefahr, dass nach dem Streit der Spielergewerkschaft PTPA mit der ATP und der WTA eine Konkurrenzserie entstehen könnte, die ähnlich wie im Golf vor einigen Jahren die Turnierwelt durcheinanderbringen würde?

Ich bin da zu wenig im Thema, um fundiert Stellung nehmen zu können. Ich kenne die Ziele der PTPA nicht, nehme aber aus dem, was ich lese und höre, wahr, dass längst nicht alle Spieler hinter deren Forderungen stehen. Aus meiner Perspektive tun ATP und WTA alles, um die Profis und die Turniere näher zusammenzubringen. Ich finde die Entwicklung, die die Serien genommen haben, sinnvoll und stimmig.

Objektiv gesehen ist die Entwicklung des Tennis weltweit positiv, und das, obwohl in Padel eine starke Konkurrenz erwächst und immer wieder darüber diskutiert wird, dass Tennis seine Spielformate anpassen müsse, um auch für Jüngere attraktiv zu bleiben. Wie siehst du das?

Ich sehe ebenfalls, dass Tennis weltweit gut funktioniert und wachsende Mitgliederzahlen aufweisen kann. Natürlich ist es wichtig, mit der Zeit zu gehen und neue Formate zu testen. Aber grundsätzlich werde ich niemals müde, die Vorzüge unseres Sports zu betonen. Tennis hat einen hohen sozialen Stellenwert. Die Vereinsstruktur und die Mannschaftsspiele in Deutschland sind beispielhaft, es ist ein Sport, der Generationen von ganz jung bis ganz alt zusammenbringt. Ich freue mich sehr, dass das auch weiterhin so gut angenommen wird. Tennis ist ein globaler Sport, der Brücken bauen kann, deshalb bin und bleibe ich großer Tennisfan.

Farbe bekennen! Wie der deutsche Sport den Trikottag nutzt

Einfach hat sie sich die Entscheidung nicht gemacht, das ist ihr wichtig zu betonen. Der Grund dafür, warum Mona Stevens am 20. Mai das Trikot ihres neuen Clubs Düsseldorf Firecats tragen wird, ist: Dankbarkeit. Nicht, dass sie ihren früheren Vereinen nichts zu verdanken hätte, im Gegenteil. „Aber ich bin wahnsinnig glücklich darüber, wie ich in den vergangenen Monaten nach meinem Wechsel in Düsseldorf aufgenommen wurde. Für mich ist das ein Paradebeispiel dafür, welchen Wert ein funktionierendes Vereinsleben für die Integration haben kann“, sagt die 32-Jährige.

Mona Stevens, das darf man ohne Übertreibung festhalten, ist das weibliche Gesicht des American Football in Deutschland. Doch um das zu werden, musste sie viele Hürden überwinden. Als Physiotherapeutin hatte die aus Wallenhorst im Landkreis Osnabrück stammende Athletin, die bei ihrem ersten Verein Blau-Weiß Hollage mit Turnen begann und es über die Sportfreunde Lechtingen in den Speedskating-Landeskader Niedersachsens schaffte, den Weg in den US-Nationalsport gefunden. „Ich stand bei den Ersten Herren der Saarland Hurricanes an der Seitenlinie und habe irgendwann gedacht: Das möchte ich auch spielen!“ Also gründete sie gegen viele Widerstände 2013 die LadyCanes. 100 Frauen kamen zum ersten Training. „Da wusste ich: Es war richtig, dafür zu kämpfen!“

Die Hurricanes sind für Mona Stevens, die weiterhin in Saarbrücken lebt, Heimat. „Ich habe mich in allen meinen Vereinen wohl gefühlt, aber die Hurricanes haben mich am meisten geprägt. Ich habe hier Freundschaften fürs Leben geschlossen. Bewegung ist das Gros meines Lebens, und die Motivation, die man in der Gemeinschaft eines Sportvereins findet, kann nicht hoch genug wertgeschätzt werden. Deshalb unterstütze ich auch den Trikottag so gern, um für den Vereinssport zu werben“, sagt sie.

Trikottag: Athlet*innen fordern mehr Wertschätzung für Vereinssport

Der Trikottag wird seit 2023 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen 102 Mitgliedsorganisationen durchgeführt. Er soll dazu beitragen, mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die Sportvereine zu erzeugen.

Nun haben mehrere Athlet*innen aus dem Leistungssport ihre Unterstützung geäußert und mehr Wertschätzung für den Vereinssport gefordert.

Der fünffache Tischtennis-Olympiateilnehmer und sechsfache Medaillengewinner, Dimitrij Ovtcharov sagt: „Sport ist für mich das Schönste, was es gibt im Leben und deshalb möchte ich allen Vereinen in Deutschland danken. Ich bin meinem ersten Verein, dem TSV Schwalbe Tündern, mit fünf Jahren beigetreten. In einem Dorf mit 2.000 Einwohner, in dem gefühlt alle Vereinsmitglied waren und alle gemeinsam den Sport unterstützt haben. Ohne den Vereinssport würde es diese Gemeinschaft nicht geben.“

Event-Inklusionsmanager*in im Sport: Sebastian Junk

Sportlich sei er „schon ein bisschen herumgekommen“, sagt Sebastian Junk. Ein Blick auf die Vita des Judoka enttarnt seine Erzählung als bescheidene Untertreibung. Der 41-Jährige ist fünffacher Paralympics-Starter. Den größten Erfolg feierte er 2004 bei den Spielen in Athen mit der Bronzemedaille.

Auch heute noch, bald ein Jahrzehnt nach seiner aktiven Karriere, hat ihn der Judosport nicht losgelassen. Ehrenamtlich engagiert er sich seit 2021 auch im Deutschen Judo-Bund (DJB). Als Referent für Para Judo ist er dort für die blinden und sehbehinderten Athlet*innen verantwortlich. Inzwischen hat er auch im Hauptamt den Weg in die Judowelt eingeschlagen. Möglich macht das die Stelle als Event-Inklusionsmanager (EVI) im DJB.

Digitale Barrierefreiheit wird Pflicht - auch für Sportvereine

Hier erfahren Sie, ob Ihr Verein betroffen ist - und was zu tun ist:

Warum Laufen in Deutschland ein boomender Sport ist

Teilnahmerekorde hier, ausverkaufte Startplätze dort - wer sich zum Beginn der Frühjahrssaison mit Laufveranstaltungen in Deutschland befasst, der kann nur unterstreichen, was seit einigen Jahren zu beobachten ist: Laufen boomt! Um eine umfassende Bewertung zu diesem Phänomen zu erhalten, ergibt es Sinn, Philipp Pflieger zu befragen. Nicht nur, dass der 37-Jährige bis zu seinem Karriereende vor zwei Jahren zu den besten deutschen Marathonläufern zählte. Der gebürtige Sindelfinger, der mit seiner Ehefrau Barbara und Töchterchen Mila (2) in Regensburg lebt, hat sich dank seines Podcasts „Bestzeit“, den er gemeinsam mit ARD-Reporter Ralf Scholt seit einigen Jahren hostet, zu einem angesagten Experten entwickelt. Sein nächster Einsatz: Am 27. April moderiert er in Hamburg den Livestream für den Veranstalter des Haspa-Marathons. „Mir macht das wahnsinnig viel Spaß, weil ich damit meine Leidenschaft für den Sport und für das Moderieren verbinden kann“, sagt er.

Diese Leidenschaft versprüht Philipp Pflieger von der ersten Sekunde des Gesprächs an; vor allem aber, als es um die Frage geht, woher die explosionsartige Entwicklung des deutschen Rekords über die 42,195 Kilometer rührt, die in den vergangenen Jahren zu beobachten war. Zur Erinnerung: Als der Hamburger Arne Gabius im Oktober 2015 in Frankfurt seine 2:08:33 Stunden in den Asphalt brannte, unterbot er damit eine Bestzeit um 14 Sekunden, die Jörg Peter 27 Jahre zuvor aufgestellt hatte. Danach dauerte es weitere acht Jahre, ehe Amanal Petros im September 2023 in Berlin mit seiner 2:04:58 in neue Sphären vorstieß. Seitdem allerdings ging es Schlag auf Schlag. Sechs deutsche Läufer liefen im Zeitraum von Dezember 2023 bis Dezember 2024 schnellere Zeiten als Gabius. Die Rekordhatz gipfelte am 1. Dezember 2024 in Valencia in Samuel Fitwis 2:04:56, die bis dato als deutscher Rekord Bestand hat. Und auch wenn Irina Mikitenkos im September 2008 in Berlin gelaufene 2:19:19 noch immer die Spitzenposition einnimmt, kommen auch sechs der Top-Ten-Zeiten bei den Frauen aus den Jahren 2023/24.

Wie aber war diese Ballung an Spitzenleistungen möglich? Pflieger, der 2016 mit Rang 55 bester deutscher Teilnehmer am olympischen Marathon in Rio de Janeiro war und dessen Bestzeit (2:12:15) aus dem Jahr 2020 stammt, hat dafür einen bunten Strauß an Erklärungen. Die wichtigste: „Die Entwicklung der Carbonschuhe war der Türöffner!“ Das Material ermögliche es den Spitzenläufer*innen, deutlich schneller und nachhaltiger zu regenerieren. „Früher war man nach einem marathonspezifischen 40-Kilometer-Trainingslauf drei Tage matsche. Heute ist zwar das Herz-Kreislauf-System belastet, aber die Muskeln erholen sich viel schneller, so dass eine ganz andere Trainingsfrequenz möglich ist. Und das spiegelt sich in den Leistungen wider“, sagt er. Zudem spiele nicht nur die optimierte Dämpfung eine wichtige Rolle, sondern auch der verbesserte Vortrieb beim Laufen selber.

Mehr Konkurrenz sorgt für deutliche Leistungssteigerung

Nicht außer Acht zu lassen sei aber auch die deutlich gewachsene Konkurrenzsituation, an der Philipp Pflieger vor allem Arne Gabius, aber auch sich und anderen Topläufern aus den Jahren 2005 bis 2015 einen Anteil zuschreibt. „Damals waren wir nur vier Leute, die um die drei Olympiaplätze gekämpft haben. Als Arne dann seine Bestzeit gelaufen ist und auch wir anderen Zeiten rund um 2:12 Stunden erreichten, haben viele jüngere Läufer gesehen: Die können das, dann können wir das auch! Die Aufmerksamkeit für Straßenläufe hat sich in jener Zeit deutlich erhöht“, sagt er. Kein Treiber sei dagegen die von einigen gern hervorgehobene Abstammung jener Läufer wie Fitwi, Petros (beide 29) oder Haftom Welday (35), die alle in Eritrea geboren wurden und nun für Deutschland an den Start gehen.

„Ich weiß, dass manchmal deren Herkunft als Grund für die neue deutsche Stärke angeführt wird“, sagt er. Nicht zu leugnen sei, dass vor allem in Ostafrika die Talentdichte hoch ist. „Das liegt vor allem daran, dass Laufen dort für viele die einzige Möglichkeit ist, sich ein gutes Auskommen zu erarbeiten, daher haben viele Läufer aus dieser Region deutlich mehr Biss und Willen. Außerdem haben sie eine ganz andere Beziehung zu Bewegung. Dort gibt es keine Elterntaxis, die die Kinder zur Schule bringen, und auch keine Fahrräder, so dass es völlig normal ist, viele Kilometer zur Schule zu laufen“, sagt Philipp Pflieger, der die Region aus diversen Trainingslagern im kenianischen Hochland sehr gut kennt. Im Falle der deutschen Läufer*innen afrikanischer Abstammung seien diese Faktoren aber nicht entscheidend. „Die meisten haben erst in Deutschland begonnen, professionell Laufsport zu betreiben. Sie sind deshalb ‚Made in Germany‘ und alle sehr stolz darauf, für Deutschland starten zu können, und ich freue mich darüber sehr. Aber Leute wie Richard Ringer, Hendrik Pfeiffer oder Sebastian Hendel können mithalten und profitieren vom Konkurrenzkampf.“

„Das Angebot, das der DOSB macht, wird ernst genommen“

DOSB: Christian, du bist seit 2007 Leiter des DOSB-Hauptstadtbüros und hast in dieser Funktion schon einige Koalitionsverträge begleitet. Gibt es im aktuellen Entwurf der Bundesregierung, der am vergangenen Mittwoch vorgestellt wurde, etwas, das dich in besonderer Weise überrascht hat? 

CHRISTIAN SACHS: Die größte Überraschung ist die Detailtiefe, in der die verschiedenen Themen abgearbeitet werden. Das gilt sowohl in Bezug auf Themen mit Sportbezug als auch für den gesamten Vertrag. Der Koalitionsvertrag der vorangegangenen Ampel-Regierung hatte meines Erachtens beispielhaft gezeigt, dass solche Schriftstücke eine Bindungswirkung haben, die von disruptiven Entwicklungen wie dem Kriegsausbruch in der Ukraine obsolet gemacht werden kann. Nach der Zeitenwende-Rede des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz hätte man den gesamten Koalitionsvertrag ad acta legen und neu ausarbeiten können, vielleicht sogar müssen. Deshalb habe ich mir angesichts der weltpolitischen Entwicklungen dieser Tage die Frage gestellt, ob wir nicht erneut in einer Situation sind, in der durch das Drehen der großen weltpolitischen Stellschrauben die Tektonik unseres Systems in Unwucht geraten ist. Ich hätte mir deshalb einen deutlich kürzeren, abstrakteren Vertrag vorstellen können. Dass es anders gekommen ist, hat mich überrascht. 

Hast du dafür eine Erklärung? War es das verstärkte Werben des DOSB und damit maßgeblich auch deines Teams, das den zehn Forderungen des organisierten Sports Nachdruck verliehen hat? Oder ist schlicht eine höhere Anerkennung des Wertes zu verzeichnen, den die Politik dem Sport beimisst? 

Sachs: Es gibt durchaus inhaltliche Anzeichen dafür, dass die angehenden Koalitionäre das Angebot, das der DOSB macht, um zur gesellschaftlichen Geschlossenheit beizutragen, mit Sympathie betrachtet und entsprechend ernst genommen wird. Das Kern-Zukunftsprojekt des DOSB, eine Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele, taucht in einer hohen Prominenz im Vertrag auf, weil es offenbar auch auf politischer Seite als ein hoffnungsvolles Zukunftsprojekt für die nächste Dekade angesehen wird. Ebenso wichtig ist die Anerkennung, dass die Ertüchtigung der maroden Sportinfrastruktur sowie die Mobilisierung der Bevölkerung, und hier insbesondere der jüngeren Generationen, nicht vernachlässigt werden dürfen. Wir als organisierter Sport stehen in hohem Konkurrenzdruck zu anderen Aktivitäten, insbesondere im Bereich der sozialen und digitalen Medien. Wenn es uns gelingen soll, junge Menschen dauerhaft in Bewegung zu bringen, braucht es dafür angemessene Angebote, Sportflächen, aber auch ausreichend Trainer*innen. Bewegung und Begegnung zu ermöglichen, das ist für die neue Regierung augenscheinlich ein wichtiges Thema. Indem der Bund sich unter dem Schlagwort Bundesmilliarde dazu verpflichtet, die Sportinfrastruktur zu optimieren, vollzieht er einen Paradigmenwechsel, weil er eine Aufgabe übernimmt, die verfassungsrechtlich den Ländern und Kommunen zugeordnet ist. Das ist deshalb ein wichtiges Zeichen, weil der Bund bewusst die positiven Aspekte des Sports stärken und den Menschen das Gefühl geben will, dass sich deren Lebensqualität vor Ort konkret verbessert. 

Tatsächlich wurde die Bundesmilliarde in einigen Medien sehr kritisch bewertet, weil sie sich auf die gesamte Legislaturperiode bezieht und der vom DOSB geforderte Zusatz „pro Jahr“ fehlt. Ist sie denn nun ein Erfolg oder eher ein Dämpfer? 

Sachs: Ich glaube, dass wir hier ein wenig im klassischen Zwiespalt zwischen Wunsch und Realität gefangen sind. Die finanzielle Lage des Bundes ist, um es neutral zu formulieren, durchaus angespannt. Noch lieber hätten wir selbstverständlich gehabt, dass eine jährliche Milliarde festgeschrieben worden wäre. Aber im Vergleich zur Vergangenheit ist das klare Commitment, das eine fixe Summe beinhaltet, ein Fortschritt. Nun wird es darauf ankommen, dieses Geld nach den im Sportentwicklungsplan erarbeiteten Kriterien sinnvoll einzusetzen und die Förderung bestenfalls zu verstetigen. 

Tatsächlich ist Papier geduldig. Das eine ist, was angekündigt wird, das andere, was davon umgesetzt wird. Wie realistisch ist es also, dass die Themen, die den Sport betreffen, in dieser Legislaturperiode auch angegangen werden? 

Sachs: Grundsätzlich ist dieser Entwurf des Koalitionsvertrags mit einem Finanzierungsvorbehalt belegt. Aber die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass es nicht allein reicht, Geld ins Fenster zu stellen. Entscheidend für den Erfolg von Förderprogrammen ist, dass diese Programme gut gemacht sind, dass Kommunen, Vereine und Verbände antragsfähig sind und flexible Lösungen gefunden werden für den oft vorkommenden Fall, dass zum Beispiel Kommunen keine eigenen Beträge zuschießen können. Es muss gelingen, dass die Förderprogramme unter Einbeziehung der Expertise des Sports entwickelt werden. Das gilt nicht nur für die Bundesmilliarde, sondern auch für ebenso wichtige Bereiche wie die Traineroffensive, die Stärkung des Ehrenamts, den Abbau von Bürokratie, den Schutz vor interpersoneller Gewalt sowie Inklusion und Integration. All das im Sport - und damit in breiten Teilen der Gesellschaft - umzusetzen, funktioniert vor allem, wenn es eine extrem enge Kooperation zwischen der Politik und dem organisierten Sport gibt und ein hohes Vertrauen in die selbstorganisatorischen Fähigkeiten der Vereine aufgebaut wird. 

Barrierefreiheit